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Aufsehenerregender Fall: Polnisches Gericht fällt Urteil gegen russische Spione

Gericht fällt Urteil im Fall Igor und Irina R.
Fall Igor und Irina R.: Gericht spricht Urteil Copyright  Euronews/Mateusz Jaroński
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Von Glogowski Pawel
Zuerst veröffentlicht am
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Das Bezirksgericht in Sosnowiec, einer Großstadt im Süden Polens in der Woiwodschaft Schlesien, hat in einem der schwersten Fälle von Aktivitäten des russischen Geheimdienstes in Polen seit Beginn des Großangriffs auf die Ukraine ein Urteil gesprochen.

Igor R. muss für sieben Jahre ins Gefängnis. Das Gericht sprach ihn wegen Spionagetätigkeit und seiner Beteiligung an der Vorbereitung eines Pakets mit Sprengstoff schuldig. Seine Frau, Irina R., erhielt drei Jahre Haft, weil sie geheimdienstliche Aktivitäten zugunsten der Russischen Föderation unterstützt hatte. Das Urteil erging nach einem nicht öffentlichen Verfahren aus Gründen der Staatssicherheit und ist noch nicht rechtskräftig.

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Wie das Paar vorging

Das Ehepaar landete nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine in Polen. Sie folgten einer Einladung des polnischen Außenministeriums.

Über ein Hilfsprogramm für Vertreter der russischen Opposition bekam Igor R. die Möglichkeit, in Polen Informatik zu studieren. Während des Studiums erhielt er monatlich finanzielle Unterstützung – Stipendium und Sozialleistungen – im Wert von insgesamt 5.000 Złoty (etwa 1.160 Euro). Außerdem stellte man ihm ein Zimmer in einem Studentenwohnheim in Sosnowiec zur Verfügung, wo er zusammen mit seiner Frau Irina einzog.

Nach Erkenntnissen der Nationalen Staatsanwaltschaft arbeitete Igor R. von Februar bis August 2022 mit dem Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation (FSB) zusammen. Er sollte Informationen über russische Oppositionelle sammeln, die sich in Polen aufhielten, sowie über Personen und Organisationen, die sie unterstützten.

„Ich sollte das tun, was ich mag, mich in den Kreisen der russischen Oppositionellen nach oben arbeiten, neue Leute kennenlernen und am Ende den Föderalen Sicherheitsdienst über alles informieren. Es kam mir so vor, als würde ich mehr Gutes als Schlechtes tun (...) Ich stand unter Druck, weil ich dachte, diese Leute wüssten alles über mich. Ich hatte Angst vor dem allen“, sagte Igor R. in seiner Aussage vor dem Gericht.

Die Ermittler stellten fest, dass er die gewonnenen Informationen auf verschlüsselten Datenträgern speicherte und an Irina R. weitergab. Sie sollte die Datenträger nach Russland bringen und versuchen, sie an FSB-Mitarbeiter zu übergeben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verschickte die Frau ein Paket und versuchte, Kontakt zu den russischen Geheimdiensten aufzunehmen.

Im Hintergrund: Hohlladungsbombe im Spiel

Besonders brisant war ein weiterer Vorwurf gegen Igor R. Er soll an der Aufgabe eines Kurierpakets beteiligt gewesen sein, das Sprengstoff enthielt.

Nach Einschätzung von Experten des Kriminaltechnischen Labors der Agentur für Innere Sicherheit befanden sich in dem Paket unter anderem Sprengstoff, militärische Zünder und Bauteile für eine Fernzündung. Nach dem Gutachten bildeten diese Komponenten eine Hohlladungsbombe, deren Explosion erhebliche Schäden an Infrastruktur anrichten und Menschenleben gefährden konnte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren an der Vorbereitung der Sendung zudem zwei ukrainische Staatsbürger und ein russischer Staatsbürger, Emil G., beteiligt. Dieser Teil der Ermittlungen zählt zu den schwerwiegendsten Punkten der Anklageschrift.

Aufgeflogen wegen einer Affäre

Aus den Ermittlungsakten geht hervor, dass Irina R. in einem Polnischkurs erfuhr, dass ihr Mann sie mit einer anderen Russin betrog. In Gesprächen mit russischen Emigranten erzählte sie daraufhin, Igor arbeite seit einigen Jahren mit einem FSB-Offizier namens Jewgenij zusammen. Eine von der Agentur für Innere Sicherheit durchgeführte Gegenüberstellung der Aussagen des zerstrittenen Paares führte schließlich dazu, dass ihre Zusammenarbeit aufflog.

Nächste Runde im Kampf gegen russische Spionagenetze

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine meldet die Agentur für Innere Sicherheit immer wieder zerschlagene Spionagenetze, Festnahmen von Helfern des russischen Geheimdienstes und Anklagen wegen Ausspähung kritischer Infrastruktur, sowie von Militärtransporten oder von Milieus, die die Ukraine unterstützen.

Ein Bericht der Obersten Rechnungskammer erinnert daran, dass die Geheimdienste die Leitung des Außenministeriums bereits 2022 vor Risiken beim Ausstellen von Visa für russische Staatsbürger warnten.

Die Ermittlungen gegen das russische Ehepaar führten nicht zur Festnahme von Emil G. Er konnte Polen verlassen und nach Russland ausreisen. Die meisten offenen Fragen betreffen weiterhin „Jewgenij Litko“ – jenen FSB-Offizier, der die Aktionen von Igor R. koordiniert haben und sein Agentennetz von Deutschland aus geführt haben soll.

Sicherheitsexperten betonen, dass die russischen Dienste immer häufiger nicht nur klassische Agenten einsetzen, sondern auch Menschen, die einzelne logistische, kurier- oder informationsbezogene Aufträge übernehmen. Dadurch soll die Entdeckung ganzer Netze erschwert und die Verantwortung auf viele Beteiligte verteilt werden.

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