Nach dem Massenandrang auf die spanische Exklave Ceuta meldet Marokko elf Tote. Spanien spricht von mindestens 72 Opfern, eine Menschenrechtsorganisation sogar von fast 130.
Das marokkanische Innenministerium hat erstmals eine offizielle Bilanz der Todesfälle vorgelegt, die sich beim Versuch ereigneten, in der vergangenen Woche die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta zu erreichen. Demnach kamen elf Menschen ums Leben – deutlich weniger als die mindestens 72 Todesopfer, von denen Spanien spricht.
Zwischen Mittwoch und Freitag drangen Zehntausende Menschen in das Gebiet ein. Der Massenandrang löste Spannungen in der Europäischen Union aus: Einige Mitgliedstaaten warfen Spanien Untätigkeit und eine zu lockere Migrationspolitik vor.
Ministeriumssprecher Rachid El Khalfi erklärte, zehn Menschen seien im Meer ertrunken. Eine weitere Person sei in felsigem Gelände abgestürzt.
Nach Angaben der marokkanischen Regierung arbeiten die Behörden beider Länder daran, die Opferzahlen zu überprüfen und die auf spanischem Gebiet geborgenen Leichen zu identifizieren.
Das Innenministerium machte die "böswillige Ausnutzung" sozialer Netzwerke und die "Verbreitung irreführender Informationen" für den plötzlichen Anstieg der Migrationsversuche verantwortlich.
Zugleich verwies die Behörde auf "Fehlinterpretationen rechtlicher Bestimmungen". Dies gilt als Anspielung auf ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli. Darin heißt es, dass Migrantinnen und Migranten, die über das Meer ankommen, nicht so schnell zurückgeschickt werden dürfen wie Menschen, die auf anderen Wegen einreisen.
Nach Ministeriumsangaben wurden 40.000 Versuche registriert, illegal nach Ceuta zu gelangen. Weitere 1.135 Menschen sollen versucht haben, in die weiter östlich gelegene spanische Exklave Melilla einzudringen. Sie seien umgehend nach Marokko zurückgebracht worden, teilte das Ministerium mit.
Spanien wiederum erklärt, in den vergangenen Tagen hätten mehr als 60.000 Menschen Ceuta erreicht. Die meisten von ihnen seien inzwischen nach Marokko zurückgekehrt.
Die Marokkanische Vereinigung für Menschenrechte, AMDH, berichtet hingegen von "fast 130 Opfern" sowie von Dutzenden Menschen, die weiterhin vermisst würden.
Staatsanwälte haben nach Angaben des Innenministeriums eine offizielle Untersuchung der Ereignisse eingeleitet.