Erneut muss das Wasser aus dem Lincoln-Reflecting-Pool für Nachbesserungsarbeiten abgelassen werden. Seit Trump den Grund in "American Flag Blue" streichen ließ, gibt es am Pool immer wieder Probleme.
In Washington wird der Lincoln Memorial Reflecting Pool erneut leergepumpt. US-Präsident Donald Trump lässt das Wasserbecken umfassend erneuern, doch die Arbeiten dauern deutlich länger als geplant. Eigentlich sollte alles bis zum vierten Juli anlässlich des 250. Geburtstages der USA fertig sein.
Trump erklärte zunächst, die Renovierung halte ein Jahrhundert. Doch wenige Wochen nach der ersten Fertigstellung im vergangenen Monat breitete sich ein Algenfilm aus, und Teile der neuen Beschichtung lösten sich offenbar vom Boden.
Trump macht Vandalen für die abgeplatzte Farbe verantwortlich. Kritiker sprechen dagegen von schlecht ausgeführten Reparaturen.
Innenminister Doug Burgum, dessen Ressort den National Park Service beaufsichtigt, erklärte in einem Anfang der Woche veröffentlichten Interview mit der konservativen Podcasterin Katie Miller, die erneute Entleerung sei geplant gewesen.
Außerdem könnten sich im Wasser noch Reste des großen Feuerwerks zum Unabhängigkeitstag über der National Mall befinden, so Burgum.
"Lassen Sie das Wasser ab, räumen Sie den ganzen Feuerwerkskram weg", erklärte Burgum Miller, der Ehefrau des stellvertretenden Stabschefs im Weißen Haus Stephen Miller, das Vorgehen: "Reparieren Sie die Vandalismus-Schäden. Füllen Sie das Becken wieder auf."
Die Arbeiten am Reflecting Pool sind nur eines von mehreren Projekten, die Trump in der US-Hauptstadt vorantreibt. Am auffälligsten ist der Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses, um dort einen 400 Millionen Dollar (350 Millionen Euro) teuren Ballsaal zu errichten. Zudem plant er einen riesigen Bogen zwischen dem Lincoln Memorial und dem Nationalfriedhof Arlington.
Im Frühjahr kündigte Trump an, den Reflecting Pool verschönern zu wollen. Er erklärte, die Arbeiten sollten vor den Feiern zum 250. Geburtstag der Nation abgeschlossen sein.
Das Becken wurde geleert, und auf Trumps Anweisung hin erhielt der Boden einen Anstrich in einem von ihm so genannten "American Flag Blue". Im Mai schrieb der Präsident auf seiner eigenen Plattform über das Becken: "Unser Ziel ist, es auf diesem höheren Niveau vor dem vierten Juli fertigzustellen – wir liegen vor dem Zeitplan!"
Doch kurz nach Abschluss der ersten Bauphase traten erneut Probleme auf. Trump machte abermals Vandalen verantwortlich. Später tauchten Gerichtsunterlagen auf, aus denen hervorgeht, dass der National Park Service der US-Parkpolizei einen Vorfall vom neunten Juni meldete: Ein scharfes Messer oder eine Rasierklinge habe die neue Folie des Beckens eingeschnitten.
Am Donnerstag plädierte der frühere Olympia-Kanute David Hearn vor dem Superior Court in Washington auf nicht schuldig. Ihm wird vorgeworfen, den Reflecting Pool absichtlich beschädigt zu haben. Hearn erklärt, er habe ins Becken gegriffen, um die abgeplatzte Versiegelung zu untersuchen, und ein Stück wieder losgelassen, nachdem ein Parkmitarbeiter es ihm aufgetragen habe.
Seine Anwälte und andere Kritiker der Trump-Regierung bezeichnen das Verfahren als Missbrauch der Justiz. Ihrer Ansicht nach soll Hearn als Sündenbock für die mangelhafte Sanierung des Beckens herhalten.
Nach Online-Gerichtsakten sind mindestens drei weitere Personen vor demselben Gericht wegen geringfügiger Vergehen angeklagt worden, weil sie angeblich Farbreste aus dem Reflecting Pool entfernt haben. Alle drei plädierten bei ihren ersten Anhörungen am Mittwoch auf nicht schuldig.
Für die Feier zum Unabhängigkeitstag blieb das Becken gesperrt. Trump sprach von dem größten Feuerwerk der Welt. Er kündigte an, dass der Reflecting Pool für die nächste Reparaturrunde erneut geleert werden müsse.
Außerdem kündigte Burgum an, dass die Trump-Regierung für die neue Reparaturrunde keine Ausschreibung starten werde. In der CNN-Sendung "State of the Union" sagte er am vergangenen Wochenende: "Wir nehmen wieder dieselbe Firma, denn sie hat einen fantastischen Job gemacht."
Die Firma Green Water Solutions aus dem Bundesstaat Ohio, auch Greenwater Services genannt, erhielt einen Auftrag über 1,7 Millionen Dollar (1,4 Millionen Euro), um ein Wasseraufbereitungssystem im Reflecting Pool zu installieren. Atlantic Industrial Coatings aus Virginia bekam 14,7 Millionen Dollar (12,8 Millionen Euro), um den Betonboden des Beckens neu zu streichen und abzudichten.
Demokratische Senatoren und Abgeordnete des Repräsentantenhauses untersuchen das Projekt rund um den Reflecting Pool. Sie wollen auch klären, wie viel Steuergeld in die Arbeiten geflossen ist.