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Arbeitslosigkeit in Europa: Warum so viele junge Deutsche keinen Job finden

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Von Laura Fleischmann
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Der Anteil junger Menschen ohne Job und Ausbildung steigt. Experten sehen eine "Erneuerungskrise" und warnen vor langfristigen Nachteilen für den Berufseinstieg und den Fachkräftemarkt.

Der Anteil an jungen Erwachsenen in Deutschland ohne Job und ohne Ausbildung steigt. Inzwischen gehören 10 % der 20- bis 24-Jährigen zu der Kategorie, so das Statistische Bundesamt am Montag. Im Jahr 2022 lag der Anteil noch bei 8,8 %.

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Im Europa-Vergleich ist der Trend gegenläufig: Waren 2022 noch 13,4 % der jungen Europäer ausbildungs- und arbeitslos, sind es inzwischen nur noch 12,9 %. Am höchsten ist der Anteil in Rumänien (22,8 %), Bulgarien (17,3 %) und Frankreich (16,2 %). Am besten schnitten die Niederlande (5,6 %), Schweden (7,3 %) und Tschechien (7,6 %) ab. In der Wissenschaft werden sie als "NEETs" bezeichnet, kurz für "Not in Education, Employment or Training", auf Deutsch: nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung.

Magdalena Polloczek leitet bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung das Referat "Aus- und Weiterbildung für eine transformierte Arbeitswelt". Im Interview mit Euronews erklärt sie: "Die Personengruppe, die als NEETs gilt, ist sehr durchmischt. Unter ihnen finden sich auch viele junge Menschen, die nach Ausbildungsstellen suchen. Die Probleme auf dem Ausbildungsmarkt, darunter die hohe Anzahl unversorgter Bewerber*innen bestehen bereits seit längerem und haben sich zuletzt nochmal verschärft." Mit Blick auf den zukünftigen Arbeitsmarkt sei das eine "große Problemlage, weil dadurch langfristig Fachkräfte fehlen können."

Junge Frauen häufiger betroffen als Männer

Ausbildungsinteressierte hätten häufig einen "begrenzteren Radius“ zur Suche nach Ausbildungsstellen, da sie häufig noch zu Hause bei ihren Eltern leben – auch weil die in manchen Fällen niedrige Bezahlung Umzüge in weiter entfernte Orte oder in eine eigene Wohnung nicht erlaube. Sie könnten lediglich regionale Ausbildungsplätze annehmen und keine weiter entfernten.

Gleichzeitig würden viele Jugendliche sich für besonders nachgefragte Berufe interessieren, bei denen die Konkurrenz entsprechend hoch sei. Bestimmte Berufe, die teils vom Fachkräftemangel betroffen sind, seien hingegen häufig weniger interessant.

Durchschnittlich sind in Deutschland junge Frauen (10,5 %) eher NEETs als junge Männer (9,6 %). Der Effekt spiegelt sich auch EU-weit wider, so das Statistische Bundesamt.

66 % der jungen Menschen ohne Job und Ausbildung gelten als sogenannte "Nichterwerbspersonen", so der nationale Bildungsbericht für das Jahr 2024. Sie stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Als Gründe führten 20 % Betreuungspflichten an, gefolgt von gesundheitlichen Problemen (18 %). An dritter Stelle stehen bildungsbezogene Gründe mit 17 %, dazu gehören etwa Personen, die auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz warten.

"Man könnte noch stärker berücksichtigen, dass auch Jugendliche und junge Erwachsene Betreuungsverpflichtungen haben und sollte überlegen, wie Vereinbarkeit von (Aus)Bildung und Care-Arbeit besser miteinander vereinbart werden könnten – etwa durch mehr Teilzeitausbildungen oder ein stärkeres Angebot an Kinderbetreuung", erklärt Polloczek. "Ein weiterer wichtiger Punkt ist die engmaschige Begleitung von Jugendlichen, die noch nicht sicher sind, welchen beruflichen oder Bildungsweg sie einschlagen wollen. Gerade hier gibt es politisch noch Raum für Nachbesserungen."

Experte: Deutschland steckt in "Erneuerungskrise"

Sichtbar ist auch ein Stadt-Land-Gefälle. Junge Menschen in Deutschlands Städten (10,6 %) sind häufiger betroffen als junge Erwachsene, die auf dem Land leben (7,9 %). Im EU-Schnitt ist der Effekt andersherum. 15,4 % der jungen Landbewohner sind ohne Job und Ausbildung.

Enzo Weber, Wirtschaftswissenschaftler am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, spricht im Interview mit Euronews von einer "Erneuerungskrise" Deutschlands. "Es werden so wenige neue Jobs geschaffen wie noch nie. Das trifft besonders junge Leute, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen." Weber fordert, dass die Politik gegensteuert. "Denn ein schlechter Arbeitsmarkteinstieg in einer schwierigen Phase führt zu dauerhaften Nachteilen, die sich über das Erwerbsleben fortsetzen."

Fehlende Orientierung und Bildungsdefizite würden den Einstieg in den Arbeitsmarkt erschweren, so Weber. Auch stark gestiegene Löhne für Helferjobs führt der Wissenschaftler als mögliche Ursache an.

Im Europa-Vergleich der Jugendarbeitslosigkeit hingegen schneidet Deutschland vergleichsweise gut ab. Im Juni 2026 hatte Deutschland EU-weit die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit mit 7,1 %. Zwischen 15 und 74 Jahren hingegen lag die Erwerbslosenquote in Deutschland bei 3,9 %. Der EU-Durchschnitt der Jugendarbeitslosigkeit lag bei 15,5 %, so das Statistische Bundesamt.

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