Die überraschende Ankündigung kommt nur wenige Tage, nachdem Trump einen wütenden Post in sozialen Netzwerken veröffentlichte. Darin brandmarkte er die gemeinsamen Manöver als „feindselig“ und wies Verteidigungsminister Pete Hegseth an, Übungen zu kürzen.
Die Streitkräfte Südkoreas und der USA haben auf Wunsch Washingtons vereinbart, ihre Manöver zu verkürzen, wie Behördenvertreter in Seoul mitteilen. Der Schritt dürfte den Wunsch von Präsident Donald Trump widerspiegeln, wieder mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ins Gespräch zu kommen, könnte aber die gemeinsame Verteidigungsbereitschaft schwächen.
Zu Wochenbeginn wies Trump seinen Pentagon-Chef an, das gemeinsame Sommermanöver Ulchi Freedom Shield „erheblich zu reduzieren“, kurz bevor es am Montag anlief.
Trump führte als Hauptgründe seine nach eigenen Worten „sehr gute Beziehung“ zu Kim sowie die Weigerung Südkoreas an, sich am US-Krieg gegen den Iran zu beteiligen. Deshalb wolle er von den Manövern abrücken, die er als „völlig unangebracht und feindselig“ gegenüber Pjöngjang bezeichnet.
Die südkoreanischen Streitkräfte teilten in einer Erklärung mit, dass die laufenden Manöver mit den USA nun bereits an diesem Freitag enden sollen – statt wie ursprünglich geplant am 27. August. Zudem hätten beide Seiten vereinbart, einige Gefechtsübungen im Gelände zu verkleinern.
Seoul und Washington würden verschiedene Schritte beraten und umsetzen, um die Ziele der Übungen zu erreichen und eine gemeinsame Verteidigungshaltung zu festigen, hieß es weiter.
Ulchi Freedom Shield ist größtenteils eine computergestützte Gefechtsstandübung. Sie soll die Bereitschaft der Verbündeten stärken, auf mögliche Aggressionen Nordkoreas zu reagieren. Normalerweise absolvieren beide Länder ein Bündel weiterer Trainings, die direkt auf unterschiedliche Bedrohungen im Sicherheitsumfeld zugeschnitten sind.
Die Sommermanöver und ein ähnliches Frühjahrsmanöver gelten als zentrale Säule des Bündnisses, das auf den Koreakrieg von 1950 bis 1953 zurückgeht.
Zugleich sind die Übungen seit Langem ein Streitpunkt mit Nordkorea. Pjöngjang verurteilte sie immer wieder als Generalprobe für eine Invasion und reagierte mit provokativen Raketentests. Wenige Tage vor Beginn der diesmonatigen Manöver feuerte Nordkorea zwei ballistische Raketen ins Meer.
Die diesmonatigen Übungen sollten dem Vernehmen nach in zwei Phasen stattfinden. Der erste Abschnitt bis zu diesem Freitag sollte sich auf Verteidigungsoperationen in einer Simulation nordkoreanischer Angriffe konzentrieren. Die zweite Phase bis zum 27. August war für Gegenoffensiven vorgesehen. Gerade auf solche Gegenoffensiv-Manöver reagiert Pjöngjang erfahrungsgemäß besonders empfindlich.
Kim Jong Un hat auf Trumps Vorstoß bislang nicht reagiert. Am Mittwoch veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA jedoch einen Kommentar, der die Militärübungen als „hysterisch“ und „äußerst gefährlich“ verurteilte und ankündigte, die Feindseligkeiten der Gegner vollständig zu vereiteln.
„Die gefährliche Ausweitung der von den USA und ihren Vasallen betriebenen Kriegsübungen stellt eine noch ernstere Bedrohung für die Sicherheitsrechte Nordkoreas dar“, hieß es in dem Kommentar.
„Die Ausübung unseres Selbstverteidigungsrechts wird die militärische Bedrohung durch die Feinde weiterhin vollständig neutralisieren.“
Viele Experten gehen davon aus, dass Kim, der sich durch sein voranschreitendes Atomprogramm und die ausgeweitete Militärkooperation mit Russland gestärkt sieht, Trumps Angebot vorerst nicht annehmen wird – es sei denn, ihm werden deutlich größere Zugeständnisse in Aussicht gestellt.
Als Reaktion auf frühere Gesprächsangebote Trumps hatte Kim im vergangenen Jahr angedeutet, er könne nur dann an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn die USA die Forderung nach einer vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas als Voraussetzung für Diplomatie aufgeben.
Trump und Kim trafen sich zwischen 2018 und 2019 drei Mal. Die riskante Gipfeldiplomatie scheiterte jedoch letztlich an Streitigkeiten über die nordkoreanische Forderung nach weitreichenden Sanktionslockerungen im Gegenzug für begrenzte Schritte zur Denuklearisierung.
Am Montag erklärte das Büro des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung, man hoffe, dass eine „freundliche Beziehung“ zwischen Trump und Kim zu einem „substanziellen Dialog“ zwischen beiden Staaten führen und so den Frieden auf der koreanischen Halbinsel fördern werde.
Das stieß bei konservativen Kräften auf heftige Kritik. Sie warfen Lees Regierung vor, die Wiederaufnahme der Kim-Trump-Diplomatie über die Sicherheitsbedenken zu stellen, die Trumps Entscheidung ausgelöst habe.