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„Besorgniserregender Rückgang“: Pinguine verschwinden von Vulkaninsel fern der Menschen

Kolonie von Zügelpinguinen auf der Insel Zavodovski
Kolonie von Zügelpinguinen auf der Insel Zavodovski -  Copyright  Supplied by BAS.
Copyright Supplied by BAS.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Forscher machen den menschengemachten Klimawandel für den Rückgang der Zügelpinguine auf der abgelegenen Insel Zavodovski verantwortlich.

Eine Vulkaninsel nahe der Antarktis beherbergt nicht mehr die größte Pinguinkolonie der Welt. Forschende warnen, dass „selbst die entlegensten Teile des Planeten“ nicht vor den Folgen des Klimawandels sicher sind.

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Zavodovski, eine Insel der Südlichen Sandwichinseln, gilt als einer der abgeschiedensten und extremsten Orte der Welt für Feldforschung. Sie liegt rund 2.000 Kilometer von der nächsten dauerhaften Siedlung entfernt.

Ein Team des British Antarctic Survey (BAS) war mehr als zwei Wochen auf stürmischer See unterwegs, um die zerklüfteten Klippen der Vulkaninsel zu erreichen, die etwa doppelt so groß ist wie Gibraltar.

Mithilfe von Drohnenaufnahmen, Luftbildern und mit Sendern ausgestatteten Pinguinen stellten die Wissenschaftler fest, dass mehr als eine halbe Million Zügelpinguine verschwunden sind.

Die Verluste entsprechen mehr als einem Viertel der gesamten Pinguinpopulation der Insel, die fast vollständig aus Zügel- und Goldschopfpinguinen besteht. Damit geht der Titel der größten Pinguinkolonie der Welt an Cape Adare in der Ross-See.

Zügelpinguine: Warum die Bestände einbrechen

Zavodovski schien jahrelang eine Ausnahme zu sein. Während von der Antarktis und ihren Inseln weit verbreitete Rückgänge gemeldet wurden, hielt sich die Zügelpinguin-Kolonie dort zunächst stabil.

Jetzt warnen Forschende, dass die Insel die weltweit höchste Rate beim Rückgang der Zügelpinguinbestände aufweist.

Vergleiche zwischen Luftaufnahmen und Satellitenbildern zeigen, dass die Zahl besetzter Zügelpinguin-Nester von 2011 bis 2025 um 63 Prozent gesunken ist. Die Ursachen lassen sich aus den Satellitendaten einzelner Pinguine ableiten.

Der stetige Verlust deutet darauf hin, dass der Vulkanausbruch im März 2016, der die unteren Hänge der Insel mit Rauch und Asche überzog, nicht die Hauptursache ist. Stattdessen sehen die Forschenden klimabedingte Veränderungen im Südlichen Ozean, die die Nahrungsgrundlage der Tiere stören.

Zwei Zügelpinguine auf der Insel Zavodovski.
Zwei Zügelpinguine auf der Insel Zavodovski. Supplied by BAS.

„Das ist ein besorgniserregender Rückgang für Zügelpinguine, die eine sehr spezialisierte Nahrung haben und bestimmte Wassertemperaturen bevorzugen“, sagt der Pinguinökologe Professor Norman Ratcliffe, der die Untersuchungen leitete.

Ratcliffe erklärt, dass Zügelpinguine bevorzugt in kühleren Gewässern nordwestlich der Insel nach Nahrung suchen. Dort erwarten sie antarktischen Krill, der den Großteil ihrer Nahrung ausmacht.

„Das Problem ist: Durch die Erwärmung der Meere ist der Krill nach Süden in die Weddellsee abgewandert“, sagt er. „Meereis im Süden und der Mangel an geeigneten Brutinseln verhindern, dass Zügelpinguine dem Futter folgen können.“

Goldschopfpinguine auf Zavodovski: Warum es ihnen besser geht

Während die Zügelpinguinpopulation schrumpfte, nahm die Zahl der Goldschopfpinguine auf der Insel zu – um 28 Prozent zwischen 2011 und 2016. Seitdem ist sie stabil geblieben. Auch hier spielt die unterschiedliche Ernährungsweise eine Rolle, betonen die Forschenden.

Im Gegensatz zu Zügelpinguinen haben Goldschopfpinguine ein breiteres Nahrungsspektrum und können auf andere Beute wie Fische und Krebstiere ausweichen, wenn Krill knapper wird.

Die Tracking-Daten zeigen, dass sie überwiegend in wärmeren Gewässern nordöstlich der Insel jagen, wo sie ihre Ernährung vermutlich mit diesen alternativen Nahrungsquellen ergänzen.

Eine Drohnenaufnahme zeigt eine Pinguinkolonie auf der Insel Zavodovski.
Eine Drohnenaufnahme zeigt eine Pinguinkolonie auf der Insel Zavodovski. Supplied by BAS.

„Unsere Daten belegen, dass die kälteangepassten antarktischen Zügelpinguine neben ihren subantarktischen Nachbarn nicht mehr gedeihen“, sagt Ratcliffe.

„Es ist die größte Veränderung in der Zusammensetzung einer Tiergemeinschaft, die je an einem einzelnen Ort in der Antarktis beobachtet wurde. Das ist ein weiterer Beleg dafür, wie die rasche Erwärmung des Kontinents einzigartige, empfindliche Ökosysteme verändert.“

Andere mögliche Erklärungen für die Veränderungen – etwa Konkurrenz um Brutplätze zwischen beiden Pinguinarten oder der Einfluss der Krillfischerei – halten die Forschenden für wenig wahrscheinlich.

Bruthabitat ist auf der Insel ausreichend vorhanden. Zudem ist das Fangen von Krill im Meeresschutzgebiet (MPA) rund um Zavodovski verboten. Unklar bleibt jedoch, wie sich Krillfischerei in Gebieten auswirkt, die über Meeresströmungen mit diesem Schutzgebiet verbunden sind und die Nahrungsverfügbarkeit in der Region insgesamt beeinflussen könnten.

Klimawandel erreicht selbst die entlegensten Winkel der Erde

Das Team befürchtet, dass die starken Veränderungen bei Zügel- und Goldschopfpinguinen die marinen Nahrungsnetze der Region weiter durcheinanderbringen könnten.

Vor allem aber sorgt sie der Zustand der Ökosysteme in einer sich rasch verändernden Welt.

Auf den Südlichen Sandwichinseln lebt 30 Prozent der weltweiten Zügelpinguinpopulation. Die dortigen Rückgänge, zusammen mit den Einbrüchen in anderen Teilen der Antarktis, könnten dazu führen, dass Zügelpinguine in der Roten Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN in die Kategorie ‚gefährdet‘ eingestuft werden.

Bereits Anfang des Jahres wurden Kaiserpinguine als gefährdete Art eingestuft, weil der Verlust von Meereis in der Antarktis ihre Bestände massiv einbrechen ließ.

Dr. Peter Fretwell, BAS-Forscher und Experte für die Fernerkundung von Pinguinen, sieht in der Studie ein weiteres Beispiel dafür, „dass ein sich erwärmendes Klima selbst die entlegensten Regionen“ des Planeten trifft.

„Die Südlichen Sandwichinseln liegen weit weg von jedem Menschen und beherbergen fast ein Drittel aller Zügelpinguine der Welt – doch selbst sie entkommen den Auswirkungen des Klimawandels nicht.“

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