Bei der LandtagswahI in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen AfD und SPD um den ersten Platz. Bisher lag die AfD in Umfragen vorn. Doch Ministerpräsidentin Schwesig (SPD) hofft auf eine weitere Amtszeit. Für CDU, Grüne und BSW geht es um den Einzug in den Landtag.
Am Sonntag wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Derzeit liefern sich die Landesverbände der AfD und der SPD ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die AfD führt mit 37 Prozent aktuelle Wahlumfragen an, knapp dahinter die SPD, angeführt von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, mit 34 Prozent. An dritter Stelle ist der aktuelle Koalitionspartner der SPD, die Linke, mit zehn Prozent, so eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF.
Es wird ein entscheidender Tag in vielerlei Hinsicht: Die Rechtsaußenpartei AfD hofft darauf, ihren Wahlerfolg von Sachsen-Anhalt vor wenigen Wochen fortsetzen zu können. Für die AfD zieht Leif-Erik Holm als Spitzenkandidat ins Rennen. Bislang trat Holm, der früher Radiomoderator war, vor allem in Berlin als Bundestags-Abgeordneter in Erscheinung. Er ist bereits seit 2013 Parteimitglied und seit 2014, mit kurzer Unterbrechung, Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern.
Seit 28 Jahren regiert die SPD
Seine AfD fordert in einem 100-Tage-Programm für Mecklenburg-Vorpommern, den Ausbau von Windrädern zu beenden, die Absenkung der Grunderwerbssteuer, Taser für die Landespolizei und "zentrale Landesausreiseeinrichtungen" für ausreisepflichtige Migranten sowie die "konsequente Anwendung des Sachleistungsprinzips".
Die AfD konnte sich in Umfragen im Vergleich zum Ergebnis der Landtagswahl 2021 mehr als verdoppeln. Für das seit 28 Jahren sozialdemokratisch regierte Bundesland wäre ein Gewinn der AfD eine Zäsur.
Die ehemalige Bundesfamilienministerin und aktuelle Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns Manuela Schwesig (SPD) versucht derweil, ihren Posten zu verteidigen. In ihrem Wahlkampf inszeniert Schwesig sich als "Frau gegen Blau". In den letzten Wochen legte Schwesig eine rekordverdächtige Aufholjagd hin. Sie verkleinerte den Abstand zur AfD von 19 Prozentpunkten auf drei Prozentpunkte. Schwesig setzt inhaltlich auf den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Stärkung der Wirtschaft etwa durch den Wegfall von Berichtspflichten für Unternehmen. Zudem im Fokus: auf eine familienfreundliche Politik, etwa durch kostenfreie Kitas.
Bei der Arbeitslosigkeit liegt das Bundesland im norddeutschen Vergleich auf einem hinteren Platz. Im August 2026 lag die Arbeitslosenquote bei fast 8 Prozent und damit deutlich über dem Bundesschnitt von 6,5 Prozent und über den Werten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Nur Hamburg schneidet mit 8,6 Prozent noch schlechter ab. Die Jugendarbeitslosenquote lag in Mecklenburg-Vorpommern aktuell sogar bei 9,3 Prozent, bundesweit sind es 6,8 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern hatte 2025 zwar mit 1,4 Prozent gemeinsam mit Bremen das stärkste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer. Doch unter den Flächenländern Ostdeutschlands ist die Wirtschaftsleistung des Bundeslandes am kleinsten. Bedeutendster Wirtschaftsbereich ist die Maritime Wirtschaft, also zum Beispiel Schiffsbau.
Bildung und Schule als wichtigste Themen
Gleichzeitig sank zuletzt der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als gut beschreiben würden, auf 27 Prozent, so eine Erhebung der Industrie- und Handelskammern von Neubrandenburg. 7000 Unternehmen hatten sie befragt. Der Rest der Unternehmen bewertete die Geschäftslage als befriedigend oder unbefriedigend. Als schlecht bewertete sie niemand.
Anfang des Monats fragte der MV-Trend von infratest dimap im Auftrag des NDR ab, welche Probleme von der neuen Landesregierung am dringendsten gelöst werden müssten. Auf Platz eins wählten die Befragten Bildung und Schule, gefolgt von Wirtschaft und Migration. Für die Wähler könnten das die entscheidenden Positionen werden.
Demnach würden die Befragten AfD und SPD jeweils im gleichen Ausmaß (27 Prozent) zutrauen, die Probleme zu lösen. Im Juli hatte die AfD noch zwei Prozentpunkte Vorsprung.
Deutlich abgeschlagen liegen die anderen Parteien in der Befragung, was sich auch in den Umfrageergebnissen widerspiegelt. Einzig sicher scheint neben dem Einzug in den Landtag von AfD und SPD nur der Einzug der Linken. Im Vorfeld erklärte Katharina Slanina, Vorsitzende des Linken-Landesverbands in Mecklenburg-Vorpommern, erneut mit der SPD koalieren zu wollen, wie der RBB zitiert.
Stellt sich nur die Frage, mit welcher weiteren Partei. Für eine absolute Mehrheit im Landtag könnte eine Koalition aus SPD und Linke zu wenig sein. CDU, Grüne und BSW müssen zittern, denn noch immer ist unklar, ob sie am Sonntag die Fünfprozenthürde nehmen können. Für die Christdemokraten könnte es das schlechteste Landtagsergebnis in der Parteigeschichte werden. Die bislang größte Niederlage war in Bremen – im Jahr 1951 mit neun Prozent.
Die kleineren Parteien üben deutliche Kritik an Schwesigs Kampagne "„Eure Frau gegen Blau". CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte zur Deutschen Presseagentur (dpa), durch diese Personalisierung schwäche Schwesig "die politische Mitte und hilft am Ende der AfD.“ Grünen-Chef Felix Banaszak betont, ebenfalls gegenüber dpa, die Mehrheit für Rot-Rot-Grün sei zum Greifen nah, "aber Manuela Schwesig setzt darauf, dass alle, die die AfD verhindern wollen, zu ihr kommen – und riskiert damit bewusst, dass CDU oder Grüne aus dem Landtag fallen.“
Experten erwarten in Mecklenburg-Vorpommern eine Rekordwahlbeteiligung. Der AfD-Wahlsieg sei ein "Motivationsschub" bei AfD-Sympathisanten gewesen. Gleichzeitig sei er "ein Weckruf für die demokratischen Wähler", so der Politologe Wolfgang Muno zur Tagesschau.