Ab 2028 soll das Erdgasfeld Cronos vor Zypern über Ägypten nach Europa exportiert werden, Griechenland bietet eine Route weiter nach Südost- und Mitteleuropa. Beim Gipfel in El Alamein bekräftigten die drei Staaten ihre Unterstützung für das Projekt.
Ägypten, Griechenland und Zypern haben ihre Unterstützung für Pläne erneuert, zyprisches Gas über ägyptische Exportanlagen nach Europa zu liefern. Griechenland bietet sich zudem als mögliche Route weiter nach Südost- und Mitteleuropa an.
Hintergrund sind Störungen bei den LNG-Lieferungen aus dem Golf. Der anhaltende Krieg mit Iran und die Blockade der Straße von Hormus setzen europäische Abnehmer unter Druck, alternative Bezugsquellen zu finden.
Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und Zyperns Präsident Nikos Christodoulides trafen sich am Dienstag in El Alamein an der ägyptischen Mittelmeerküste.
In einer gemeinsamen Erklärung forderten sie, die Anbindung der zyprischen Offshore-Gasfelder an die ägyptische Infrastruktur so schnell wie möglich abzuschließen.
Cronos, Zyperns erstes Gasförderprojekt, soll ab 2028 Gas liefern, wie Eni erwartet.
Neuer Auftrag für zyprisches Gasprojekt
Am Tag des Gipfels gab der Ingenieurdienstleister McDermott bekannt, dass die zyprische Eni-Tochter ihm einen Auftrag im Volumen von 500 bis 750 Millionen Dollar (rund 429,6 bis 644,4 Millionen Euro) für Arbeiten an Cronos erteilt hat.
McDermott will demnach Planung und Installation übernehmen und auch das Offshore-Projektmanagement unterstützen.
Der Auftrag folgt auf die endgültige Projektfreigabe durch Eni und TotalEnergies am 28. Juli. Die italienische und die französische Gesellschaft halten jeweils 50 Prozent.
Das Feld Cronos soll über vier Offshore-Bohrungen erschlossen werden. Eine Unterwasser-Pipeline transportiert das Gas nach Ägypten. Dort werden bestehende Aufbereitungsanlagen genutzt, die mit dem ägyptischen Zohr-Feld verbunden sind. Von dort geht es nach Damiette, wo das Gas verflüssigt und per Schiff exportiert werden soll.
Der italienische Energiekonzern erklärte im Juli, der Einsatz bestehender ägyptischer Anlagen senke die Kosten und beschleunige die Entwicklung. Zudem soll das Projekt dazu beitragen, die regelmäßigen LNG-Exporte aus Ägypten wiederherzustellen.
Bei der geplanten Fördermenge soll Cronos jährlich fast drei Millionen Tonnen LNG liefern. Das Feld enthält nach Eni-Angaben mehr als drei Billionen Kubikfuß zusätzliches Gas. Beide Unternehmen vermarkten jeweils die Hälfte der Produktion.
„Diese neue Gasroute im Mittelmeer wird zur Energiesicherheit Europas beitragen, indem sie die LNG-Quellen diversifiziert“, sagte TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanné bei der Projektgenehmigung.
Griechenlands Rolle
Mitsotakis skizzierte eine Route über die Terminals Revithoussa und Alexandroupolis in Griechenland. Dort würde LNG wieder zu Gas regasifiziert und über den sogenannten Vertikalen Korridor nach Südost- und Mitteleuropa geleitet.
Das Gas könne „theoretisch“ über griechische Anlagen nach Europa gelangen, sagte er.
Griechenland wäre damit ein möglicher Zugangspunkt, aber kein verpflichtender Zwischenstopp. Eni erklärte, das Gas solle vor allem in Europa und auf anderen internationalen Märkten verkauft werden, nicht ausschließlich in Griechenland.
Der Vertikale Korridor ist keine einzelne Pipeline. Er verbindet bestehende Gasnetze, die von Griechenland nach Norden führen, über Länder wie Bulgarien und Rumänien bis in Richtung Republik Moldau und Ukraine. So kann LNG, das in griechischen Terminals ankommt, Märkte weiter im Inneren Europas erreichen.
Die vorgeschlagene Route würde Transporte von Ägypten nach Griechenland im Mittelmeer halten und die Straße von Hormus sowie das Rote Meer umgehen. Sie wäre für neu gefördertes zyprisches Gas gedacht und würde keine bestehenden Lieferungen aus dem Golf umleiten.
In ihrem Ausblick vom Juli schätzte die Internationale Energieagentur, dass zwischen 2026 und 2030 insgesamt 140 Milliarden Kubikmeter LNG-Angebot wegfallen. Den größten Dämpfer für das Wachstum der Liefermengen erwartet sie 2026 und 2027.
Europa bereitet zudem das Aus der verbliebenen Gasimporte aus Russland vor. EU-Regeln sehen ein vollständiges Verbot von russischem LNG ab Anfang 2027 und von Pipelinegas ab Herbst desselben Jahres vor. Die EU sucht deshalb verstärkt nach alternativen Lieferanten.
Energiekooperation und regionale Spannungen
Die Zusammenarbeit geht über Gas hinaus. El-Sisi und Mitsotakis besprachen nach Angaben der ägyptischen Präsidentschaft am Dienstag Pläne, die Stromnetze beider Länder zu verbinden.
Das geplante Unterseekabel GREGY soll erneuerbaren Strom von Ägypten nach Griechenland transportieren und eine Kapazität von 3.000 Megawatt erreichen.
Nach Angaben des Projektentwicklers Elica Interconnector könnte der Strom die griechische Industrie versorgen und in andere europäische Märkte exportiert werden.
Alle drei Staats- und Regierungschefs bekräftigten in der Gipfelerklärung ihre Unterstützung für das Vorhaben.
Die trilaterale Partnerschaft geht auf einen ersten Gipfel in Kairo im November 2014 zurück. In der aktuellen Erklärung nahmen die drei Länder auch zu Seegrenzen Stellung und betonten, entsprechende Abkommen müssten im Einklang mit dem Völkerrecht stehen, einschließlich des UN-Seerechtsübereinkommens.
Griechenland und Ägypten unterzeichneten 2020 ein Abkommen über einen Teil ihrer Seegrenze. Die Türkei wies dies damals zurück und argumentierte, das Gebiet überschneide sich mit dem von Ankara beanspruchten Festlandsockel.
Mitsotakis betonte am Dienstag, die Partnerschaft zwischen Ägypten, Griechenland und Zypern richte sich „gegen kein anderes Land“.