Am 12. August 2026 erlebt Spanien seine erste totale Sonnenfinsternis seit 121 Jahren. Einige Tipps, wie Sie die Finsternis auch mit Kindern erleben können.
Mit der totalen Sonnenfinsternis am 12. August 2026 erinnern Medien und Behörden in Spanien immer wieder daran, dass alle eine zertifizierte Schutzbrille verwenden sollten. So können Sie auch in Regionen mit teilweiser Sonnenfinsternis wie in Deutschland und überall sonst Augenschäden verhindern.
Besonders beeindruckend wird das Event auf der Iberischen Halbinsel und auf den Balearen, wo das Himmelsspektakel am besten beobachtet werden kann.
Euronews gibt Tipps, die Observatorien und Wissenschaftsteams am häufigsten empfehlen, um sowohl die partielle Phase als auch die Minuten der (Beinahe-)Totalität am besten - auch mit Kindern - zu erleben. Aber bitte nie direkt in die Sonne schauen und die Schutzbrille nicht vergessen.
Karton-Sonnenprojektor (Lochkamera)
Dafür brauchen Sie eine längliche Schachtel, etwas Alufolie, eine Stecknadel und ein weißes Blatt Papier. Ein Ende der Schachtel wird mit Alufolie abgedeckt, in die Sie mit der Nadel ein winziges Loch stechen. Am gegenüberliegenden Ende befestigen Sie das Blatt.
Wenn Sie durch die Beobachtungsöffnung schauen, erscheint ein rundes Bild der Sonne auf dem Papier. *
Während der Finsternis sehen Sie, wie der Mond nach und nach die Sonnenscheibe überdeckt. Je länger die Schachtel ist, desto größer wird das projizierte Bild.
Küchensieb als Mehrfachprojektor
Ein ganz normales Sieb, das Sie mit dem Rücken zur Sonne halten und darunter ein weißes Blatt Papier legen, funktioniert wie Dutzende kleiner Lochkameras auf einmal. Jedes Objekt mit vielen kleinen Öffnungen lässt sich auf ähnliche Weise als improvisierter Projektor nutzen.
In der partiellen Phase bilden die Löcher im Sieb keine vollen Kreise ab, sondern lauter kleine Sichelformen: winzige Abbilder des Mondschattens, der vor der Sonne vorbeizieht.
Schattenspiele unter Baumkronen
Für dieses Experiment müssen Sie nichts bauen. Im Schatten eines Baums erscheinen zahlreiche kleine Mondsicheln: das Bild der verfinsterten Sonne, projiziert durch die Lücken zwischen den Blättern, die wie Mini-Lochkameras wirken. Es reicht, ein helles Tuch oder einen Bogen Karton unter die Krone zu legen, um den Effekt deutlich zu sehen.
Sie können einen Baum oder auch einen abgefallenen Ast mit Blättern nutzen, um die Muster direkt auf dem Boden zu beobachten. Ein weißes Laken oder eine weiße Pappe verstärkt den Effekt deutlich.
Der Trick mit den verschränkten Händen
Verschränken Sie die Finger beider Hände so, dass kleine Lücken entstehen, fast wie ein Gitter. Mit dem Rücken zur Sonne werfen Sie diese Schattenform auf den Boden. Statt normaler Lichtflecken erscheinen Dutzende kleiner Mondsicheln.
Viele Astronomen empfehlen diese Methode, um Kinder während der partiellen Phase zu beschäftigen. Sie brauchen keinerlei Material und nutzen erneut das Prinzip der Lochkamera, bei der nur sehr wenig Licht als Projektor hindurchdringt.
Fernglas als Projektor
Und noch ein Projektor: Wenn Sie ein älteres Fernglas besitzen, können Sie es einsetzen – allerdings nicht, um direkt in die Sonne zu schauen.
Legen Sie ein weißes Blatt Papier auf den Boden und richten Sie das Fernglas auf die Sonne, während Sie mit dem Rücken zum Himmel stehen. Die durch die Linsen gebündelten Strahlen zeichnen Lichtkreise auf das Papier. Das ist eine Variante des Lochprojektors, mit der Sie die Finsternis verfolgen können, ohne je direkt in die Sonne oder durch das Instrument zu blicken.
Thermometer in Sonne und Schatten
Wenn Sie ein Thermometer in der Sonne und ein zweites im Schatten aufstellen, können Sie den Temperatursturz während der Sonnenfinsternis messen. Das Phänomen ist gut dokumentiert: Bei bereits untersuchten totalen Finsternissen fiel die Temperatur im Mittel um rund fünf Grad Celsius. Der bekannteste Messwert registrierte etwa acht Grad bei der Sonnenfinsternis im Juni 2001 nahe Lusaka in Sambia.
Für die totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026 über Spanien schätzen Meteorologinnen und Meteorologen, dass das Thermometer zwischen zwei und fünf Grad Celsius nach unten gehen kann – je nach Wetterlage und Wind. Notieren Sie am besten alle paar Minuten Uhrzeit und Temperatur, um später die vollständige Kurve zu zeichnen.
Schattenbänder auf weißem Tuch
In den Sekunden direkt vor und nach der Totalität können auf einem ausgebreiteten weißen Laken zarte wandernde Streifen aus Licht und Schatten sichtbar werden. Diese sogenannten Schattenbänder entstehen durch das letzte Sonnenlicht, das eine turbulente Atmosphäre durchdringt. Eine Videoaufnahme macht den Effekt besser erkennbar, denn mit bloßem Auge kann er leicht übersehen werden.
Kleiner Spiegel als Sonnenprojektor an einer entfernten Wand
Bekleben Sie einen kleinen Handspiegel oder den Spiegel einer alten Puderdose mit Klebeband, so dass nur eine kleine rechteckige Öffnung frei bleibt.
Wenn Sie mit diesem Spiegel Sonnenlicht auf eine schattige Wand in mehreren Metern Entfernung lenken, erscheint dort ein Bild der Sonne, das während des Fortschreitens der Finsternis seine Form verändert.
Die Größe der Öffnung lässt sich am besten durch Ausprobieren optimieren. Ist sie zu klein, entsteht kaum Licht. Ist sie zu groß, wird das Bild unscharf. So können Kinder schon vor dem Tag der Finsternis mit verschiedenen Größen experimentieren. Ein weiterer Vorteil: Mehrere Personen können den projizierten Sonnenfleck gleichzeitig und aus einiger Entfernung sehen, ohne sich um eine Schachtel drängen zu müssen.
Purkinje-Effekt: Wie unsere Augen Farben wahrnehmen
Der Purkinje-Effekt beschreibt, wie sich unsere Farbwahrnehmung ändert, wenn wir von hellem Tageslicht in deutlich schwächere Beleuchtung kommen. Für das Experiment eignet sich Kleidung in Grün und Rot. Ein roter Gegenstand kann uns plötzlich viel dunkler erscheinen, sobald das Licht schwindet, während ein blauer oder grüner Gegenstand scheinbar mehr Helligkeit behält. Der Effekt erinnert an virale Debatten über die Farbe von Kleidern in sozialen Netzwerken.
Zum Abschluss noch ein Extra-Experiment, mit dem Sie Kindern leicht erklären können, was bei einer Sonnenfinsternis passiert. Sie brauchen dafür lediglich eine Kartonschachtel, eine Taschenlampe und zwei kleine Bälle.
Bonus: Sonnenfinsternis im Modell nachstellen
Für dieses Experiment müssen Sie nicht bis zum 12. August warten. Platzieren Sie einen großen Ball als „Erde“ und einen kleineren Ball als „Mond“ in einer Schachtel und beleuchten Sie beide mit einer Taschenlampe von der Seite.
Wenn das Kind den Schatten des großen Balls betrachtet, kann es Kernschatten und Halbschatten unterscheiden. Je nachdem, wie Sie die Bälle anordnen, lässt sich eine Sonnen- oder eine Mondfinsternis nachstellen. So verstehen Kinder am einfachsten, warum das Phänomen auftritt, bevor sie es draußen selbst erleben.