Deutschlands Top-Joker Deniz Undav macht nach seiner Einwechslung zwei Tore und schießt Deutschland zum Sieg. Die DFB-Elf beweist gegen starke Ivorer, die in der ersten Halbzeit in Führung gingen, Mentalität und zieht als Gruppensieger in die K.O.-Runde ein.
In der 60. Minute bringt Julian Nagelsmann in Toronto Deniz Undav. Acht Minuten später flankt der ebenfalls eingewechselte Nadiem Amiri auf Undav der mit einem Volleyschuß unter die Latte das 1:1 klar macht. In der 94. legt der Stürmer vom VFB Stuttgart nach. Einer der besten Deutschen in diesem Spiel, Felix Nmecha, legt einen Steilpass für Undav auf, dieser macht mit einem Schuss aus der Drehung das 2:1 und ballert Deutschland zum Sieg. Gruppensieg und Einzug ins Sechzehntelfinale stehen fest.
Deniz Undav: weiter Topjoker oder ab jetzt von Anfang an?
Julian Nagelsmann, der während des Spiels an der Seitenlinie sehr emotional agierte und nach dem Sieg auf den Platz stürmte: "Ich bin sehr stolz auf die Spieler, die reingekommen sind. Alle haben es sehr, sehr gut gemacht. Es waren zwei Toptore von Deniz, er ist einfach ein Vollblutstürmer. Er macht zwei super Tore, ohne Nachdenken. Er weiß, wo das Tor steht, der Siegtreffer war Wahnsinn. Es war emotional. Jeder Spieler hat heute seine Wertigkeit gespürt - die Gruppe hat sich den Sieg erarbeitet."
Forderungen, Undav solle künftig von Anfang an spielen, dürften nun lauter werden. Bisher ist Undav der Topjoker von Nagelsmann. Gegen Curacao kam er in der 64. Minute, erzielte ebenfalls ein Tor. Deniz Undav, der 2020 noch für den SV Meppen in der 3. Liga gespielt hatte, liegt mit fünf Scorer-Punkten (drei Tore und zwei Vorlagen) in der WM-Rangliste momentan vorn.
Deniz Undav: "Es klappt gerade einfach vieles. Ich nehme den Lauf mit und versuche, es zu genießen. Die Mannschaft und das Trainerteam machen es mir aber auch aktuell sehr einfach. Das gibt mir Selbstbewusstsein für die nächsten Spiele."
Deutschland tut sich schwer, Einwechslungen bringen den Sieg
Insgesamt war es ein hart erkämpfter Sieg gegen körperlich starke Westafrikaner. Die deutsche Nationalmannschaft versuchte von Beginn an, das Spiel zu kontrollieren, doch die Umschaltmomente der Ivorer waren stets gefährlich. In der 22. Minute fällt dann durch Aleksandar Pavlović das vermeintliche 1:0, der Treffer wird aber wegen Foulspiels aberkannt. Dann der Schock in der 30. Minute: nach der Trinkpause setzt sich Yan Diomande gegen Kimmich durch, bringt den Ball vor das Tor und Franck Kessié staubt für die Elfenbeinküste zum 1:0 ab. In der 38. Minute schiebt Kai Havertz den Ball ein, aber auch dieser Treffer zählt nicht, denn zuvor hatte Musialla ein Stürmerfoul begangen.
In der zweiten Hälfte musste Nagelsmann den angeschlagenen Nico Schlotterbeck durch Antonio Rüdiger ersetzen. Nadiem Amiri, Jamie Leweling und Deniz Undav sollten die deutsche Offensive ankurbeln und ersetzten ab der 60. Minute Jamal Musiala, Leroy Sané und Aleksandar Pavlovic. Die DFB-Elf wurde ab jetzt dominanter.
DFB-Elf zeigt Mentalität
Nadiem Amiri fasst zusammen: "Das war absolut die Mentalität der Mannschaft. Wie wir uns reingehauen haben und zurückgekommen sind. So einen Zusammenhalt hatte Deutschland glaube ich lange nicht mehr, wie wir alle füreinander rennen. Wir können alle stolz auf uns sein."
Fazit: die deutsche Nationalelf hat die erste härtere Prüfung der Weltmeisterschaft bestanden. Nach den peinlichen Vorrunden-Aus von 2018 und 2022 sichert sie sich jetzt schon nach dem zweiten Gruppenspiel das Weiterkommen. Gegen Curaçao brannte Deutschland ein Offensivfeuerwerk ab, gegen die robuste Elfenbeinküste zeigte die DFB-Elf Widerstandskraft, Geduld und Siegeswillen - allesamt gute Eigenschaften für ein WM-Turnier.
Trainer Julian Nagelsmann bremst aber vorerst die Euphorie: "Wir brauchen jetzt nicht von Weltspitze sprechen. Vor drei Wochen war ja noch alles in Schutt und Asche. Nächster Step jetzt ist Ecuador, das Spiel gewinnen und die Aufgaben abarbeiten, die vor uns liegen."