Der Handel zwischen Deutschland und Usbekistan lag im vergangenen Jahr bei mehr als 1,4 Milliarden Dollar, deutsche Investitionen bei 2 Milliarden. Beide Länder vertiefen Bildungsprogramme und Arbeitsmigration.
Beim zweitägigen Besuch in Taschkent hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Gespräch mit Euronews erklärt, die Entwicklung Usbekistans in den vergangenen zwei Jahrzehnten habe neue Chancen für eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland, der Europäischen Union und Zentralasien eröffnet.
Steinmeier betonte, die Beziehungen zwischen Europa und Zentralasien seien heute deutlich enger als noch zu Beginn seiner Bemühungen um die Region. Bereits 2006 hatte er sich als Außenminister für einen stärkeren deutschen Fokus auf Zentralasien eingesetzt.
„Ich bin sehr dankbar, dass ich in meiner politischen Laufbahn in den vergangenen 20 Jahren dazu beitragen konnte, die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern – Usbekistan und Deutschland – sowie zwischen der Europäischen Union und Zentralasien zu vertiefen“, sagte Steinmeier gegenüber Euronews.
„Am Anfang war das nicht besonders einfach. Doch dieser Besuch mit Gesprächen auf höchster politischer Ebene zeigt, dass wir einander heute deutlich näher gekommen sind. Die Voraussetzungen für eine engere Zusammenarbeit – sei es in der Wirtschaft oder im kulturellen Austausch – sind inzwischen sehr gut.“
Der Besuch in der usbekischen Hauptstadt ist Teil einer größeren Asienreise, die Steinmeier zuvor bereits nach Indonesien und auf die Philippinen geführt hatte.
„Wir haben hier verlässliche Partner“, sagte der Bundespräsident. „Deshalb können wir unsere politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit großem Vertrauen weiter ausbauen.“
Politischer Dialog und wirtschaftliche Zusammenarbeit
Im Präsidentensitz Kuksaroy sprachen der usbekische Staatschef Schawkat Mirsijojew und Steinmeier über politischen Dialog, Handel, Investitionen, Bildung, Verkehrsverbindungen und die Zusammenarbeit über die Plattform Zentralasien–Deutschland.
Beide Staats- und Regierungschefs bekräftigten den Willen, die Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen zu vertiefen, darunter Industrie, Energie, Logistik, Bergbau, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Bildung.
Mirsijojew hob Steinmeiers langjährigen Beitrag zur Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland, der Europäischen Union und Zentralasien hervor. Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit der wachsenden Intensität der bilateralen Kontakte.
Die Spitzenpolitiker vereinbarten außerdem, einen detaillierten Fahrplan zur Umsetzung der während des Besuchs getroffenen Vereinbarungen auszuarbeiten.
Investitionen und neue Projekte - von Volkswagen bis Henkel
Deutschland zählt weiterhin zu den wichtigsten europäischen Wirtschaftspartnern Usbekistans.
Das bilaterale Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr 1,4 Milliarden US-Dollar (rund 1,21 Milliarden Euro) und ist seit Jahresbeginn um weitere fünf Prozent gestiegen. Die deutschen Investitionen in die usbekische Wirtschaft belaufen sich inzwischen auf etwa 2 Milliarden US-Dollar (rund 1,73 Milliarden Euro).
Beide Seiten betonten auch die Ergebnisse der "Tage der deutschen WirtschaftW" und der "10. Tagung des Deutsch-Usbekischen Wirtschaftsrats", die im Mai in Taschkent stattfanden. Dort wurden Investitions- und Handelsabkommen im Wert von mehr als 1 Milliarde US-Dollar (rund 870 Millionen Euro) unterzeichnet.
Steinmeier sagte, das Interesse deutscher Unternehmen an Usbekistan wachse weiter. „Deutsche Technologie ist hier bekannt und geschätzt."
Der Bundespräsident begrüßte eine Reihe neuer Projekte mit deutscher Beteiligung, darunter Investitionen in die Industrieproduktion, Logistik und die Qualifizierung von Fachkräften.
Er nannte unter anderem die Pläne von Volkswagen und neue Investitionsvorhaben des Chemiekonzerns Henkel als Beispiele für die wachsende wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Deutschland setzt auf usbekische Fachkräfte
Ein weiteres zentrales Thema des Besuchs war der Arbeitsmarkt. Deutschland hat vor Kurzem ein Migrations- und Mobilitätsabkommen mit Usbekistan unterzeichnet, das die Anwerbung qualifizierter Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt erleichtern soll.
Die Frage gewinnt an Bedeutung, weil Deutschland in mehreren Branchen unter Fachkräftemangel leidet und die Bevölkerung Usbekistans weiter wächst.
Steinmeier betonte, dass das Interesse an Deutschland unter jungen Usbeken ungebrochen sei. Mehr als 400 000 Menschen lernen derzeit Deutsch in Usbekistan, und über 2 000 usbekische Studierende besuchen deutsche Hochschulen.
In der vergangenen Woche wurde zudem ein Abkommen zur Gründung einer usbekisch-deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften in Samarkand unterzeichnet. Beide Seiten sehen darin einen wichtigen Schritt zur Ausweitung der Bildungskooperation.
Die Staats- und Regierungschefs unterstützen außerdem Pläne für ein zweites Forum der Hochschulen und ein drittes usbekisch-deutsches Medizinforum in Taschkent.
Abseits von Politik und Wirtschaft besuchte Steinmeier das Zentrum für islamische Zivilisation in Taschkent, wo er Ausstellungen zur vorislamischen und islamischen Geschichte Zentralasiens besichtigte.
Er beschrieb das Haus als einen Ort des Lernens und der Forschung und betonte, dass kulturelle und zwischenmenschliche Kontakte auch künftig eine wichtige Rolle in den Beziehungen zwischen Deutschland und Usbekistan spielen werden.