Knapp 20 Supertanker sollen ein kurzes Zeitfenster genutzt und fast 50 Millionen Barrel iranisches Öl nach China gebracht haben. Vor Malaysia wird die Fracht auf hoher See umgeladen.
Internationale Energieexperten gehen davon aus, dass unmittelbar nach der vorübergehenden Aufhebung der Exportbeschränkungen eine Flotte von knapp 20 Supertankern ausgelaufen ist. Sie brachte gewaltige Mengen zuvor gelagerten iranischen Öls nach Ostasien, vor allem in chinesische Häfen.
Satellitengestützte Systeme zur Schiffsverfolgung zeigen, dass seit Ende Juni mehrere iranische Riesentanker nacheinander in einem Seegebiet östlich von Malaysia vor Anker gegangen sind. Zunächst traf der Öltanker Diona ein, gefolgt von Hero 2 und Sonia 1. Am 13. Juli schloss sich schließlich der Tanker Stream der Gruppe an.
Die Milliardeneinnahmen aus diesen Lieferungen sind für die iranische Wirtschaft derzeit von entscheidender, geradezu existenzieller Bedeutung. Die US-Regierung hat Irans Ölexporte mit einer erneuten Blockade der Straße von Hormus wieder stark eingeschränkt.
Iranische Akteure greifen bei der Vermarktung und dem Verkauf dieser Ladungen erneut auf bewährte Methoden zurück, um die US-Sanktionen zu umgehen.
Dabei steuert die iranische Tankerflotte ihre Fracht in ein Gebiet, das als äußere Zone des Osthafens außerhalb der malaysischen Küstengewässer bekannt ist. Es dient als zentrale Drehscheibe auf der Route zwischen dem Persischen Golf und China.
Öltransfer auf hoher See verschleiert die Herkunft
Dort findet der heikle Schiff-zu-Schiff-Transfer statt. Das Öl wird auf Tanker unter anderer Flagge umgepumpt. Diese Schiffe schalten ihre automatischen Ortungssysteme häufig ab und sind dadurch kaum noch nachzuverfolgen.
Die Zwischentanker nehmen anschließend Kurs auf Häfen in der chinesischen Provinz Shandong. Dort liefern sie das Öl an kleine, unabhängige Raffinerien, die als sogenannte Teekannen-Raffinerien bekannt sind.
Diese privaten Raffinerien kaufen iranisches Öl mit hohen Preisnachlässen. Die Bezahlung erfolgt über Finanzkanäle außerhalb des US-Dollars, meist auf Yuan-Basis.
Das Geflecht aus komplexer Logistik und verschleierten Satellitensignalen setzt den US-Aufsichtsbehörden faktisch enge Grenzen. Die physische Rückverfolgung der Lieferungen und die Verhängung von Sanktionen werden dadurch erheblich erschwert.
Nach Einschätzung von Energiemarktexperten hat Iran in diesem kurzen Zeitfenster ein außergewöhnlich hohes logistisches Tempo vorgelegt.
Unmittelbar nach der Unterzeichnung des vorläufigen Entspannungsabkommens am 17. Juni und der Aufhebung der Seebeschränkungen setzten die vor Chabahar und an den Ölpieren im Persischen Golf liegenden Tanker ihre Fahrt fort. Die Schiffe waren bereits beladen und abfahrbereit. Sie liefen direkt in den Indischen Ozean und von dort weiter in Richtung Ostasien aus.
Diese Flotte, die häufig als "Geisterflotte" oder Schattenflotte bezeichnet wird, nutzte das kurze Zeitfenster und die Ausfahrt über Chabahar. Der Hafen liegt außerhalb der Straße von Hormus und verfügt über einen direkten Zugang zur Hochsee. Dadurch konnte Iran ohne Zeitverlust tägliche Exportmengen erreichen, wie es sie in den vergangenen Jahren nicht gegeben hatte.
Fast 50 Millionen Barrel in nur zwei Wochen
Nach den jüngsten Daten der Tankerüberwachung nahm der Exportboom in der zweiten Junihälfte rasant an Fahrt auf. Innerhalb von zwei Wochen gelangten fast 50 Millionen Barrel Rohöl und Kondensate in chinesische Häfen.
Dieses Exportvolumen markierte einen neuen Höchststand. Es entspricht in etwa den iranischen Monatslieferungen nach China aus der Zeit vor der jüngsten Eskalation der Spannungen und militärischen Auseinandersetzungen.