Das Griechische Zentrum für Meeresforschung erklärt, was für Kugelfische gilt und was nicht. Ein Plan zur Eindämmung ihrer Bestände liegt der EU bereits vor.
Das Griechische Zentrum für Meeresforschung (ΕΛΚΕΘΕ) hat eine Mitteilung zur Verbreitung des Kugelfischs in den griechischen Meeren veröffentlicht. Das Thema sorgt in den vergangenen Tagen für viel Aufsehen. Ziel des Zentrums ist es, Fakten zu klären und die Bürger zu informieren.
Das Zentrum gilt als die größte öffentliche griechische Einrichtung für Forschung zur Hydrosphäre und zu Wasserlebewesen. Nach der Flut an Berichten über den Kugelfisch und seine Gefährlichkeit sieht es sich in der Pflicht, die Bevölkerung zu informieren. So sollen Übertreibungen und unbegründete Ängste vermieden werden, heißt es.
Der Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus) ist ein lessepsischer Einwanderer. Darunter versteht man marine Arten, die über den Suezkanal vom Roten Meer ins Mittelmeer gelangt sind und sich dort etabliert haben. Die Art stammt ursprünglich aus dem indopazifischen Raum.
In Griechenland wurde er erstmals 2005 nachgewiesen. Inzwischen kommt er in fast allen griechischen Meeresgebieten vor, entsprechende Beobachtungen häufen sich.
Seit ihrem ersten massenhaften Auftreten in griechischen Gewässern im Jahr 2013 haben sich die Kugelfische von Kreta über die Dodekanes bis an die Küste Attikas ausgebreitet, darunter auch an stark frequentierte Strände.
An den Küsten Attikas, unter anderem in Saronida, Varkiza und Vouliagmeni, wurden zuletzt vermehrt Vorfälle mit Badegästen gemeldet. Die Fische greifen demnach selbst Schwimmer in extrem flachem Wasser von nur etwa 20 Zentimetern Tiefe an.
Ihre scharfen, schnabelartigen Zähne können tiefe Bissverletzungen verursachen. So musste kürzlich ein Badegast in Varkiza nach einem Biss in den Unterschenkel medizinisch behandelt werden. Weitere Verletzte wurden mit Wunden an Beinen und anderen Körperstellen in das Asklipieio-Krankenhaus in Voula gebracht. Fachleute weisen darauf hin, dass viele leichtere Fälle vermutlich gar nicht gemeldet werden. Bis zum vergangenen Jahr wurden im gesamten Mittelmeerraum 28 schwere Vorfälle dokumentiert, einige davon mit Amputationen von Fingern.
Als invasive gebietsfremde Art schädigt der Fisch zudem die biologische Vielfalt, beeinträchtigt Ökosystemleistungen und blaue Wirtschaftsaktivitäten – insbesondere die Fischerei – und stellt zudem ein Risiko für die menschliche Gesundheit dar.
Ökosystem verändert sich, auch durch Überfischung
Meeresbiologen betonen, dass sich das Ökosystem der Ägäis nach rund drei Jahrtausenden relativer Stabilität derzeit stark verändert – begünstigt durch die Vertiefung des Suezkanals, unkontrolliert eingeleitetes Ballastwasser von Frachtschiffen sowie vor allem durch jahrzehntelange Überfischung.
Zwar gibt es nur wenige gezielte Studien zu den Auswirkungen des Kugelfischs auf die Biodiversität. Nach Berichten von Fischern, wissenschaftlichen Beobachtungen und Modellrechnungen wirkt sich der Fisch jedoch negativ auf die Meeresökosysteme aus. Die Art passt sich schnell an, bekannte Fressfeinde sind selten. Sie konkurriert mit heimischen Arten um Nahrung und frisst kommerziell wertvolle Fische.
Der Giftfisch verursacht erhebliche wirtschaftliche Schäden für Küstenfischer. Er zerstört Fanggeräte, zwingt die Fischer, ihre Fanggebiete zu wechseln, und erhöht ihren Arbeitsaufwand für Reparaturen. Gleichzeitig verlieren sie wertvolle Fänge, weil sie von dem Raubfisch gefressen werden.
Er enthält ein starkes Nervengift, das Tetrodotoxin. Wichtig: Dagegen existiert kein bekanntes Gegengift. Der Verzehr kann somit tödlich enden. Wegen dieses Risikos und aufgrund einschlägiger europäischer Vorschriften ist der Fang dieser Art und verwandter Arten für den menschlichen Verzehr verboten.
In Griechenland ist nur ein Fall einer Vergiftung durch den Kugelfisch dokumentiert. Er betraf den Verzehr des Fisches durch fünf ausländische Seeleute, die die Art nicht kannten.
Aktionsplan gegen die invasive Art
Die auf invasive Arten spezialisierten Wissenschaftler des Zentrums für Meeresforschung beobachten seit vielen Jahren die Ausbreitung und die Auswirkungen des Kugelfischs auf Meeresumwelt und Fischerei. Die Arbeiten laufen im Rahmen von Forschungsprojekten, die vor allem das griechische Landwirtschaftsministerium finanziert. Das Zentrum arbeitet eng mit allen zuständigen Stellen zusammen, um Lösungen für den Umgang mit der Art zu entwickeln.
Mit Finanzierung durch die Behörde für Umwelt und Klimawandel hat das Zentrum bereits im Jahr 2024 einen Aktionsplan gegen den Lagokefalos erarbeitet. Er enthält Vorschläge für Monitoring, Management und mögliche wirtschaftliche Nutzung.
Parallel dazu haben Fachleute in Abstimmung mit dem griechischen Umwelt- und Energieministerium einen Vorschlag für ein Pilotprogramm ausgearbeitet. Es orientiert sich an den Erfahrungen Zyperns, das bereits ein ähnliches Programm gestartet hat. Vorgesehen ist eine gezielte, subventionierte Befischung des giftigen Fischs durch Küstenfischer in Regionen mit besonders vielen dieser Fische. Der Plan liegt der Europäischen Kommission zur Genehmigung vor.
Das griechische Landwirtschaftsministerium prüft derzeit die Einführung einer Prämie von sechs Euro pro Kilogramm gefangenem Kugelfisch. In Regionen wie Kreta, dem Dodekanes und Zypern werden bereits 4,80 Euro pro Kilogramm gezahlt. Auch die Türkei fördert den gezielten Fang der Tiere finanziell.
Der Bevölkerung und allen, die in diesem Sommer ans Meer fahren oder hobbymäßig fischen, rät das Zentrum für Meeresforschung zu Ruhe und Vorsicht.
Wildtiere, ob im Wasser oder an Land, sollten grundsätzlich nicht angelockt, angefasst, gefüttert oder gereizt werden. Speziell der Kugelfisch sollte nur angefasst werden, wenn es unbedingt notwendig ist, und dann mit speziellen, dicken Handschuhen, heißt es. In keinem Fall sollte er verzehrt werden. Grundsätzlich, so die Meldung aus Griechenland, sollten keine Fische, bei denen man sich nicht hundertprozentig sicher ist, dass sie zum Essen geeignet sind, konsumiert werden.
In Teilen Asiens eine riskante Delikatesse
Übrigens: Kugelfische werden in einigen Ländern als Delikatesse gegessen, vor allem in Ost- und Südostasien.
In Japan beispielsweise ist die Zubereitung von Kugelfisch (dort heißt er Fugu) streng geregelt. Köche müssen zunächst eine mehrjährige Spezialausbildung absolvieren und anschließend eine staatliche bzw. regionale Prüfung bestehen. Nur mit einer offiziellen Lizenz dürfen sie den Fugu zubereiten.
In der Praxisprüfung müssen die angehenden Köche einen Kugelfisch fachgerecht zerlegen und dabei alle giftigen Teile wie Leber, Eierstöcke und bestimmte Hautpartien vollständig entfernen. Diese Teile müssen sicher entsorgt werden. Restaurants, die Fugu anbieten, unterliegen zudem regelmäßigen Kontrollen durch die Gesundheitsbehörden.