Loader
Finden Sie uns
Werbung

Bis zu zehn Jahre krankgeschrieben: Was steckt hinter Deutschlands Lehrermangel?

Symbolfoto. Medien-Scouts Leon Zielinski und Chantal Hueben unterrichten Schüler im Umgang mit sozialen Medien an einer Gesamtschule in Essen, 18. März 2019.
Symbolfoto. Medien-Scouts Leon Zielinski und Chantal Hueben unterrichten Schüler im Umgang mit sozialen Medien an einer Gesamtschule in Essen, 18. März 2019. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Deutschlands Schulen starten wieder vielerorts mit einem akuten Personalproblem ins neue Schuljahr, in vielen Fächern fehlen Lehrkräfte. Hinzu kommen teils lange Krankenstände bei den Lehrern. Das verschärft die ohnehin angespannte Personalsituation zusätzlich.

Deutschlands Schulen stehen vor einem strukturellen Personalproblem. Zwar gibt es inzwischen mehr Lehrkräfte und die Länder versuchen mit zusätzlichen Stellen, Quereinsteigern und finanziellen Anreizen gegenzusteuern.

WERBUNG
WERBUNG

Doch vielerorts reicht das Personal weiterhin nicht aus, um den Unterricht vollständig abzudecken.

Besonders chronisch fehlen Lehrkräfte in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Physik und Chemie. Auch bei Sonderpädagogik sowie Kunst und Musik gibt es bundesweit bzw. regional anhaltenden Bedarf.

Nach der aktuellen Modellrechnung der Kultusministerkonferenz (KMK) ergibt sich rechnerisch eine Lücke von rund 27.000 voll ausgebildeten Lehrkräften in Deutschland.

Wie dramatisch die Situation regional werden kann, zeigt derzeit Brandenburg. Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) warnte im Juni, dass das Land im kommenden Schuljahr wohl nicht mehr überall die reguläre Stundentafel gewährleisten könne. Besonders schwierig ist die Lage dort in ländlichen Regionen und bei Fächern wie Biologie und Chemie.

Auch in Nordrhein-Westfalen bleibt die Lage angespannt. Obwohl das Bundesland inzwischen über mehr als 166.000 Lehrerstellen verfügt, waren zuletzt noch mehr als 7.770 Stellen unbesetzt.

Berlin: Seit 10 Jahren krankgeschrieben

Berlin ist ein Beispiel, wir krankheitsbedingte Ausfälle die angespannte Personalsituation verschärfen. Nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung sind 380 Lehrkräfte seit mindestens einem Jahr krankgeschrieben. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Alexander King (BSW) hervor, über die zunächst die Berliner Morgenpost berichtete.

Darunter sind 225 verbeamtete und 155 angestellte Lehrer. Insgesamt beschäftigt Berlin rund 35.000 Lehrkräfte.

Konkret fallen nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung 143 verbeamtete Lehrkräfte seit mindestens einem Jahr aus, weitere 50 bereits seit mindestens zwei Jahren. 18 Lehrkräfte sind demnach sogar seit mindestens zehn Jahren krankgeschrieben.

Besonders betroffen sind die Grundschulen, an denen 98 Lehrkräfte langfristig ausfallen. An Sekundarschulen fehlen 54 Lehrkräfte, an Gymnasien 34 und an berufsbildenden Schulen 27.

Auch unter den angestellten Lehrkräften gibt es langfristige Ausfälle: Fünf von ihnen sind seit mindestens zehn Jahren krankgeschrieben, 16 bereits seit mindestens fünf Jahren.

Der BSW-Abgeordnete Alexander King führt die Entwicklung unter anderem auf die angespannte Personalsituation zurück: Eine mangelhafte Personalausstattung erhöhe die Belastung der vorhandenen Lehrkräfte und könne weitere krankheitsbedingte Ausfälle begünstigen.

NRW: Krankenstand bei rund 10 Prozent

In Hessen sind nach Angaben des Kultusministeriums rund 225 der etwa 67.000 Lehrkräfte seit mindestens einem Jahr erkrankt, 16 von ihnen bereits länger als fünf Jahre. Als häufige Ursachen gelten psychische Belastungen und körperliche Beschwerden.

In Nordrhein-Westfalen waren Lehrkräfte im Jahr 2025 im Durchschnitt an 8,43 Prozent der Arbeitstage krankgeschrieben – mehr als in der Landesverwaltung insgesamt. Besonders betroffen waren Hauptschulen mit einem Krankenstand von 9,83 Prozent.

In Sachsen-Anhalt fielen im Schuljahr 2024/25 rund 8,6 Prozent des Unterrichts wegen fehlender Vertretung aus.

Wie viele Lehrkräfte bundesweit seit mindestens einem Jahr krankheitsbedingt ausfallen, lässt sich nicht beziffern. Warum? Die Länder erfassen und veröffentlichen unterschiedliche Daten. NRW unterscheidet beispielsweise nach Dauer der Erkrankung, während andere Länder andere Kategorien verwenden. Auch der Begriff "Langzeiterkrankung" wird unterschiedlich definiert und kann für manche Bundesländer schon für Krankschreibungen gelten, die 30 Tage überschreiten.

Erhebungen einzelner Bundesländer zeigen jedoch, dass es sich um mindestens mehrere Hundert Fälle handelt.

Die Zukunft: Lehrerzahl sinkt, Schülerzahlen steigen

Viele der Lehrkräfte sind über 50. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Schuljahr 2024/25 genau 35,4 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen mindestens 50 Jahre alt. 25,4 Prozent waren zwischen 50 und 59 Jahre alt, weitere 10 Prozent 60 Jahre oder älter.

Dem deutschen Bildungssystem steht also in den kommenden Jahren zusätzlich eine große Pensionierungswelle bevor. Gleichzeitig dauert es mehrere Jahre, bis zusätzliche Lehrkräfte ausgebildet sind.

Die Nachfrage nach Lehrkräften dürfte indes zunächst weiter wachsen. Nach Angaben der Kultusministerkonferenz gab es 2024 knapp 11,2 Millionen Schüler in Deutschland. Bis 2032 soll die Zahl auf knapp 11,8 Millionen steigen, das ist ein Plus von rund 5,3 Prozent. Danach dürfte sie aufgrund geburtenschwächerer Jahrgänge wieder leicht zurückgehen. 2040 werden jedoch noch rund 11,3 Millionen Schüler erwartet.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Extreme Hitze setzt Italiens Käsebanken unter Druck: Parmigiano sichert Bauernkredite

Urlaub in Europa: Wo sich Menschen eine Auszeit leisten können

Polen überholt Schweiz und Belgien - jetzt auf Platz 6 der EU-Volkswirtschaften