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"Vor unseren Augen": Festeis bricht – Pinguinküken ertrinken

Hauptursachen sind das schwindende Meereis und wärmere Ozeane infolge des Klimawandels.
Haupttreiber sind das schwindende Meereis und die sich erwärmenden Ozeane infolge des Klimawandels. Copyright  Martin Wettstein
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Von Rebecca Ann Hughes
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"Der Klimawandel beschleunigt die Aussterbekrise vor unseren Augen", sagt Martin Harper, Geschäftsführer von BirdLife International. Besonders tragisch: Bricht das Eis wegen des Klimawandels auseinander, ist das tödlich für die Pinguinküken.

Der Kaiserpinguin und der Antarktische Seebär stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) inzwischen in der Kategorie 'Endangered' – stark gefährdet.

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Der Klimawandel in der Antarktis verändert das Meereis. Modellrechnungen zufolge könnte sich der Bestand der Kaiserpinguine bis in die 2080er-Jahre halbieren. Beim Antarktischen Seebären hat der Nahrungsmangel bereits seit dem Jahr 2000 zu einem Rückgang um rund fünfzig Prozent geführt.

„Im Vorfeld der Antarktis-Vertragskonsultativtagung im Mai liefern diese Bewertungen zentrale Daten für Entscheidungen über diesen majestätischen Kontinent und seine beeindruckende Tierwelt“, sagt Dr. Grethel Aguilar, Generaldirektorin der IUCN.

„Die Rolle der Antarktis als 'gefrorener Schutzschild' unseres Planeten ist unersetzlich. Sie bringt den Menschen unzählige Vorteile, stabilisiert das Klima und bietet einzigartigen Tierarten einen Rückzugsraum.“

Klimawandel: Höheres Ertrinkungsrisiko für Pinguinküken

Der Kaiserpinguin ist auf der IUCN-Roten Liste von 'Near Threatened' auf 'Endangered' hochgestuft worden. Grundlage sind Prognosen, nach denen sich sein Bestand bis in die 2080er-Jahre halbiert.

Satellitenbilder zeigen allein für den Zeitraum von 2009 bis 2018 einen Bestandsverlust von rund zehn Prozent – das entspricht mehr als 20.000 erwachsenen Pinguinen.

Hauptursache ist nach Angaben der IUCN, dass das Meereis früher auseinanderbricht und großflächig verschwindet. Die Eisfläche hat seit 2016 Rekordtiefs erreicht.

Kaiserpinguine brauchen sogenanntes 'fast ice' – fest verankertes Meereis, das mit der Küste, dem Meeresboden oder aufgelandeten Eisbergen verbunden ist. Es dient als Brutplatz und Rückzugsort in der Mauserzeit, wenn ihr Gefieder noch nicht wasserdicht ist.

Bricht dieses Eis zu früh auseinander, kann das tödlich enden.

Für Forschende ist es schwer, beobachtete Tragödien in konkrete Bestandszahlen zu übersetzen – etwa wenn eine ganze Brutkolonie mitsamt den noch nicht schwimmfähigen Küken ins Meer abrutscht.

Populationsmodelle mit unterschiedlichen Klimaszenarien kommen jedoch zu einem klaren Ergebnis: Bleiben abrupte und drastische Einschnitte bei den Treibhausgasemissionen aus, brechen die Kaiserpinguin-Bestände in diesem Jahrhundert stark ein.

Pinguine gehören schon heute zu den am stärksten bedrohten Vogelarten der Erde“, sagt Martin Harper, Geschäftsführer von BirdLife International, das als Fachautorität für Vögel auf der IUCN-Roten Liste die Neubewertung des Kaiserpinguins koordiniert hat.

„Die Einstufung des Kaiserpinguins als 'Endangered' ist eine unmissverständliche Warnung: Der Klimawandel beschleunigt die Aussterbekrise vor unseren Augen. Regierungen müssen jetzt handeln und ihre Volkswirtschaften zügig dekarbonisieren.“

Erwärmte Ozeane: Weniger Nahrung für Antarktische Seebären

Der Antarktische Seebär ist auf der IUCN-Roten Liste von 'Least Concern' in die Kategorie 'Endangered' gerutscht.

Die Zahl der geschlechtsreifen Tiere ist zwischen 1999 und 2025 von geschätzten 2.187.000 auf 944.000 gesunken – ein Rückgang um mehr als fünfzig Prozent.

Nach Angaben der IUCN geht der anhaltende Bestandsrückgang vor allem auf den Klimawandel zurück. Steigende Wassertemperaturen und schrumpfende Meereisflächen drängen Krill in größere Meerestiefen auf der Suche nach kälterem Wasser. Für die Seebären wird Nahrung dadurch knapper.

Auf der Insel Südgeorgien hat der Krillmangel die Überlebenschancen der Jungtiere im ersten Lebensjahr drastisch gesenkt. Die Folge ist eine überalternde Fortpflanzungspopulation.

Andere Risiken könnten den Bestand zusätzlich schwächen: Dazu zählen Angriffe von Schwertwalen und Seeleoparden sowie die Konkurrenz zu sich erholenden Bartenwal-Beständen, die ebenfalls auf Krill als Nahrungsquelle angewiesen sind.

Vogelgrippe bedroht Südliche Seeelefanten

Auch der Südliche Seeelefant ist neu eingestuft worden. Auf der IUCN-Roten Liste wechselte er von 'Least Concern' in die Kategorie 'Vulnerable', nachdem Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) in mehreren Beständen zu deutlichen Rückgängen geführt hat.

Seit 2020 hat sich die Vogelgrippe weltweit stark ausgebreitet und inzwischen auch zahlreiche Säugetiere erreicht. Die Krankheit betrifft vier der fünf großen Teilpopulationen. In einigen Kolonien hat sie mehr als neunzig Prozent der neugeborenen Jungtiere getötet und trifft erwachsene Weibchen besonders hart, die deutlich länger an den Stränden bleiben als die Männchen.

Fachleute befürchten zunehmend, dass krankheitsbedingte Todesfälle bei Meeressäugern mit der globalen Erwärmung zunehmen – besonders in den Polarregionen, in denen viele Arten bislang kaum mit Krankheitserregern in Kontakt kamen.

In Kolonien, in denen Tiere eng beieinander leben – wie bei den Südlichen Seeelefanten –, richten Krankheiten deshalb besonders großen Schaden an.

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