Pakistan hat in der Nacht nach eigenen Angaben Ziele im Osten Afghanistans bombardiert. Islamabad spricht von Angriffen auf Militante. Kabul meldet viele zivile Opfern.
Pakistan hat in Ostafghanistan Luftangriffe und Bodeneinsätze durchgeführt und dabei 25 mutmaßliche Extremisten getötet, erklärte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar am Montag.
Die Operation richtete sich gegen eine Gruppe, die Islamabad für einen tödlichen Angriff am Wochenende verantwortlich macht. Ein Anschlag wurde auf das Regionalkommando der paramilitärischen Rangers in der südlichen Hafenmetropole Karatschi. Afghanische Behörden weisen aber seit Langem zurück, dass sich auf ihrem Staatsgebiet Unterschlupfe für militante Gruppen befinden.
Auf den Einsatz am Boden folgten in der Nacht nach Angaben Islamabads „präzise Luftschläge“ im Osten Afghanistans. Die Offensive galt Jamaat-ul-Ahrar, einer Abspaltung der pakistanischen Taliban (TTP). Gleichzeitig meldete die afghanische Regierung Dutzende zivile Opfer.
„Drei Ziele in Paktia, Paktika und Kunar wurden bei den Präzisionsangriffen zerstört“, sagte der pakistanische Informationsminister Tarar. Die Militäroperation habe sich strikt auf Verstecke und Rückzugsräume der Gruppe konzentriert.
Konflikt schwelt weiter
Die Taliban-Regierung in Kabul widersprach der pakistanischen Darstellung vehement und erklärte, die Luftangriffe in den drei Ostprovinzen hätten vor allem Wohngebiete getroffen. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid verurteilte den Einsatz als „feigen Angriff“. Afghanische Behörden betonen immer wieder, ihr Territorium biete keinen Rückzugsraum für militante Gruppen.
Die aktuellen Angriffe markieren den jüngsten Höhepunkt der Gewalt zwischen den beiden Nachbarn. Das Verhältnis ist seit 2021 angespannt, seit die Taliban die Macht übernommen haben. Die Angriffe folgen auf einen mehrere Wochen dauernden Grenzkrieg, der im Februar ausgebrochen war.
Pakistan verteidigt seine jüngsten grenzüberschreitenden Militäreinsätze in Afghanistan als innenpolitische Notwendigkeit im Kampf gegen den Terror. Gleichzeitig vermittelt Islamabad zwischen den USA und Iran, um deren eigenen Krieg im Nahen Osten zu beenden.
Am Samstag hatten Attentäter Sprengsätze gezündet und das Feuer in einem Lager der paramilitärischen Rangers in Karatschi eröffnet, der bevölkerungsreichsten Stadt Pakistans. Es war einer der schlimmsten Angriffe militanter Gruppen dort seit Jahren. Drei Angehörige der Sicherheitskräfte kamen ums Leben.
Die Behörden nahmen anschließend einen afghanischen Staatsbürger fest, der als einer von mehreren Beteiligten an dem Angriff gelten soll.
Seit dem Ausbruch der Kämpfe Ende Februar tun sich beide Seiten schwer, einen stabilen Frieden zu halten. Entlang der Grenze kam es wochenlang zu heftigen Gefechten, dazu zu beispiellosen pakistanischen Luftangriffen auf afghanische Städte, darunter Kabul und die südliche Hochburg Kandahar, Sitz des Taliban-Oberhaupts. Nach UN-Angaben wurden durch die Gewalt Hunderte Menschen getötet und Zehntausende vertrieben.
Fragile Waffenruhe, viele zivile Opfer
Pakistan und Afghanistan hatten im März eine Waffenruhe vereinbart. Dennoch kommt es immer wieder zu Angriffen. Nach Angaben afghanischer Behörden töteten pakistanische Luftschläge allein im Juni 13 Menschen.
Die Führung in Kabul bestreitet immer wieder, dass internationale Milizen ihr Staatsgebiet nutzen, und wirft Pakistan stattdessen schwere zivile Verluste durch dessen Einsätze vor. Dazu zählt ein Angriff auf ein afghanisches Drogenbehandlungszentrum im März, bei dem nach UN-Angaben Hunderte Menschen ums Leben kamen.
Internationale Vermittlungsversuche mehrerer Staaten, darunter China, haben bislang keine dauerhafte diplomatische Lösung zwischen den Nachbarn gebracht. Wegen der anhaltenden Spannungen bleibt die gemeinsame Grenze seit einer früheren Welle der grenzüberschreitenden Gewalt im Oktober weitgehend geschlossen.