Fachleute fordern die Betreiber der WM-Stadien auf, ihre Arenen nachzurüsten, damit sie extreme Hitze besser verkraften.
Heute Abend richtet sich der Blick der Fußballwelt auf die USA: Spanien und Argentinien stehen sich im Finale der Fußball-WM 2026 gegenüber und kämpfen um den Titel.
Das heutige Finale findet im MetLife Stadium in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey statt. Dort sollen die Temperaturen auf 28 Grad steigen. Das liegt zwei Grad über dem Grenzwert, ab dem FIFPRO, der weltweite Verband der Profifußballer, zusätzliche Kühlmaßnahmen empfiehlt.
Trotzdem geht das heiß ersehnte Turnierfinale deutlich kühler über die Bühne als viele der vorherigen Partien.
Eine Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters ergab, dass mehr als jede vierte Partie unter gefährlichen Hitzebedingungen stattfand. In 27 Spielen lag die sogenannte Wet Bulb Globe Temperature über 28 Grad. Dieser Wert berücksichtigt unter anderem Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur. Ab diesem Grenzwert rät FIFPRO dazu, ein Spiel zu verschieben oder neu anzusetzen.
Das Turnier fällt in eine Serie von Hitzewellen, die die weltweiten Temperaturen auf 1,39 Grad über dem vorindustriellen Durchschnitt getrieben haben. Auch die USA bilden keine Ausnahme. In den vergangenen Wochen herrschten dort teilweise über 40 Grad.
Die Spiele zeigen, wie schwer sich viele der genutzten Stadien mit dem zunehmend wärmeren Klima tun.
„Ein Stadion kann zwar noch funktionieren, aber das heißt nicht, dass es gut arbeitet“, sagt Mark Sait, Geschäftsführer der Umweltberatungsfirma SaveMoneyCutCarbon, gegenüber Euronews Earth.
„Wenn Spieler mehr Schutz vor der Hitze brauchen und sich Fans unwohl fühlen, noch bevor sie ihre Plätze erreicht haben, ist der Spielraum bereits stark eingeschränkt.“
Klimaanlagen retten die Weltmeisterschaft nicht
Klimaanlagen sind in Europa zu einem Streitpunkt geworden, nachdem Meldungen die Runde machten, dass extreme Hitze im vergangenen Monat 10.000 zusätzliche Todesfälle verursacht hat.
Forscherinnen und Forscher der Initiative World Weather Attribution (WWA) erklären, solche Temperaturen wären ohne den Klimawandel „praktisch unmöglich“ gewesen.
Umweltschützer warnen jedoch davor, dass sich Klimaanlagen überall auf dem Kontinent durchsetzen, weil sie die Erderwärmung zusätzlich anheizen.
Klimaanlagen verstärken den Wärmeinseleffekt in Städten. Dabei speichert die Infrastruktur aus Beton und Asphalt heiße Luft und gibt sie später wieder an die Umgebung ab. Das treibt den Bedarf nach Kühlung in Innenräumen weiter in die Höhe.
Die in den Anlagen eingesetzten Kühlmittel setzen zudem Treibhausgase frei, die die Erderwärmung deutlich schneller vorantreiben als Kohlendioxid.
„Klimaanlagen werden in manchen Situationen nötig sein, aber sie dürfen nicht zur Standardantwort auf jedes Hitzeproblem werden. Sonst steigt nur der Druck auf das Energiesystem und der Betrieb von Veranstaltungsorten wird teurer“, ergänzt Sait.
„Der klügere Weg besteht darin, zuerst den Energieverbrauch des Gebäudes zu senken, bevor man versucht, noch mehr Fläche zu kühlen.“
Sait empfiehlt Stadionbesitzern, auf energetische Nachrüstung zu setzen, um bestehende Heiz- und Lüftungsanlagen zu verbessern.
„Darauf aufbauend können Maßnahmen wie effizientere Beleuchtung oder wassersparende Technik den Gesamtbedarf senken. Durch regelmäßige Kontrolle lässt sich prüfen, ob die Veränderungen messbare Ergebnisse bringen“, sagt er.
Fußballstadien: besser gerüstet für die Erderwärmung
Die energetische Sanierung von Stadien ist deutlich günstiger und umweltfreundlicher, als Gebäude abzureißen und neu zu bauen. Betreiber können stattdessen in Maßnahmen an der Gebäudehülle investieren, etwa in sogenannte „Cool Roofs“. Dabei werden Dachflächen mit weißer oder reflektierender Farbe gestrichen, sodass sie weniger Wärme aufnehmen.
Eine Studie der University College London (UCL) und der Universität Exeter aus dem Jahr 2024 ergab, dass solche Dächer die Stadt London im heißen Sommer 2018 um etwa 0,8 Grad hätten abkühlen können, wenn sie flächendeckend eingesetzt worden wären.
Solar-Kontrollglas ist eine weitere Option mit ähnlicher Wirkung. Es reflektiert infrarote Wärme, lässt aber viel Tageslicht hindurch. So sinken die Temperaturen im Stadion, ohne dass Blendung entsteht oder der Rasen abgedunkelt wird.
„Entscheidend ist, dass die Sanierung die Leistungsfähigkeit des Stadions erhöht, bevor zusätzliche Klimaanlagen eingebaut werden“, erklärt Sait. „Wenn man es richtig macht, sinkt der unnötige Energieverbrauch, die Betriebskosten gehen zurück und es entstehen kühlere, sicherere Räume für Fans, Mitarbeitende und Spieler.“
Extreme Hitze: Sollte die FIFA die Weltmeisterschaft verlegen?
Die extreme Hitze sorgt dafür, dass Stimmen laut werden, die Weltmeisterschaft in kühlere Regionen zu verlegen oder die Anstoßzeiten in den Abend zu legen, wenn es meist etwas frischer ist.
„Die FIFA und die Ausrichterländer sollten Spielpläne und Stadienauswahl unbedingt mit Blick auf das Klima prüfen. Die Anstoßzeit ist längst nicht mehr nur eine Frage der TV-Übertragung, sie gehört inzwischen zur Sicherheitsplanung“, sagt Sait.
Der Experte betont, dass der Spielplan angepasst werden muss, wenn ein Stadion zu bestimmten Tageszeiten nicht sicher betrieben werden kann. Gleichzeitig warnt er davor, allein auf die Terminierung zu setzen. Ohne umfassende Sanierung der Stadien behalten die Organisatoren zu wenig Kontrolle über die Bedingungen.