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Italiens Baumveteranen: von Hundertpferde-Kastanie bis Olivastro

Ein hundert Jahre alter Baum in Ogden, Utah, aufgenommen 2018
Ein hundertjähriger Baum in Ogden im US-Bundesstaat Utah, aufgenommen 2018 Copyright  AP Photo
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Von Stefania De Michele
Zuerst veröffentlicht am
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Ministerium erweitert Liste der Naturdenkmäler um 82 neue Baumriesen. Reise zu Italiens ältesten grünen Giganten zwischen Natur, Geschichte und Legenden.

Manche Menschen reisen Hunderte Kilometer, um ein spektakuläres Panorama zu sehen, andere machen sich auf den Weg, um einem Baum zu begegnen. Nicht irgendeinem Baum, sondern einem Giganten, der Jahrhunderte, ja mitunter Jahrtausende überdauert hat, ein stiller Zeuge der Geschichte Italiens.

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Vom Kastanienbaum Castagno dei Cento Cavalli am Ätna bis zum uralten Wildolivenbaum auf Sardinien, über die Quercia delle Streghe in der Toskana: In ganz Italien stehen echte lebende Denkmäler. Und es werden mehr. Das Landwirtschaftsministerium hat die nationale Liste der monumentalen Bäume um 82 neue Einträge ergänzt.

Diese Bäume tragen Legenden in sich, inspirieren Schriftsteller, trotzen Erdbeben und Katastrophen und spenden Schutz für Wanderer und Kaiser. Ein einzigartiges Naturerbe, das sich am besten auf einer Reise zu Italiens grünen Giganten entdecken lässt.

Monumentale Bäume: Bedeutung und Schutz

„Diese grünen Giganten sind nicht einfach nur Bäume, sie gehören zu unserer Landschaft, unserer Kultur und unserer Geschichte“, erklärte Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida zum zehnten Update der nationalen Liste der monumentalen Bäume (Quelle auf Italienisch).

Die erfassten Exemplare stehen wegen ihres außergewöhnlichen biologischen, landschaftlichen und ökologischen Werts auf der Liste. Manche erreichen enorme Ausmaße, andere gehören zu seltenen Arten. Wieder andere gelten als Symbole ihrer Gemeinden, als heilige Orte oder Kulissen historischer Ereignisse. Oft ist gerade die enge Verbindung zur Umgebung und zu den lokalen Traditionen der Grund, warum sie als einzigartig gelten.

Wo Italiens schönste uralten Bäume stehen

Von den Abruzzen bis Sizilien, über Venetien, die Toskana, Sardinien und Kalabrien: Diese Bäume zählen zu den faszinierendsten Naturzielen des Landes.

In Pescara steht die berühmte Aleppo-Kiefer Pino d'Aleppo „coricato“. Der Baum brach nach einem Erdrutsch nicht ab, sondern legte sich auf den Boden und wuchs weiter. Für die Wissenschaft ist er ein eindrucksvolles Beispiel für Anpassungsfähigkeit. Die Überlieferung besagt dagegen, er habe sich gebeugt, um den Gesang der Meeresnymphen zu hören.

Im Herzen der Foresta Umbra in Apulien wächst der Tasso Vetusto, eine tausendjährige Eibe. Für die Menschen der Antike stand sie zugleich für Tod und Unsterblichkeit. Ihre giftigen Blätter nährten Aberglauben und Geschichten, doch ihre Regenerationskraft machte sie später zum Symbol der Wiedergeburt.

Quercia delle Streghe und andere legendenträchtige Bäume

Wenn ein Baum die Fantasie besonders beflügelt, dann ist es die Quercia delle Streghe in der Provinz Lucca. Ihre gewaltigen Äste erstrecken sich fast parallel zum Boden über mehr als vierzig Meter. Der Überlieferung nach hielten Hexen dort bei Vollmond ihre Hexensabbate ab.

Die Legende verbindet sich hier mit der Literatur. Der Schriftsteller Carlo Collodi soll unter ihrer Krone Inspiration gefunden haben, als er die Abenteuer von Pinocchio ersann. So wurde diese Eiche zu einem der ikonischsten Bäume Italiens.

Auch in Umbrien trifft Natur auf Mythos. Die große Roverella von Nottoria spielt die Hauptrolle in einer alten Legende. Demnach besiegte sie sogar den Teufel, indem sie ihre Blätter im Winter behielt und verhinderte, dass der Wald völlig kahl wurde.

Monumentale Bäume, die Italiens Geschichte erzählen

Nicht alle dieser Giganten stehen nur für fantastische Erzählungen. Einige wurden zu Zeugen von Ereignissen, die die Geschichte des Landes geprägt haben.

Die Sequoia del Vajont in Longarone überstand die Katastrophe von 1963. Am Stamm ist noch immer die Narbe zu erkennen, die die Flutwelle hinterließ, die das Tal verwüstete und fast 2.000 Menschen das Leben kostete. Heute gilt dieser Baum als eines der eindrücklichsten Symbole des italienischen kollektiven Gedächtnisses.

Im Latium verdankt die Quercia di Manildo ihr Fortbestehen einem Akt des Mutes. 1968 stellte sich der Landwirt Manildo Lombardelli gegen die geplante Fällung. So konnte diese mächtige Eiche weiterleben und wurde zu einem der meistbewunderten Naturdenkmäler der Provinz Viterbo.

Von Castagno dei Cento Cavalli bis Olivastro di Luras: Patriarchen der Natur

Unter den wahren Patriarchen des italienischen Baumbestands ragt der berühmte Castagno dei Cento Cavalli im Ätna-Nationalpark heraus. Mit rund 2.200 Jahren gehört er zu den ältesten Bäumen Europas. Der Legende nach suchte eine Königin, überrascht von einem heftigen Gewitter, mit ihrem Gefolge von hundert Reitern Schutz unter seiner gewaltigen Krone.

Noch älter soll der Olivastro di Luras auf Sardinien sein, dessen Alter auf etwa 3.000 Jahre geschätzt wird. Er gilt als der älteste Baum Italiens und als einer der ältesten Europas. Noch heute beeindruckt er mit seinem mächtigen Stamm und der vitalen Krone.

In Kalabrien bietet der Platano orientale di Curinga ein ganz besonderes Erlebnis. Sein riesiger hohler Stamm ist so geräumig, dass darin gleichzeitig bis zu zehn Personen Platz finden. Wer ihn betritt, hat das Gefühl, buchstäblich in ein Naturdenkmal hineinzutreten.

Tour zu monumentalen Bäumen: Reise durch Natur, Geschichte und Legenden

Die neue Aktualisierung der nationalen Liste zeigt, wie reich Italien nicht nur an Kunststädten und spektakulären Landschaften ist, sondern auch an echten lebenden Monumenten. Wer diese Bäume besucht, durchquert Jahrhunderte Geschichte, taucht in lokale Traditionen ein und entdeckt Orte, an denen Natur, Mythos und Erinnerung bis heute nebeneinander bestehen.

Für viele sind es schlicht Bäume. Für alle, die ihnen wirklich begegnen, werden sie jedoch zu weit mehr: zu Hütern der Zeit, Symbolen der Widerstandskraft und idealen Stationen auf einer ungewöhnlichen Reise, geprägt von Stille, Staunen und tiefen Wurzeln.

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