Blühende Wildwiesen verschönern die Landschaft und helfen Bestäubern, fast ohne Pflegeaufwand und mit großer Wirkung für die Natur.
Hechelnde Katzen und Hunde bereiten vielen Halterinnen und Haltern Sorgen, denn eine weitere Hitzewelle hält Westeuropa im Griff. Früher reichte es, die heißesten Stunden des Tages zu meiden. Tierärztinnen und Tierärzte im Vereinigten Königreich warnen nun, dass Haustiere sogar in der Wohnung überhitzen können – selbst im Ruhezustand.
Es sind nicht nur Tiere im Haus, die leiden. Mit den brütenden Temperaturen in Frankreich, Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich sind auch die Wildtiere Europas auf sich allein gestellt.
Die gute Nachricht: Es gibt einfache Möglichkeiten, Füchsen, Igeln und Vögeln direkt im eigenen Garten zu helfen. So schützen Sie die heimische Tierwelt vor der Hitze.
Schattige Plätze gegen die Sonne schaffen
Steinplatten, Kunstrasen und baumlose Gärten nehmen vielen Wildtieren in Europa wichtige Lebensräume.
Satellitenkarten der Royal Horticultural Society für ihren „State of Gardening“-Bericht 2025 zeigen: 42 Prozent aller privaten Gartenflächen im Vereinigten Königreich sind inzwischen versiegelt.
Wer wieder auf einen echten Rasen setzt und Bäume pflanzt, bietet Eichhörnchen, Insekten und Vögeln Schatten und Nahrung. Gleichzeitig kühlen Pflanzen die Luft und machen die Temperaturen im eigenen Zuhause erträglicher.
Heimische Bäume wie Eiche, Birke und Weide unterstützen Hunderte Insektenarten, die die Basis der Nahrungskette im Garten bilden. Schon ein einzelner Baum kann die Artenvielfalt deutlich erhöhen, weil er viele kleine Lebensräume schafft.
„Die eigentliche Magie entsteht, wenn Sie einen Garten anlegen, der von selbst eine große Vielfalt an Arten unterstützt“, sagt Sean McMenemy, Wildtierexperte und Gründer des Gartenausstatter-Unternehmens Ark Wildlife.
Sträucher, Kletterpflanzen und Stauden schaffen unterschiedliche Strukturen und Höhen. So entsteht eine Vielzahl an Lebensräumen für Tiere in verschiedenen Lebensphasen.
Holzstapel an schattigen Stellen bieten feuchte Rückzugsräume für Insekten und Amphibien. Steinhaufen in der Sonne kommen wärmeliebenden Arten entgegen. Liegengebliebenes Laub und ungestörte Ecken geben Insekten Plätze zum Brüten.
Rasen wachsen lassen
Wenn solche Strukturen einmal angelegt sind, hilft es am meisten, sie einfach wachsen zu lassen. Bleiben einzelne Bereiche des Rasens ungemäht, können sich Wildblumen wie Klee und Gänseblümchen etablieren. Sie liefern Nektar für Bestäuber und lassen die Zahl der Insekten steigen.
Das ist in Großbritannien besonders wichtig: Dort sind seit den 1930er-Jahren rund 97 Prozent der Wildblumenwiesen verschwunden.
„Schon kleine Schritte, etwa einen Teil des Rasens wachsen zu lassen oder ein paar heimische Arten zu pflanzen, können die Zahl der Tiere im Garten deutlich erhöhen“, sagt Sean.
Längeres Gras bietet außerdem Schutz für Igel, Frösche und zahlreiche wirbellose Tiere. Es kommt Raupen und Käfern zugute, von denen sich Vögel ernähren. Schon ungemähte Ränder oder Ecken bringen diese Vorteile, ohne die Nutzung des Gartens zu stören.
Bürgerforschungsprojekte zeigen, dass ungemähte Rasenflächen bis zu 10-mal mehr Nektar liefern als wöchentlich geschnittene.
Natürliche Nahrungsquellen fördern
„Vögel zu füttern, ist eine großartige Unterstützung für Wildtiere, aber eben nur ein Teil des Gesamtbildes“, sagt Sean.
Zusätzlich zu Futterhäuschen oder bereitgestelltem Katzen- und Hundefutter für Igel können Sie Ihren Garten in eine natürliche Speisekammer verwandeln. Das hilft einer größeren Bandbreite von Arten und fördert natürliche Verhaltensweisen.
Pflanzen Sie eine Mischung aus nektarreichen Blühpflanzen. So steht den durstigen Bestäubern den ganzen Sommer über zuckerhaltiger Nektar zur Verfügung. Besonders geeignet sind einfache, offene Blüten wie Fingerhut, Mohn, Dost und Lavendel. Sie sind für Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen deutlich besser erreichbar als stark gefüllte Sorten.
Schmetterlinge profitieren zudem von kleinen Brennnesselflächen, die vielen Arten als Brutplatz und Futter für die Raupen dienen.
Wenn Sie die Samenstände von Gräsern und Wildblumen stehen lassen, können Körnerfresser wie Finken und Sperlinge direkt daraus fressen – auch dann, wenn die Pflanzen bereits in die Samenreife übergehen.
Verzichten Sie möglichst auf Pestizide. So bleiben natürliche Nahrungsquellen erhalten, und das ökologische Gleichgewicht im Garten kann sich stabilisieren.
Wasser zum Kühlen und Trinken anbieten
Schon ein kleines Teichbecken, eine Tränke oder ein Vogelbad kann schnell von Fröschen, Kröten, Molchen und Libellen besiedelt werden – besonders in trockenen, warmen Phasen.
Stellen Sie Wasser möglichst in teilweise schattigen, windgeschützten Bereichen bereit. Sanft abfallende Ränder oder Ausstiegsstellen sorgen dafür, dass Tiere es sicher erreichen und wieder verlassen können.
Denken Sie auch an den Zugang: Kleine Öffnungen im Gartenzaun erlauben Igeln den sicheren Besuch an der Wasserstelle. Die Bestände des europäischen Igel sind in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent eingebrochen; seit 2024 gilt die Art auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „potenziell gefährdet“.
„Mit Pflanzen, Wasser und geschützten Ecken schaffen Sie einen Ort, an dem Tiere wirklich leben können – nicht nur kurz zum Fressen vorbeikommen“, sagt Sean.