Loader
Finden Sie uns
Werbung

Biber schützen Europa vor Waldbränden und beleben verbrannte Landschaften

Am Montagabend, dem fünften November 2007, sammelt ein Biber beim Schwimmen Zweige für seinen Damm.
Ein Biber sammelt beim abendlichen Schwimmen am Montag, 5. November 2007, Zweige für seinen Dammbau. Copyright  Noah Berger/2007 AP
Copyright Noah Berger/2007 AP
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Biber legen überall in Europa Dämme an und schaffen so natürliche Feuerschneisen, die helfen könnten, verheerende Brände einzudämmen.

Brütende Hitzewellen und kaum Regen haben in Teilen Frankreichs und Spaniens historische Waldbrände entfacht, die bislang kaum nachlassen.

WERBUNG
WERBUNG

Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen – eine der größten Evakuierungsaktionen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Europäische Kommission hat ihr Notfallreaktionssystem aktiviert, um die beiden Länder zu unterstützen. Bilder von dichten Rauchschwaden und unkontrollierbaren Flammen zeigen, wie groß die Verwüstungen bereits sind.

Doch die Löschkapazitäten der EU kommen mit der zunehmenden Intensität der Brände kaum hinterher. In Spanien sind schon mehr als 80.000 Hektar verbrannt, in Frankreich rund 42.000 Hektar.

Gestern, am 27. Juli, erreichte ein Feuer in Frankreich eine solche Wucht, dass seine eigene Rauchwolke ein Gewitter bildete. Die Blitze schlugen in den Boden und entzündeten neue Brände außerhalb des ursprünglichen Brandherds. Die Gewitterwolke brachte zudem „heftige, unberechenbare Winde“ hervor, die das Feuer in neue Richtungen trieben, meldete die Nachrichtenagentur AP.

Wie extreme Hitze Waldbrände anheizt

Die Sorge vor neuen Feuerausbrüchen wächst, denn große Teile Europas stellen sich auf noch mehr extreme Hitze ein.

Schon wenige Tage mit sehr hohen Temperaturen erhöhen das Waldbrandrisiko. Aus Gras, Sträuchern und anderer Vegetation verdunstet Feuchtigkeit, sie trocknen aus und lassen sich leichter entzünden.

Ist die Vegetation erst einmal ausgedörrt, reicht ein kleiner Funke – etwa von einem Grill oder einer weggeworfenen Zigarette – und ein großes Feuer kann entstehen, das sich rasch ausbreitet.

Von Hitzewellen getriebene Dürren lassen Böden zusätzlich austrocknen. Das verstärkt das Problem und macht Brände schwerer zu löschen.

Doch ein Tier, das früher wegen seines Fleisches stark bejagt und vielerorts als Plage angesehen wurde, könnte sich als geheime Waffe gegen diese tödlichen Feuer erweisen.

Können Biber Waldbrände bremsen?

Im Herbst 2020 brach in den von Dürre gezeichneten Wäldern Colorados ein Feuer aus. Angetrieben von starken Winden fraß sich der Brand durch den Rocky-Mountain-Nationalpark, blockierte wichtige Straßen, zerstörte Hunderte Häuser und legte die Region unter eine dichte Rauchglocke.

Das Feuer mit dem Namen East Troublesome verwüstete fast 200.000 Acres Land und gehörte damit zu den größten Bränden in der Geschichte des Bundesstaates. Zwei Menschen kamen ums Leben.

Luftaufnahmen nach dem Brand zeigten große Waldflächen, die nur noch aus Asche bestanden. Mitten in der Zerstörung lag jedoch eine grüne Oase, die den Flammen entkam – dank des unscheinbaren Bibers.

Biber bauen Dämme, graben Kanäle und verwandeln kleine Bäche in ausgedehnte Feuchtgebiete. So bleiben Pflanzen auch in langen Dürrephasen saftig und grün.

Entsteht ein Waldbrand, lassen sich die grünen Pflanzen rund um die Biberteiche deutlich schwerer entzünden als ausgedörrte Flächen.

Fachleute sagen, dass sich Feuer meist den Weg des geringsten Widerstands suchen. Sie brennen durch trockene Vegetation fern der Biberteiche, statt sich durch nasse Bereiche zu fressen.

So entstehen sichere Rückzugsräume für Tiere, die einem Feuer kaum entkommen können – etwa Frösche, kleine Säugetiere oder Fische.

Infografik zeigt, wie Korridore durch Biberaktivität während Waldbränden grün bleiben.
Infografik zeigt, wie Korridore durch Biberaktivität während Waldbränden grün bleiben. Emily Fairfax

Eine Studie aus dem Jahr 2020 mit dem treffenden Titel Smokey the Beaver (Quelle auf Englisch) nutzte Vegetationsdaten von fünf großen Waldbränden im Westen der USA. Sie untersuchte, wie wirksam Biber klimaresiliente Landschaften schaffen können.

Das Ergebnis: Von Bibern gestauten Flusskorridoren setzen Brände „relativ wenig“ zu im Vergleich zu Regionen ohne Biber. Im Schnitt verschlechterte sich der Zustand der Pflanzen in Gebieten ohne Biber während der Feuer etwa dreimal so stark wie in Gebieten mit Bibern.

Eine spätere Studie, die im vergangenen Jahr in der National Library of Medicine erschien, modellierte die möglichen Effekte von Bibern in der Sierra Nevada in Kalifornien – einer Region mit hohem Dürre- und Brandrisiko.

Demnach ist in der Region noch 51 Prozent der früheren Biber-Damm-Baukapazität vorhanden. In allen Einzugsgebieten, also den Landflächen, die Regen und Schmelzwasser in ein gemeinsames Gewässer leiten, besteht „erhebliche“ Dammkapazität. Solche Einzugsgebiete wirken im Grunde wie riesige Trichter.

Die Studie schätzt „vorsichtig“, dass Biberbauten insgesamt bis zu 120 Millionen Kubikmeter Oberflächenwasser speichern und in Gebieten mit hohem Brandrisiko rund 2.200 Quadratkilometer feuerresistente Landschaft schaffen könnten.

„Zudem liegen viele Gewässerläufe, in denen Biber aufgrund der Landschaftsform und der Lebensräume besonders große Vorteile für Wasserhaushalt und Brandschutz bringen könnten, in Einzugsgebieten mit hohem Dürre- und Feuerrisiko“, heißt es in der Studie.

„Selbst in Regionen, in denen Feuer und Dürre weniger wahrscheinlich sind, dürfte die Wiederansiedlung von Bibern ähnliche Vorteile bringen.“

Können Biber Brandnarben nach Waldbränden heilen?

Nach Untersuchungen zur Rolle der Biber bei der Eindämmung von Bränden wollten Forschende wissen, ob die halbaquatischen Nager auch zerstörte Landschaften nach einem Feuer wiederherstellen können.

Im vergangenen Jahr zogen Teams in die Berge westlich von Fort Collins in Colorado. Dort errichteten sie künstliche Biberdämme (Quelle auf Englisch) in sogenannten Burn Scars – den verkohlten Flächen nach einem Feuer –, um zu erforschen, wie sich durch Dämme entstandene Feuchtgebiete auf die Erholung der Ökosysteme und die Wasserqualität auswirken.

„Das ist für uns in dieser Form eine völlig neue Welt“, sagt der leitende Forscher Tim Fegel, Doktorand an der Colorado State University.

Forschende der Colorado State University errichten einen künstlichen Biberdamm.
Forschende der Colorado State University errichten einen künstlichen Biberdamm. Joe A Mendoza/2025 Colorado State University

Waldbrände destabilisieren Böden und verringern ihre Fähigkeit, Regen und Schmelzwasser aufzunehmen. Die Folge sind stärkerer Oberflächenabfluss und ein höheres Überschwemmungsrisiko. Fließt viel Wasser und fehlen Pflanzenwurzeln, die den Boden festhalten, gelangen mehr Sedimente und Trümmer flussabwärts und verschlechtern Wasserqualität und Trinkwasseraufbereitung.

Die Forschenden hoffen, dass künstliche Biberdämme den Wasserfluss bremsen und das Wasser statt in einem Kanal über die ganze Aue verteilen. Wo Hindernisse das Wasser verlangsamen, sinken Sedimente auf den Grund des Flussbetts, statt weiter talabwärts gespült zu werden.

Fegel untersucht zudem, ob langsam fließendes Wasser, das sich in der Aue ausbreitet, mehr Kohlenstoff und Stickstoff im Oberlauf des Systems festhält. So würden die Stoffe nicht in Unterläufe gelangen, wo sie aquatische Ökosysteme stören oder Algenblüten auslösen können.

Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Biberdämme die Wasserqualität verbessern. Das Team prüft nun, ob sich der Ansatz auch in größerem Maßstab praktisch umsetzen lässt.

Europas Biber-Boom

Einst fast ausgerottet, haben Biber dank strengerer Schutzgesetze und intensiver Naturschutzarbeit in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes Comeback geschafft.

Zwischen 1960 und 2016 stieg die Zahl der europäischen Biber (ohne Russland) um erstaunliche 16.000 Prozent. Heute leben mehr als 1,2 Millionen Tiere auf dem Kontinent.

Die Nager breiten sich zudem weiter aus als je zuvor. Ihr Verbreitungsgebiet wuchs zwischen 1955 und 2020 um rund 835 Prozent. Damit entstehen überall in Europa zusätzliche natürliche Feuerschneisen – neben anderen Vorteilen wie Hochwasserschutz und saubererem Wasser.

2023 wurden Biber im Cairngorms-Nationalpark in Schottland angesiedelt, der derzeit wegen eines laufenden Brandes für Touristinnen und Touristen geschlossen ist.

„Angesichts von Waldbränden, die infolge des Klimawandels immer häufiger und heftiger werden, darf man den Wert von Biberlandschaften nicht unterschätzen“, erklärt Rewilding Europe (Quelle auf Englisch). „Wie ein weiser Mann einmal sagte: ‚Wasser brennt nicht!‘“

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Deutschland schaltet Solar- und Windparks ab: Drei Wege aus der Falle

Was ist Klimagentrifizierung? Warum Immobilienpreise am Stadtrand steigen

Biber schützen Europa vor Waldbränden und beleben verbrannte Landschaften