Eine im Iran erbeutete Drohne könnte nach Einschätzung eines Militäranalysten aus Polen stammen und über Satellitentechnik wie Starlink kommunizieren.
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) melden, dass Soldaten der 48. Fath-Brigade in der südiranischen Provinz Kohgiluyeh und Boyer-Ahmad eine Drohne abgeschossen und in ihren Besitz gebracht haben.
Nach Angaben Teherans handelt es sich um ein US-Fluggerät. Unabhängige Bestätigungen liegen bislang jedoch nicht vor. Auch hat die iranische Seite keine Belege veröffentlicht, anhand derer sich die Herkunft der Drohne eindeutig klären ließe.
Iran machte weder Angaben zum genauen Ort des Zwischenfalls noch zu technischen Kennzeichnungen des Fluggeräts oder zu den Umständen des Abschusses.
Bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags lag zudem keine offizielle Stellungnahme der US-Streitkräfte vor.
Abgeschossene Drohne im Iran: Stammt sie aus Polen?
Die von Iran veröffentlichten Fotos haben das Interesse von Fachleuten für Militärtechnik geweckt.
Der frühere BBC-Mitarbeiter und Militäranalyst Babak Taghvaee erklärte, die auf den Bildern erkennbare Konstruktion ähnele der polnischen Drohne Tiguar M des Warschauer Herstellers uAvionics.
Er verweist auf mehrere charakteristische Merkmale des Fluggeräts: die Form des Rumpfs, die hoch montierten Tragflächen, den Propeller am Heck, ein Dreipunktfahrwerk sowie zwei Heckausleger mit Endleitwerken.
Auf den Fotos ist außerdem ein Bauteil zu erkennen, bei dem es sich um eine zusätzliche Antenne oder ein Satellitenkommunikationsterminal handeln könnte.
Nach Taghvaees Einschätzung könnte das Fluggerät ein System nutzen, das auf Dienste wie Starlink oder Starshield zurückgreift. Dadurch ließe sich die Verbindung auch außerhalb der Reichweite klassischer Funkmittel aufrechterhalten. Ähnliche Konfigurationen waren bereits bei bestimmten Varianten des Tiguar M zu sehen.
Die Herkunft der Drohne ist damit jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Nachdem der mögliche Zusammenhang mit einer polnischen Konstruktion bekannt geworden war, fragte Euronews beim Warschauer Unternehmen uAvionics nach, ob die im Iran erbeutete Drohne aus dessen Produktion stammt.
Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels hatte sich der Hersteller nicht geäußert.
Tiguar M: Entwicklung aus Polen
Der Tiguar M ist eine leichte taktische Drohne, die für lang andauernde Beobachtungs- und Aufklärungsmissionen entwickelt wurde.
Das Fluggerät hat eine Spannweite von rund 4,1 Metern, eine maximale Startmasse von etwa 25 Kilogramm und kann Nutzlasten von bis zu elf Kilogramm tragen.
Nach Angaben des Herstellers kann die Drohne mehr als 20 Stunden in der Luft bleiben.
Sie lässt sich unter anderem mit optoelektronischen Systemen, Wärmebildkameras, Langstrecken-Datenverbindungen und Technik für ISR-Einsätze ausstatten, also für Aufklärung und Beobachtung.
US-Spezialkräfte testeten die polnische Drohne während der Übung Balikatan 2026 auf den Philippinen. Dabei prüften sie unter anderem die Kommunikation über große Entfernungen sowie den Einsatz unter Bedingungen mit eingeschränkter Infrastruktur.
Leichte und vergleichsweise kostengünstige Drohnen spielen in modernen Konflikten eine zunehmend wichtige Rolle.
Sie unterstützen die Aufklärung, helfen bei der Korrektur von Artilleriefeuer und können die Treffsicherheit von Raketensystemen wie HIMARS erhöhen, indem sie präzise Zielinformationen liefern.