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Russische Militärschiffe nahe Italien: Moskau stärkt Präsenz in Libyen

P-72A: Seeüberwachungsflugzeug der italienischen Luftwaffe
P-72A, Seefernaufklärer der italienischen Luftwaffe Copyright  Aeronautica militare italiana
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Von Stefania De Michele
Zuerst veröffentlicht am
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Die russische Militärpräsenz in Libyen alarmiert Italien: Tobruk und russische Basen am südlichen Mittelmeer geraten verstärkt in den Fokus. Italien stärkt seine Überwachung.

Die Ostflanke der Nato steht seit Langem im Fokus wegen der russischen Präsenz und der Militäraktivitäten. Für Italien rückt jedoch ein anderer, deutlich näherer Schauplatz in den Vordergrund: die Südflanke, mit Libyen an erster Stelle.

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Ein russischer Marinekonvoi, der den zentralen Mittelmeerraum durchquert und die Stadt Tobruk im Osten des Landes erreicht hat, lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf Moskaus Aktivitäten nur wenige Hundert Kilometer vor den italienischen Küsten.

Laut Satellitenaufnahmen, die Open-Source-Intelligence-Gruppen ausgewertet haben, transportieren die von italienischen Streitkräften auf ihrer Fahrt begleiteten Schiffe Panzerfahrzeuge und Logistikfahrzeuge.

Die Route des Konvois fügt sich in die wachsende Aufmerksamkeit Roms für russische Militäraktivitäten im Mittelmeer ein. Im Mittelpunkt steht dabei der Ausbau der russischen Präsenz in Libyen, einem für Italien strategisch wichtigen Staat – sicherheitspolitisch, energiepolitisch und mit Blick auf Migrationsbewegungen.

Der Konvoi passierte den zentralen Mittelmeerraum ausgerechnet in den Tagen, in denen der italienische Generalstabschef Luciano Portolano in Tripolis mit der libyschen Militärführung über eine engere Zusammenarbeit der beiden Länder sprach.

Russische Schiffe im Mittelmeer: Italien beobachtet Routenverlauf

Die Gruppe, die Tobruk anlief, bestand aus drei Einheiten: den Frachtschiffen Anastasiia und Yuriy Arshenevskiy sowie dem Landungsschiff Aleksandr Shabalin der Ropucha-Klasse.

Am 10. September spürte ein P-72A der italienischen Luftwaffe den Konvoi im zentralen Mittelmeer auf. Die Maschine zur Seeüberwachung ist darauf ausgelegt, Schiffe zu orten, zu klassifizieren und ihre Bewegungen zu verfolgen.

Die drei Schiffe stellten außerdem die öffentliche Übertragung ihrer Daten über das AIS-System ein, das Schiffe normalerweise zur Übermittlung von Identität, Position, Geschwindigkeit und Kurs nutzen.

Das Ziel blieb unklar, bis Satellitenbilder vom 13. September vorlagen. Auf den Sentinel-2-Aufnahmen war die Anastasiia im Hafen von Tobruk zu sehen, die Yuriy Arshenevskiy an der Hafeneinfahrt und die Aleksandr Shabalin weiter draußen auf See.

Am 14. September überflog zudem ein Bombardier Challenger 650 Artemis II der USA für lange Zeit das Seegebiet vor Tobruk. Die Maschine wird für Aufklärung, Überwachung und Spionagemissionen eingesetzt und flog mehrere Schleifen über dem Gebiet. Das Flugzeug mit dem Funkrufzeichen "BRIO66" und der Kennung N159L startete in Rumänien und nahm anschließend wieder Kurs auf Constanța.

Panzerfahrzeuge für Tobruk

Wie die Nachrichtenagentur Nova berichtet, lässt sich die Art der Ladung durch frühere Satellitenaufnahmen rekonstruieren, die am 13. August im russischen Marinestützpunkt Baltiysk in der Exklave Kaliningrad entstanden.

Auf den Bildern sind Ural-Lastwagen für logistische Zwecke auf dem Deck der Anastasiia sowie mehrere gepanzerte Fahrzeuge in der Nähe der Yuriy Arshenevskiy zu erkennen. Analysten identifizierten sie als APC ("Armoured Personnel Carrier"), also gepanzerte Truppentransporter, und MRAP ("Mine-Resistant Ambush Protected"), Fahrzeuge, die Minenexplosionen standhalten und Insassen bei Hinterhalten schützen sollen.

Offizielle Stellungnahmen zum Inhalt der Lieferung oder zum endgültigen Bestimmungsort nach Tobruk gibt es weder aus Russland noch aus Libyen. Der Hafen liegt im Osten des Landes und steht unter der Kontrolle der Truppen von General Khalifa Haftar.

Die Ankunft des Konvois bestätigt, dass Tobruk zu einem wichtigen Drehkreuz der russischen Militärlogistik geworden ist. Schon im April 2024 löschten russische Schiffe dort Artillerie, Panzerfahrzeuge, Lastwagen und Raketenwerfersysteme.

Russlands Militärbasen in Libyen

Für Italien ist jedoch nicht nur diese eine Ladung entscheidend.

Russland hat seine militärische Präsenz im Osten und Süden Libyens schrittweise ausgebaut. Eine zentrale Rolle spielt der Afrikanskij Korpus, der russische Africa Corps. Die Struktur untersteht dem russischen Verteidigungsministerium und bündelt Teile der zuvor dem Wagner-Konzern zugeschriebenen Aktivitäten.

Auf Basis von Satellitenbildern gehen Analysten davon aus, dass sich die russische Präsenz auf mindestens sechs libysche Luftwaffenstützpunkte erstreckt: al-Khadim, al-Jufra, al-Qardabiya, Tamanhint, Brak al-Shati und Maaten al-Sarra. Auf mehreren Basen sind Ausbauarbeiten an Start- und Landebahnen, Hangars, Unterstützungsflächen und Unterkünften zu erkennen.

Libyens Lage macht dieses Netz besonders bedeutsam. Die Stützpunkte ermöglichen es Moskau, einen festen militärischen Fuß im Mittelmeer zu behalten und zugleich eigene Operationen in Richtung Sahel und in andere Teile Afrikas zu unterstützen.

Tobruk verschafft diesem Netz einen weiteren wichtigen Zugang zum Mittelmeer. Die geographische Lage des Hafens macht das Thema für Italien besonders sensibel.

Warum Libyen für Italien so wichtig ist

Die reine Entfernung erklärt nur einen Teil der Lage. Italien und Libyen sind wirtschaftlich, energiepolitisch und in Sicherheitsfragen eng verflochten. Rom betrachtet die Stabilität des nordafrikanischen Landes als direkt mit den eigenen nationalen Interessen verknüpft.

Das betonte auch Portolano bei seinem Besuch in Tripolis am zehnten September. "Libyen bleibt ein entscheidendes Land für den Schutz der lebenswichtigen und strategischen Interessen Italiens", erklärte der Generalstabschef der Verteidigung und nannte als Prioritäten den Kampf gegen Terrorismus, illegale Geschäfte und irreguläre Migration.

Portolano verwies zudem auf die Absicherung der Energieinfrastruktur und die kontinuierliche Lieferung von Gas und Erdöl aus Libyen als strategische Ziele für die italienische Energiesicherheit. Beide Seiten vereinbarten bei dem Treffen, die militärische Zusammenarbeit zu vertiefen – von Ausbildung und Training über den Cyberbereich bis hin zu den Spezialkräften.

Italien ist zudem mit der bilateralen Mission MIASIT im Land präsent, die libysche Sicherheitskräfte berät und ausbildet. Rom beteiligt sich außerdem an der EU-Mission EUNAVFOR MED IRINI, die vor allem das von den Vereinten Nationen verhängte Waffenembargo gegen Libyen überwacht.

Vor diesem Hintergrund bekommt die russische Präsenz für Rom ein besonderes Gewicht. Nicht, weil russische Schiffe für sich genommen eine unmittelbare Bedrohung für italienisches Territorium wären, sondern weil Moskau ein militärisches Netz an der Südflanke des Mittelmeers aufbaut – in einem Land, das Italien als strategisches Interesse definiert.

Von Syrien nach Libyen: Moskau sucht neue Routen im Mittelmeer

Der Ausbau der russischen Präsenz in Libyen hängt auch mit der Lage in Syrien zusammen.

Ein weiterer russischer Konvoi aus vier Schiffen erreichte Anfang September den syrischen Hafen Tartus, wo Moskau im Rahmen eines neuen Abkommens mit Damaskus militärisch präsent bleibt. Reuters bestätigte die Ankunft der Schiffe am 7. September und das anschließende Löschen von Nachschub.

Libyen könnte damit in der russischen Logistik im Mittelmeer an Bedeutung gewinnen, insbesondere jetzt, da Moskau seine Präsenz nach dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad neu ordnet.

Für Italien bedeutet dies, nicht nur den Verkehr russischer Schiffe vor den eigenen Küsten im Blick zu behalten, sondern auch die Entwicklungen am Südufer des Mittelmeers zu beobachten.

Die italienische Marine bezeichnet die Überwachung russischer Einheiten und der Schiffe der sogenannten Schattenflotte bereits als festen Bestandteil ihrer Tätigkeit im Mittelmeer. In den vergangenen Monaten erklärte der Chef des Stabes der Marine, Admiral Giuseppe Berutti Bergotto, dass die russischen Schiffe und U-Boote im Mittelmeer beobachtet werden. "Wir wissen, wo sie sind und was sie im Allgemeinen tun. Das Mittelmeer ist in Verantwortungsbereiche der Nato aufgeteilt. Alle russischen Schiffe und alle russischen U-Boote im Mittelmeer werden überwacht", sagte Berutti Bergotto im Januar 2026 der Zeitung Corriere della Sera.

Der nun in Tobruk eingetroffene Konvoi macht damit noch deutlicher, was in Rom schon seit Langem auf dem Radar steht: Der strategische Wettbewerb im Mittelmeer spielt sich nicht nur im Norden und Osten ab, sondern auch nur wenige Hundert Kilometer vor den italienischen Küsten.

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