Die Revolutionsgarde warnte, jedes Schiff außerhalb der von Teheran festgelegten Routen verstoße gegen das Gesetz und wies Omans neuen Korridor zurück. Rubio erklärte beim GCC-Treffen, die USA würden keine Gebühren akzeptieren, egal wie man sie verpackt.
Irans Revolutionsgarde (IRGC) hat am Donnerstag gewarnt, dass alle Schiffe, die die Straße von Hormus durchqueren, die von Teheran festgelegten Routen nutzen müssen. Jede Fahrt außerhalb dieser Korridore sei illegal. Damit stellte sie die Ankündigung Omans infrage, einen neuen, vorübergehenden Korridor nahe der eigenen Küste zu öffnen.
„Alle Beteiligten werden hiermit darüber informiert, dass die einzigen autorisierten Routen für die Passage durch die Straße von Hormus jene sind, die die Islamische Republik Iran bekanntgegeben hat“, erklärten die Revolutionsgarden in einer Mitteilung.
Die Erklärung warnte, die Navigation außerhalb dieser festgelegten Routen sei äußerst gefährlich und verboten.
In dem Text hieß es weiter, eine wenige Stunden zuvor veröffentlichte Route – sie blieb ungenannt, entsprach aber Omans vorgeschlagenem Korridor – sei „inakzeptabel und völlig gefährlich“ und ohne vorherige Abstimmung mit der Islamischen Republik Iran beschlossen worden.
„Verstöße werden Konsequenzen haben“, fügte die IRGC hinzu, ohne näher darauf einzugehen.
Medien mit Nähe zur Revolutionsgarde meldeten, drei Öltanker, die den südlichen Korridor Omans genutzt hätten, seien nach Warnungen der Marine der Revolutionsgarde in den Persischen Golf zurückgekehrt.
Das südkoreanische Ministerium für Ozeane und Fischerei erklärte separat, fünf von Südkorea betriebene Schiffe hätten die Straße am Donnerstag erfolgreich verlassen. Das deute darauf hin, dass der Verkehr weiterhin läuft.
Der Sekretär der Nationalen Sicherheitskommission des iranischen Parlaments, Benyamin Saeedi, sagte, die Kontrolle über die Wasserstraße liege „vollständig und fest in den Händen der iranischen Streitkräfte“. Jede Fehleinschätzung in diesem Seegebiet werde eine entschlossene Antwort zur Folge haben.
Er betonte, Iran erwarte von den USA, dass sie die Einhaltung der Rahmenvereinbarung praktisch zeigen – etwa durch die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte und die Aufhebung der maritimen Beschränkungen – und nicht nur in Form von Erklärungen.
Iranische Hardliner erhöhen den Druck auf das Verhandlungsteam. Sie berufen sich auf eine schriftliche Botschaft, die Ajatollah Mojtaba Khamenei zugeschrieben wird. Darin äußerte er zwar Vorbehalte gegen die Rahmenvereinbarung, gab letztlich aber grünes Licht.
Konservative Fraktionen nutzen diese Botschaft, um zu argumentieren, Teheran dürfe seinen Druckhebel über die Straße von Hormus nicht aus der Hand geben.
Rubio lehnt Teherans Durchfahrtsgebühren ab
US-Außenminister Marco Rubio sagte bei einem Ministertreffen des Golf-Kooperationsrats (GCC) in Bahrain am Donnerstag, Washington werde keinerlei Gebühren oder Abgaben akzeptieren – egal, wie man sie bezeichne.
Er kritisierte zudem die Hardliner in Iran, die „in ihren offiziellen Medien allerlei Behauptungen aufstellen“, die aus seiner Sicht nicht der Wahrheit entsprächen.
„Man kann es Maut nennen, man kann es Gebühr nennen, am Ende ist es Wortklauberei“, so Rubio.
Rubio erklärte weiter, kein Staat besitze die Straße von Hormus. Deshalb habe auch kein Staat das Recht, Geld für ihre Nutzung zu verlangen.
„Kein Teil dieser Vereinbarung untergräbt in irgendeiner Weise die Sicherheit, Stabilität oder den Wohlstand eines unserer Partner in der Golfregion“, sagte Rubio.
Omans Außenminister Sayyid Badr Al Busaidi sagte bei demselben Treffen, Maskat trage als Küstenstaat eine besondere Verantwortung, internationale Bemühungen zur Sicherung der Schifffahrt zu unterstützen – im Einklang mit Völkerrecht und dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS). Künftige Regelungen für die Straße von Hormus würden daher keine Transitgebühren vorsehen.
US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch, Iran habe Washington zugesichert, keine Gebühren einführen zu wollen. Sollten sich diese Zusicherungen als falsch erweisen, werde er die Verhandlungen umgehend abbrechen.
Trotz der widersprüchlichen Aussagen zeigen Daten der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation, dass sich der Verkehr allmählich normalisiert.
Insgesamt passierten am Dienstag 13 Schiffe die Wasserstraße, am Mittwoch 32 und bis Donnerstagmorgen zwölf. Grundlage ist ein von den Vereinten Nationen koordinierter Evakuierungsplan, der Hunderte festsitzende Schiffe und Tausende Seeleute aus dem Gebiet herausholen soll.
In der vergangenen Woche überquerten 125 Schiffe die Straße von Hormus, nach 33 in der Woche zuvor, wie die Analysefirma Lloyd’s List Intelligence berichtet. Das Seeverkehrsunternehmen Kpler meldete für Mittwoch 70 Durchfahrten – den höchsten Wert seit dem 1. März, dem Tag nach Kriegsbeginn.
Damit liegt das Aufkommen aber weiter unter dem täglichen Durchschnitt von 130 oder mehr Passagen vor dem Krieg.
„Opportunistische Betreiber – und es gibt viele – fühlen sich durch das geringere oder zumindest als geringer wahrgenommene Risiko ermutigt und beginnen, den Rückstau an festgesetzten Ladungen abzubauen, der sich während des Konflikts aufgebaut hat“, sagte Richard Meade, Chefredakteur von Lloyd’s List.
Die Ölmärkte gaben weiter nach. Der Preis für die Nordseesorte Brent fiel auf den niedrigsten Stand seit dem 27. Februar, dem Tag vor Kriegsbeginn.