Ein französischer Schlepper ist in Griechenland eingetroffen. Damit starten offenbar die Arbeiten an der Stromverbindung zwischen Kreta und Zypern über 1200 km - gegen den Widerstand aus der Türkei.
Seit Dienstagmorgen liegt der unter französischer Flagge fahrende Schlepper "Abeille Marengo“ im Hafen von Heraklion auf Kreta. Es soll Unterwasseruntersuchungen für die Verlegung von Untersee-Stromkabeln durchführen. Die Arbeiten gehören zum Projekt der elektrischen Verbindung zwischen Kreta und Zypern, dem Projekt Great Sea Interconnector (GSI). Wegen des Widerstands der Türkei gegen die Anbindung von Zypern an das Stromnetz der EU hat sich das Projekt immer wieder verzögert.
Ankara beansprucht Seegebiete, die Athen für die Verlegung der GSI-Unterseekabel nutzen will. Die Sromverbindung war sogar Thema beim Besuch von US-Außenminister Marco Rubio in Athen.
Die "Abeille Marengo" kam aus Italien nach Heraklion und wartet derzeit auf die offizielle Ausgabe der erforderlichen NAVTEX-Meldung. Diese Anweisung legt das Seegebiet fest, in dem die geplanten Arbeiten stattfinden.
Griechenlands Marine wird vor Beginn der Arbeiten informiert
Die zuständigen militärischen und maritimen Behörden Griechenlands werden vor Beginn der Untersuchungen informiert.
Mindestens 72 Stunden vor dem Start der Arbeiten gibt die "Abeille Marengo" dem Hydrographischen Dienst, dem U-Boot-Kommando und dem Marinefliegerkommando (ΔΑΝ) der Griechischen Marine den Einsatzort bekannt. Während der gesamten Einsatzdauer folgen tägliche Meldungen.
Diese Informationen umfassen genaue Koordinaten, eine Beschreibung der Arbeiten sowie die notwendigen Sicherheitsabstände, die für einen sicheren Ablauf der Untersuchungen nötig sind.
Parallel dazu werden die örtlichen Hafenbehörden und vorbeifahrende Schiffe informiert. Diese müssen einen Sicherheitsabstand von mindestens einem Seemeile zu den Forschungsschiffen einhalten.
Nach vorliegenden Informationen arbeitet die "Abeille Marengo" unter der diskreten Begleitung von Einheiten der Küstenwache und der Griechischen Marine. Sie überwachen das Gebiet und sichern die Abläufe.
Wie die Untersuchungen ablaufen
Mit den Unterwasseruntersuchungen ist die italienische Firma Next Geosolutions Europe SpA beauftragt. Sie gehört zur Marnavi-Gruppe und ist auf geophysikalische und geotechnische Studien für Offshore-Energieprojekte spezialisiert. Den Auftrag erteilte das französische Unternehmen Nexans, das Bau und Verlegung des Verbindungskabels zwischen Kreta und Zypern übernimmt.
Die Messkampagne folgt dem geplanten Verlauf der Kabeltrasse, von der Meeresregion vor Korakia im Regionalbezirk Heraklion bis nach Zypern.
Zentrales Ziel ist eine detaillierte Kartierung des Meeresbodens. Dabei werden geologische und morphologische Merkmale erfasst, um die geeignetste Route für eine sichere Verlegung und den Schutz der Stromkabel zu bestimmen.
Dafür kommen spezialisierte Systeme zum Einsatz: ein Multibeam-Echolot, ein Seitenscan-Sonar, ein Magnetometer sowie Unterwasserkameras zur Videoaufzeichnung.
Zusätzlich werden geotechnische Proben entnommen, in Tiefen von bis zu 700 Metern unter der Wasseroberfläche. Geplant sind außerdem Bohrungen im Meeresboden.
Wegen großen Tiefen im östlichen Mittelmeer und an steilen Unterwasserhängen sowie komplexen geomorphologischen Strukturen gilt das Projekt als herausfordernd.
Genehmigungsverfahren
Für den Einsatz der „Abeille Marengo“, die auch für Frankreichs Armee im Einsätze durchführt, war eine zusätzliche Ausnahmegenehmigung des griechischen Ministeriums für Schifffahrt und der Küstenwache nötig.
Im entsprechenden Dokument heißt es, der Einsatz dieses speziellen Schiffes sei wegen der hohen technischen Anforderungen der Untersuchungen notwendig. Es stünden in dem Zeitraum keine geeigneten Schiffe unter griechischer Flagge mit vergleichbaren Fähigkeiten zur Verfügung.
Die "Abeille Marengo" ist 73,2 Meter lang, wurde 2009 in Norwegen gebaut und verfügt über Spezialausrüstung für Offshore-Einsätze.