Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Schock-Video: Ehemaliger Vize-Minister aus Polen hilft russischen Soldaten

Krzysztof Tołwiński
Krzysztof Tołwiński Copyright  facebook.com/krzysztoftolwinski/ Wikipedia - Jacek.porosa
Copyright facebook.com/krzysztoftolwinski/ Wikipedia - Jacek.porosa
Von Glogowski Pawel
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Der ehemalige stellvertretende polnische Finanzminister Krzysztof Tołwiński sorgt in Polen für einen Eklat: In einem Video ruft er zur Unterstützung Russlands auf und übergibt medizinische Sets für Soldaten an der Front.

Über vier Jahre nach Russlands Vollinvasion in die Ukraine dauern die massiven russischen Angriffe an. Unterstützung für Soldaten des Aggressorstaates gilt deshalb weithin als hochumstritten.

WERBUNG
WERBUNG

Für entsprechend große Reaktionen sorgten Berichte über Krzysztof Tołwiński, einen früheren Abgeordneten des polnischen Sejm in der sechsten Legislaturperiode und ehemaligen stellvertretenden Minister für Staatsvermögen im Kabinett von Jarosław Kaczyński. In der Vergangenheit hatte Tołwiński unter anderem mit der Polnischen Bauernpartei (PSL), der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), der rechtspopulistischen politischen Bewegung Kukiz’15 sowie der libertären Rechtsaußenpartei Konfederacja Verflechtungen.

Der Politiker veröffentlichte ein Video, in dem er mitteilt, russischen Soldaten Erste-Hilfe-Sets übergeben zu haben. Der Vorgang löste in Medien und Öffentlichkeit scharfe Kritik aus.

Was hat Krzysztof Tołwiński getan?

In dem Video erklärt Tołwiński, er habe aus eigenen Mitteln medizinische Pakete gekauft und sie russischen Soldaten an der Front zukommen lassen. Die Aufnahmen entstanden in Belarus.

"Wir haben – hier ist die Rechnung – 20 Pakete für medizinische Erste Hilfe auf dem Schlachtfeld gekauft. Über unseren Kollegen, eine mit uns kooperierende Partei, die Liberaldemokratische Partei Belarus (LDPB), werden wir sie den Soldaten der Russischen Föderation, den Jungs in den Schützengräben, als humanitäre Hilfe, als medizinische Hilfe übergeben", sagt Tołwiński in dem Video.

Zudem erklärt der Politiker, die Russen könnten "immer auf unsere Hilfe zählen". Gleichzeitig kritisiert er die polnische Unterstützung für die Ukraine.

Bei der Übergabe der medizinischen Sets an Oleg Gajdukiewitsch, den Vorsitzenden der LDPB, der auf den Sanktionslisten der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten steht, betont Tołwiński, die Hilfe solle an Soldaten gehen, die nach seinen Worten "für eine neue Ordnung, für Frieden, gegen den Nazismus und die Bandera-Ideologie" kämpften.

Tołwiński belässt es nicht bei der Lieferung der Ausrüstung. In dem Video ruft er Polinnen und Polen dazu auf, Russland im laufenden Krieg zu unterstützen. Er begründet seine Haltung mit der Notwendigkeit einer "Normalisierung der Beziehungen" und verweist auf die Idee einer "slawischen Solidarität".

Es ist nicht das erste Mal, dass Tołwiński Positionen vertritt, die mit Kreml-Propaganda übereinstimmen. Seit mehreren Jahren tritt er in belarussischen und russischen Medien auf, kritisiert die polnische Regierung für ihre Hilfe an die Ukraine und äußert Ansichten, die Fachleute als russlandfreundlich einstufen.

Im Jahr 2023 übernahm Tołwiński den Vorsitz der von ihm gegründeten Partei Front. Sie präsentiert sich als agrarische Kraft, wird von Kommentatoren jedoch wegen prorussischer Positionen und ihrer Kontakte zu politischen Kreisen in Belarus kritisiert.

Im Mai 2026 beantragte Tołwiński eine Versammlung auf dem Friedhof der sowjetischen Soldaten in Warschau anlässlich des Tags des Sieges – eines Feiertags mit besonderer Bedeutung für die russische Geschichtspolitik. An der Veranstaltung nahmen Vertreter der russischen Botschaft in Polen sowie polnische Kreml-Sympathisanten teil.

Ebenfalls 2026 sprach das Kreisgericht in Białystok Tołwiński der Beleidigung von Ukrainerinnen und Ukrainern sowie der Anstiftung zu nationalitätsbezogenem Hass schuldig. Das Verfahren beruhte auf einer subsidiären Anklage.

Nach der Urteilsverkündung erklärte Tołwiński, der Richterspruch sei für ihn eine Art "Auszeichnung" und stärke seine Position in der öffentlichen Debatte.

Fakten und Verantwortung

Humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung und für verwundete Soldaten entspricht den Regeln des Völkerrechts. Davon zu unterscheiden sind jedoch Erste-Hilfe-Pakete für den unmittelbaren Einsatz auf dem Schlachtfeld. Kritiker argumentieren, dass solche Sets zur militärischen Ausstattung gehören und keinen rein humanitären Charakter haben.

Politikerinnen und Politiker verschiedener Lager, Kommentatoren und Internetnutzer weisen darauf hin, dass Unterstützung für eine Armee, die einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, im Widerspruch zur polnischen Staatsräson und zur offiziellen Politik eines Landes stehen kann, das Kyjiw angesichts der russischen Invasion unterstützt.

Medienberichten zufolge prüft die Staatsanwaltschaft Informationen zu dem Fall des früheren Vizeministers. Bislang ist jedoch nicht bestätigt, dass ein formelles Verfahren eröffnet wurde.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Aufsehenerregender Fall: Polnisches Gericht fällt Urteil gegen russische Spione

Mutmaßlicher Belarus-Spion in Polen festgenommen: Auch in Deutschland aktiv

Deutschland gründet mit EU-Staaten und Ukraine neue Raketenabwehr-Koalition