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Wind und Solar überholen Fossilenergie in Deutschland: Strompreise oft negativ

Eine Förderpumpe des Konzerns Wintershall DEA pumpt am Freitag, dem 18. März 2022, Rohöl auf einem alten Ölfeld in Emlichheim, Deutschland.
Eine Förderanlage von Wintershall DEA fördert Rohöl auf einem alten Ölfeld in Emlichheim, Deutschland, am Freitag, 18. März 2022. Copyright  Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Deutschland will die Kohleverstromung deutlich früher beenden als zunächst vorgesehen, obwohl die Energiewende zuletzt mehrere Rückschläge erlebte.

Deutschland dürfte sich „deutlich früher“ als ursprünglich geplant von der klimaschädlichen Kohle verabschieden, nachdem das Land bei seiner Energiewende einen wichtigen Meilenstein erreicht hat.

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Neue Daten des Londoner Thinktanks Energy Institute zeigen: Gemeinsam erzeugten Wind- und Solarkraft 2025 44 Prozent des deutschen Stroms und lagen damit um ein Prozent vor fossilen Energieträgern.

Seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 ist der Anteil von Wind- und Solarstrom an der Stromerzeugung um rund 42 Prozentpunkte in die Höhe geschnellt.

Parallel dazu ist der Anteil der Kohle, oft als „schmutzigste“ Energieform bezeichnet, von über der Hälfte der Stromversorgung auf nur noch 21 Prozent gesunken. Fachleute hoffen nun, dass Deutschland bereits vor 2038 aus der Kohleverstromung aussteigt.

Beeindruckend ist das auch vor dem Hintergrund, dass Deutschland den Atomausstieg vollzogen hat; 2022 trug Atomstrom noch 6,6 Prozent zur gesamten Stromproduktion bei. Atomkraft gilt zwar oft als klimafreundlich, die Sorge vor gefährlichen Abfällen und Umweltfolgen bleibt jedoch groß.

Der Befund passt in einen größeren Trend: Nach Zahlen des Thinktanks Ember haben Wind- und Solaranlagen im vergangenen Jahr in der EU erstmals mehr Strom produziert als fossile Kraftwerke, nämlich 30 gegenüber 29 Prozent.

Deutschlands Dilemma mit den Erneuerbaren

Trotz dieses Erfolgs kämpft Deutschland weiter mit negativen Strompreisen, die entstehen, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt.

Grund ist oft die geringe Flexibilität von Wind- und Solarkraft: Sie erzeugen Strom je nach Wetterlage und nicht nach der tatsächlichen Nachfrage.

Die Folge ist ein deutlicher Anstieg der sogenannten Abregelung. Betreiber schalten Solar- und Windparks zeitweise ab oder drosseln ihre Leistung.

Passiert das direkt, weil sich die Stromproduktion wirtschaftlich nicht mehr lohnt und nicht wegen Engpässen im Netz, sprechen Fachleute von preisabhängiger oder kommerzieller Abregelung.

In der ersten Jahreshälfte 2026 stieg die kommerzielle Abregelung um 20 Prozent, von 1.216 auf 1.463 GWh. Gleichzeitig ging die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen von 389 auf 299 zurück.

Eine aktuelle Analyse des Energiemarktexperten Montel zeigt: Nach dem im vergangenen Jahr eingeführten sogenannten Solar Peak Act verlieren neu gebaute erneuerbare Anlagen ihren garantierten Förderaufschlag, sobald die Großhandelspreise ins Minus rutschen.

Expertinnen und Experten warnen, dies setze für Betreiber erneuerbarer Anlagen einen „deutlich schärferen wirtschaftlichen Anreiz“, die Produktion zu stoppen, statt Strom mit Verlust zu erzeugen.

Deutschlands Kampf um die Elektrifizierung

Trotz mehrerer Rückschläge nimmt die Elektrifizierung in Deutschland zu. Sie kann helfen, Abregelungen zu verringern, weil sie die Nachfrage glättet.

Anfang des Jahres strich das Kabinett einen Gesetzentwurf, der Haushalte verpflichtet hätte, fossile Heizkessel durch klimafreundliche Alternativen zu ersetzen – ein Schritt, den die Grünen als „vollständigen Abschied von Deutschlands Klimazielen“ bezeichneten.

Damit entfällt die Vorgabe, dass neue Heizungen im Land zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben werden müssen. Ebenso gestrichen sind „zwangsweise Heizungswechsel oder Verbote“ für neue Öl- und Gasheizungen.

Die Kehrtwende kam, als Daten zeigten, dass Wärmepumpen in Deutschland erstmals Gasheizungen beim Absatz überholen, angetrieben von stark schwankenden Gaspreisen im Schatten von Irans Macht über die Straße von Hormus.

Im vergangenen Jahr entfielen fast die Hälfte, nämlich 48 Prozent, aller verkauften neuen Heizungen auf Wärmepumpen; insgesamt wurden 299.000 Geräte abgesetzt. Nach Angaben des Europäischen Wärmepumpenverbands EHPA lagen die Verkäufe in Deutschland im ersten Quartal 2026 um 34 Prozent über dem gleichen Zeitraum 2025.

Beim Einsatz von intelligenten Stromzählern hinkt Deutschland dem restlichen Europa ebenfalls deutlich hinterher. Bis 2024 verfügten nur zwei Prozent der Haushalte über einen modernen Smart Meter, obwohl bestimmte Verbrauchergruppen die Geräte seit vergangenem Jahr verpflichtend einbauen müssen.

Smart Meter verschaffen Haushalten mehr Kontrolle über ihren Energieverbrauch. Sie ermöglichen flexible „Zeitnutzungstarife“, die niedrigere Preise bieten, wenn die Nachfrage gering oder die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen hoch ist.

Solche Tarife animieren Haushalte, stromintensive Geräte wie Waschmaschinen dann laufen zu lassen, wenn viel erneuerbarer Strom im Netz ist. Smart Meter helfen so, Stromnachfrage und Angebot besser aufeinander abzustimmen.

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