Am Mittwoch, dem zwölften August, zeigt sich in vielen Regionen Europas eine Sonnenfinsternis. Experten mahnen zu Schutzbrillen, die Geschäfte melden große Nachfrage.
Seit einigen Tagen sind spezielle Beobachtungsbrillen in Apotheken und Fachgeschäften in Frankreich heiß begehrt. Wegen der stetig steigenden Nachfrage sind manche Verkaufsstellen bereits ausverkauft, andere bestellen immer wieder nach, um die Kundschaft zu bedienen.
„Wir hatten drei Tage lang keine mehr, aber heute Morgen haben wir einen guten Vorrat für Mittwochabend erhalten“, erklärt gegenüber der AFP Aurélie Letavi, pharmazeutische Assistentin.
Der Andrang ist so groß, weil diese Schutzbrillen unverzichtbar sind.
Wer die Finsternis beobachten will – den Moment, in dem sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt –, braucht zwingend spezielle Brillen, die der Norm ISO 12312-2 entsprechen und das CE‑Kennzeichen tragen. Nur sie schützen die Augen ausreichend.
Sie werden in Apotheken, bei Optikern und in einigen Fachketten verkauft und kosten pro Stück zwischen einem Euro fünfzig und vier Euro.
Netzhautverbrennungen und irreparable Augenschäden
Fachleute sind sich einig: Wer diese Sonnenfinsternis mit bloßem Auge betrachtet, riskiert langfristige Folgen. Schon nach wenigen Sekunden können die Sonnenstrahlen die Netzhaut verbrennen und bleibende Augenschäden verursachen.
„Die Gefahr sind die Netzhautverbrennungen. Da wir dazu neigen, den hellen Punkt zu fixieren, entsteht die Verbrennung in der Makula oder direkt daneben. Dieser Bereich ist sehr klein, er misst etwa 500 Mikrometer im Durchmesser. Dort liegen die Zapfen und Stäbchen. Diese Zone ermöglicht es Ihnen, Farben zu sehen und scharf, detailliert zu erkennen. Wenn Sie sie verbrennen, verlieren Sie Ihre präzise Sehfähigkeit. Und das ist irreversibel“, warnt der Augenarzt und Netzhautspezialist Eric Frau.
Die letzte in Europa sichtbare totale Sonnenfinsternis fand im August 1999 statt. Damals suchten 1024 Menschen nach der Finsternis im französischen Mutterland einen Arzt auf. Etwa 300 von ihnen wiesen Netzhautauffälligkeiten auf, berichtet das Institut de veille sanitaire (InVs) (Quelle auf Französisch). Bei 147 Patientinnen und Patienten (14 %) war die Netzhaut betroffen, bei 106 (10 %) die Hornhaut.
Sonnenfinsternis beobachten: Diese Regeln gelten
In Frankreich haben das Wirtschaftsministerium und das Gesundheitsministerium im Vorfeld des Ereignisses eine Aufklärungskampagne (Quelle auf Französisch) gestartet.
Sie geben Empfehlungen, damit möglichst viele Menschen das Schauspiel ohne Risiko genießen können.
- Vor der Finsternis -Beim Kauf von Schutzbrillen auf seriöse Anbieter achten (Optiker, Fachgeschäfte, Apotheken, anerkannte Vereinigungen);-Auf die CE‑Kennzeichnung (Brille nach ISO 12312-2 zertifiziert) achten;
- Während der Finsternis
-Die Sonne nicht länger als drei Minuten am Stück beobachten;
-Zwischen zwei Beobachtungsphasen Pausen einlegen, damit sich die Augen erholen; -Besondere Aufmerksamkeit auf Kinder richten, die sich der Gefahr oft weniger bewusst sind.„Für ein Kind ist es nicht gefährlicher. Nur lässt sich ein Kind schwerer steuern. Und im Fall einer Verbrennung ist es ein Schaden fürs ganze Leben“, erklärt Dr. Frau.
Die Sonnenfinsternis am Mittwoch, dem zwölften August, ist auch im Norden Spaniens, in Island und in Grönland zu sehen. Danach müssen die Menschen in Frankreich bis 2081 warten, bis ein solches Schauspiel das Land erneut überquert.