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Zwanzig Jahre Unabhängigkeit: Montenegro rückt EU-Beitritt ins Zentrum

Fußgänger gehen über eine mit Nationalflaggen geschmückte Straße in Montenegros Hauptstadt Podgorica am Montag, dem 18. Mai 2026.
Fußgänger gehen über eine mit Nationalflaggen geschmückte Straße in Montenegros Hauptstadt Podgorica am Montag, 18. Mai 2026. Copyright  AP Photo/Risto Bozovic
Copyright AP Photo/Risto Bozovic
Von Emma De Ruiter
Zuerst veröffentlicht am
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Zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit von Serbien richtet Montenegro den Blick nach vorn. Präsident Jakov Milatović sieht den EU-Beitritt bis 2028 als nächsten großen Meilenstein.

Montenegro feiert in dieser Woche zwanzig Jahre Unabhängigkeit von der Staatengemeinschaft mit Serbien. In der Hauptstadt Podgorica und anderen Städten des Landes finden Konzerte und zahlreiche Feierlichkeiten statt.

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Nach zehn Jahren Krieg und dem NATO-Bombardement von 1999, das den Kosovo-Krieg beenden sollte, stimmten die Montenegriner am 21. Mai 2006 in einem Referendum über die Zukunft ihres Landes ab. Montenegro war damals gespalten: Die einen befürworteten die Unabhängigkeit, die anderen wollten an der Union mit Serbien festhalten. Am Ende votierten 55,5 Prozent für die Eigenständigkeit.

Die Trennung vom gemeinsamen Staat blieb jedoch umstritten. Montenegro ist historisch eng mit Serbien verbunden. Rund ein Drittel der Bevölkerung betrachtet sich als serbisch. Beide Länder sind mehrheitlich orthodox geprägt, sprechen sehr ähnliche Sprachen und waren über Jahrhunderte Verbündete.

Den Kurs in Richtung Unabhängigkeit prägte der langjährige Staatschef Milo Djukanović. Unter seiner Führung trat Montenegro der NATO bei und distanzierte sich zugleich von Russland, einem weiteren traditionellen slawischen Verbündeten.

Für Präsident Jakov Milatović ist die vollständige Integration in die EU der nächste große Meilenstein des Landes.

"Vor zwanzig Jahren haben die Bürgerinnen und Bürger Montenegros ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Das bildete die Grundlage für unsere Entwicklung", sagte der Präsident.

"Der wohl größte Fortschritt war der NATO-Beitritt im Jahr 2017", ergänzte er. "Für ein kleines Land wie Montenegro ist die Mitgliedschaft von großer Bedeutung. Die NATO ist eine Sicherheitsgarantie für unsere Unabhängigkeit und Staatlichkeit."

Milatović zeigte sich zuversichtlich, dass das Land mit seinen 623.000 Einwohnerinnen und Einwohnern seine ehrgeizigen Ziele erreicht und 2028 als nächstes Mitglied der derzeit 27 Staaten umfassenden EU beitritt.

Das Motto "28 by 28" prangt sogar auf einem Flugzeug der nationalen Fluggesellschaft.

"Wir können das schaffen", sagte Milatović in seinem Büro in Podgorica. "Ich bin optimistisch."

Montenegro: EU-Beitritt in Reichweite

Montenegro gilt unter den sechs Staaten des westlichen Balkans als aussichtsreichster Kandidat für einen EU-Beitritt. Die Länder befinden sich in unterschiedlichen Stadien des Verfahrens. Auch weitere Staaten, darunter die Ukraine, streben langfristig einen Beitritt an.

Die EU hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die einen Beitrittsvertrag für Montenegro vorbereiten soll. Das gilt als Zeichen dafür, dass eine Aufnahme in greifbarer Nähe bleibt.

Nach Angaben von Milatović liegt die Zustimmung zur EU in Montenegro bei rund 80 Prozent. Gleichzeitig müsse das Land demokratische und wirtschaftliche Reformen abschließen. Wie schnell dies gelinge, liege nun "vollständig in den Händen Montenegros", sagte er.

Vor zwanzig Jahren war die Gesellschaft deutlich gespaltener, als das Land entschied, die Staatenunion Serbien und Montenegro zu verlassen – eine von mehreren Nachfolgestaaten Jugoslawiens.

Trotzdem steht Montenegro auf dem Weg in die EU weiterhin vor großen Herausforderungen. Seit dem Kandidatenstatus im Jahr 2010 bleibt insbesondere die Stärkung staatlicher Institutionen eine zentrale Aufgabe.

"Was in den vergangenen vierzehn Jahren versäumt wurde, müssen wir nun in sechs Monaten aufholen", sagte Jovana Marović, ehemalige Ministerin für Europäische Integration. "Das ist sehr anspruchsvoll, aber der Prozess läuft."

Für viele Menschen in Montenegro stehen wirtschaftliche Fragen und der Lebensstandard im Mittelpunkt. Zwar hat das Land neben demokratischen Reformen den Euro eingeführt, doch die Wirtschaft bleibt klein und ist stark vom Tourismus abhängig.

Anfang Juni wollen EU-Vertreterinnen und -Vertreter diese Botschaft bei einem Treffen im montenegrinischen Küstenort Tivat bekräftigen. Dort kommen die Staats- und Regierungschefs der westlichen Balkan-Kandidaten zusammen: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien, Serbien, Kosovo – und Montenegro.

Weitere Quellen • AP

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