Nach dem Abbruch eines libyschen Ligaspiels in Tarhunah durch eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung kam es zu Ausschreitungen von Fans, die sich bis nach Tripolis ausweiteten, wo das Hauptquartier der Regierung der Nationalen Einheit in Brand gesetzt wurde.
Bei Ausschreitungen nach einem Fußballspiel in einer westlibyschen Stadt sind mehrere Menschen verletzt worden. Zudem wurde in der Hauptstadt Tripolis ein Regierungsgebäude in Brand gesetzt, wie die Behörden am Freitag mitteilten.
Die Gewalt begann in der Stadt Tarhuna, rund 80 Kilometer südlich von Tripolis, nach einem Spiel zwischen Al-Ittihad SCSC aus Tripolis und Asswehly SC aus Misrata am Donnerstag.
Die Partie, die Teil der entscheidenden Runde um den Meistertitel in Libyens höchster Fußballliga war, fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Kurz vor dem Schlusspfiff wurde das Spiel unterbrochen, nachdem Spieler von Al-Ittihad gegen einen aus ihrer Sicht nicht gegebenen Elfmeter protestiert hatten, berichtete die libysche Nachrichtenagentur LANA.
Der Vorfall führte laut LANA zu Zusammenstößen zwischen Fans und Sicherheitskräften außerhalb des Stadions.
Die international anerkannte Regierung der Nationalen Einheit in Tripolis entsandte daraufhin die 444. Kampfbrigade, eine ihrer schlagkräftigsten bewaffneten Gruppen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.
Die Brigade erklärte, eines ihrer Mitglieder sei durch Schüsse getötet worden. Zudem bestätigte sie laut arabischsprachigen Medienberichten, dass ihre Einheiten scharfe Munition gegen Demonstranten eingesetzt hätten.
Der Tod des Soldaten wurde bislang weder von den Behörden noch von unabhängigen Medien bestätigt.
Fußballspieler und Journalisten verletzt
Unter den Verletzten befinden sich auch Spieler und Journalisten, die über das Spiel berichteten. Mehrere Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt, darunter auch der Übertragungswagen eines libyschen Sportsenders.
Der libysche Präsidialrat erklärte zudem, dass der Sitz des Ministerrats in Tripolis Ziel von Sabotageakten und Brandstiftung geworden sei. Lokale Medien berichteten, dass mehrere Büros innerhalb des Regierungskomplexes Feuer gefangen hätten. Laut LANA konnte der Brand jedoch schnell gelöscht werden.
Der Präsidialrat forderte eine Untersuchung der "bedauerlichen Ereignisse" und erklärte, mögliche Ungerechtigkeiten müssten auf legalem Wege und "nicht durch Gewalt" behandelt werden.
Die jüngsten Ausschreitungen gelten als die schwersten Unruhen in Tripolis seit mehreren Monaten.
Bereits Anfang Mai waren bei bewaffneten Zusammenstößen in der westlibyschen Stadt Zawiya, die ebenfalls unter Kontrolle der Regierung in Tripolis steht, neun Menschen getötet und 23 weitere verletzt worden.
Die 444. Kampfbrigade war Berichten zufolge zudem mit der mutmaßlichen Tötung von Saif al-Islam Gaddafi, dem Sohn des früheren libyschen Machthabers Muammar Gaddafi, im Februar in Verbindung gebracht worden. Die Einheit weist jede Beteiligung daran zurück.