Vier Jahre nach der Zerstörung der Gasleitung in der Ostsee kommt die Aufklärung der Nord-Stream-Anschläge offenbar voran. Die Bundesanwaltschaft ließ in Kroatien einen weiteren ukrainischen Verdächtigen festnehmen. Er soll an der Vorbereitung und Durchführung der Sprengungen beteiligt gewesen sein.
Im Zusammenhang mit der Sabotage der Nord-Stream-Pipelines ist jetzt ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Der Zugriff erfolgte in der kroatischen Stadt Pula auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft handelt es sich um den ukrainischen Staatsbürger Wolodymyr beziehungsweise Vladimir Z. Er soll ausgebildeter Taucher sein und zu der Gruppe gehört haben, die die Sprengung der Pipelines vorbereitet und ausgeführt haben soll.
Erster Verdächtiger bereits 2025 in Polen festgenommen
Die Festnahme in Kroatien ist nicht der erste Versuch der deutschen Behörden, Z. habhaft zu werden. Bereits 2025 war der Ukrainer in Polen festgenommen worden.
Damals kam es jedoch nicht zu einer Überstellung nach Deutschland. Die polnische Justiz lehnte den deutschen Auslieferungsantrag ab, woraufhin der Mann wieder freikam. Nun wurde er erneut festgenommen. Nach seiner Überstellung nach Deutschland soll er dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.
Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, verfassungsfeindliche Sabotage und die Zerstörung von Bauwerken vor.
Was geschah 2022 in der Ostsee wirklich?
Am 26. September 2022 waren mehrere Sprengsätze an den Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 in der Ostsee detoniert. Die Explosionen beschädigten die Leitungen schwer. Gas trat in großen Mengen aus und war über der Ostsee sichtbar.
Die Pipelines waren für den Transport von russischem Erdgas nach Deutschland gebaut worden. Zum Zeitpunkt der Explosionen war Nord Stream 1 allerdings bereits nicht mehr regulär in Betrieb. Nord Stream 2 war überhaupt nicht in Betrieb genommen worden.
Die Explosionen lösten international umfangreiche Ermittlungen aus. Deutschland, Schweden und Dänemark untersuchten den Vorfall. Schweden und Dänemark stellten ihre eigenen Ermittlungen später ein, die deutschen Behörden führten ihre Untersuchungen jedoch weiter.
Spur führt zu einer Gruppe ukrainischer Taucher
Nach den bisherigen Ermittlungen der deutschen Behörden soll eine Gruppe von Personen an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt gewesen sein, deren Mitglieder die Fähigkeit hatten, in großer Tiefe zu tauchen.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Sprengsätze an den Pipelines in der Ostsee angebracht wurden. Als möglicher Ausgangspunkt der Operation wurde in den vergangenen Jahren eine Segelyacht untersucht.
Die deutschen Ermittlungen konzentrierten sich dabei zunehmend auf ukrainische Staatsbürger.
Mit der Festnahme in Kroatien befindet sich nun ein weiterer mutmaßlicher Beteiligter im Zugriff der deutschen Justiz. Bereits zuvor war der Ukrainer Serhii K. festgenommen und nach Deutschland überstellt worden. Gegen ihn erhob die Bundesanwaltschaft im Juni 2026 Anklage.
Ihm werden unter anderem die Beteiligung an einem Angriff auf zivile Objekte im Sinne eines Kriegsverbrechens, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, die Zerstörung von Bauwerken und die Störung öffentlicher Betriebe vorgeworfen.
Wer hinter der Sabotage steckt, bleibt die zentrale Frage
Trotz der Fortschritte bei den Ermittlungen ist eine der wichtigsten Fragen weiterhin offen: Wer gab den Auftrag für die Sprengung der Pipelines?
Die Festnahmen und die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft liefern Hinweise auf mögliche Täter und deren mutmaßliche Rollen. Sie beantworten jedoch noch nicht abschließend die Frage nach Hintermännern und einem möglichen Auftraggeber.
Auch die politische Verantwortung für den Anschlag ist damit nicht geklärt.
Die Pipelines waren ein zentrales Symbol der deutschen Energiebeziehungen zu Russland. Ihre Zerstörung hatte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch erhebliche geopolitische Bedeutung.
Ermittlungen gehen weiter
Mit der Festnahme in Kroatien dürfte der Fall für die deutsche Justiz noch lange nicht abgeschlossen sein. Entscheidend wird sein, welche Beweise gegen den Verdächtigen vorliegen und welche Aussagen er möglicherweise selbst macht.