Forscher schlagen Alarm: Seit dem Boom der Windenergie sterben deutlich mehr Fledermäuse. Doch es gibt bereits konkrete Gegenmaßnahmen.
Windenergie gilt als „tragende Säule“ der Abkehr von fossilen Brennstoffen, doch neue Forschung warnt: Rotierende Turbinen töten jedes Jahr eine „erschreckend hohe Zahl“ an Fledermäusen.
Nach der bislang umfassendsten Untersuchung zu diesem Problem sind zwischen 1981 und 2024 in den USA an Anlagen der Windenergie 18,7 Millionen Fledermäuse aus 28 verschiedenen Arten gestorben.
Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (Quelle auf Englisch) veröffentlichte Studie ergab, dass vor rund zwei Jahrzehnten jährlich etwa 100.000 Fledermäuse starben. Bis 2021 stieg diese Zahl nach Angaben der Forschenden im Zuge des Booms der Windenergie auf 1,5 Millionen Tiere pro Jahr.
Warum das Fledermaussterben jahrelang unterschätzt wurde
Viele der an Windparks getöteten Fledermäuse prallen gegen die Turbinen, doch Forschende wissen bis heute nicht genau, warum das passiert. Eine Theorie lautet, dass sie das Surren der Anlagen anzieht oder sie die Strukturen für Bäume halten.
Nach Angaben der Forschenden könnten Fledermäuse die Rotorblätter auch nur schwer erkennen oder aus „anderen Gründen“ angezogen werden.
Die meisten Untersuchungen zu Fledermaustoden stützen sich auf Suchaktionen der Betreiber von Windparks. Forschende befürchten jedoch, dass so nur ein Teil des Geschehens sichtbar wird, weil die Methoden von Park zu Park unterschiedlich sind und dadurch Unterschätzungen möglich bleiben.
Aasfresser können tote Fledermäuse schnell entfernen, außerdem verbergen hohe Gräser die Kadaver.
Deshalb entwickelten die Autorinnen und Autoren der Studie einen statistischen Ansatz. Er berücksichtigt fehlende Daten und schätzt, wie viele Fledermäuse jeder Art landesweit getötet wurden, auch an Windparks, die nicht überwacht wurden.
„Trotz moderner statistischer Verfahren blieb der Zustand der Daten ein begrenzender Faktor unserer Analyse“, heißt es in der Studie.
Wie sich das Fledermaussterben verringern lässt
Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass eine andere Standortwahl von Windkraftanlagen das Risiko für Fledermäuse senken könnte. Windparks in der Nähe von Flüssen verzeichneten demnach besonders viele Todesfälle, weil viele Arten Flüsse für Nahrung, Wasser und Orientierung nutzen.
Auch die Bauweise der Anlagen spielt eine Rolle. Das Team warnt, dass Turbinen mit geringer Bodenfreiheit besonders tödlich sind.
Eine weitere Studie, die in diesem Monat im Fachjournal Applied Ecology (Quelle auf Englisch) erschienen ist, untersuchte 141 Windparks in Europa, wo Fledermausarten durch die EU-Habitatrichtlinie geschützt sind.
Sie kam zu dem Ergebnis, dass der Verzicht auf Turbinenbetrieb, wenn die lokalen Bedingungen „besonders günstig“ für Fledermausflüge sind, die Zahl der Todesfälle um mehr als 80 Prozent senken kann.
Einige Länder, darunter Deutschland, schreiben seit etwa 2010 Schutzmaßnahmen vor. Dazu gehören in der Regel Risikoanalysen bereits bei der Standortwahl und Betriebsauflagen, etwa dass sich Rotoren in Hochrisikozeiten wie Zugperioden oder bei Wetterlagen, in denen Fledermäuse besonders aktiv sind, nicht drehen dürfen.
Für Zugvögel, die ebenfalls den rotierenden Turbinen zum Opfer fallen, senkte diese Strategie die Zahl der Todesfälle jedoch nicht.