Das US-Heimatschutzministerium betont, es habe von Anfang an geplant, die Auflagen für das iranische Team zu lockern, sobald alle Sicherheitsregeln erfüllt sind.
Die USA lockern ihre Auflagen für Irans WM-Team. Die Mannschaft darf nun bereits zwei Tage vor ihrem nächsten Spiel in das Land einreisen, teilte das US-Heimatschutzministerium am Dienstag mit.
Die Auswahl muss das Land aber weiterhin direkt nach der Partie am Freitag in Seattle wieder verlassen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Irans Fußballverband bestätigte, dass das Team am Mittwoch sein Trainingslager im mexikanischen Tijuana verlässt und nach Seattle reist.
„Das war von unserer Seite so geplant“, sagte Andrew Giuliani, Exekutivdirektor der FIFA-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses, der Nachrichtenagentur Associated Press.
„Wir wollten zunächst sehen, wie die ersten beiden Reisen laufen. Wenn alles reibungslos verläuft, räumen wir wegen der längeren Anreise einen zusätzlichen Tag ein.“
Über die Änderung berichtete zuerst der US-Sender NBC News. Sie fällt in eine Phase, in der Vertreter beider Länder darüber verhandeln, wie der von den USA und Israel am 28. Februar begonnene Krieg im Iran beendet werden kann.
Die iranische Auswahl klagt seit Beginn des Krieges über die Reiseauflagen und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Im März beantragte Teheran, seine Gruppenspiele komplett nach Mexiko zu verlegen, mit dem das Land diplomatische Beziehungen unterhält.
Dem Antrag, das Quartier von Tucson im US-Bundesstaat Arizona nach Tijuana zu verlegen, gaben die Behörden zwei Wochen vor Ankunft der Mannschaft statt. Mehrere Funktionäre und Mitglieder des Betreuerstabs dürfen allerdings nicht mit dem Team in die USA einreisen.
Für die ersten beiden Spiele im Großraum Los Angeles durfte das Team jeweils erst am Vortag anreisen. Trainer Amir Ghalenoei betonte immer wieder, diese Regel benachteilige seine Mannschaft – besonders, weil ihr wie vor der Partie am Sonntagnachmittag weniger als 24 Stunden bis zum Anpfiff blieben.
„Im Moment brauchen wir vor allem Regeneration“, sagte Ghalenoei über einen Dolmetscher nach dem 0:0 gegen Belgien am zweiten Spieltag der Gruppe. „Die Bedingungen sind extrem hart für uns.“
Eine Anreise am Vortag ist im internationalen Fußball nichts Ungewöhnliches und entspricht den FIFA-Vorgaben. Dort heißt es: „Jedes Team reist einen Tag vor dem Spieltag (MD‑1) von seinem Teamquartier zum Spielort, in Ausnahmefällen am zweiten Tag davor (MD‑2), und kehrt nach dem Spiel in sein Quartier zurück (am Spieltag selbst oder am Folgetag).“
Iran hatte jedoch zusätzliche Zeit gefordert, um sich an die Spielorte zu gewöhnen und sich nach den Partien zu erholen – vor allem wegen der mehr als 1.900 Kilometer langen Reise nach Seattle. Das Team soll am Donnerstag an der University of Washington trainieren.
„Wir verlangen nicht viel. Wir wollen nur die gleichen Abläufe wie die anderen 47 Teams“, sagte Irans Kapitän Alireza Jahanbakhsh am Sonntag. „Hoffentlich können dann alle, die an unserer Arbeit beteiligt sind und uns helfen, auch mitreisen.“
Die Mannschaft berichtet zudem von Problemen bei jeder Ein- und Ausreise in die USA auf dem 204-Kilometer-Flug zwischen Tijuana und Los Angeles.
Der an sich kurze Trip habe am Vortag des ersten Spiels gegen Neuseeland fünf Stunden gedauert, sagte Kapitän Mehdi Taremi.
Wenige Stunden vor dem Spiel gegen Belgien erklärte US-Heimatschutzminister Markwayne Mullin beim Sender Fox News, die Iraner hätten „gestern versucht, eine Person einzuschleusen“, die direkte Verbindungen zu den Revolutionsgarden habe.
In einer Erklärung wies der Fußballverband den Vorwurf scharf zurück und sprach von „einer glatten und unwiderlegbaren Lüge“.
Irans Spieler und Trainer vermeiden bislang weitgehend öffentliche Kommentare zum Krieg. „Wir sind hier für Fußball, nicht für Politik“, sagte Ghalenoei am Samstag.
Gleichzeitig scheut das Team nicht davor zurück, auf die Opfer eines tödlichen Raketenangriffs auf eine Grundschule zu Beginn des Krieges im Nahen Osten hinzuweisen, der vermutlich von den USA ausgegangen ist.
Die Spieler trugen bei ihrer Ankunft in Mexiko am 7. Juni goldfarbene Anstecknadeln mit der Zahl „168“ an den Jacken – als Verweis auf die Zahl der Todesopfer, überwiegend junge Mädchen.
Noch unklar ist, ob auch Irans nächster Gegner Ägypten zwei Tage vor dem Spiel nach Seattle reisen darf. Nach dem 3:1-Sieg gegen Neuseeland in Vancouver am Sonntag beantragte das Team einen Direktflug nach Seattle.
Die FIFA lehnte dies mit Verweis auf fehlende Sicherheitskräfte für eine so kurzfristige Änderung ab. Ägypten kehrte daraufhin in sein Quartier im rund 45 Flugminuten von Seattle entfernten Spokane im US-Bundesstaat Washington zurück.