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Gold knackt 5.500 Dollar, Silber steigt: Powell dämpft Metallrallye

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank, spricht auf einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Offenmarktausschusses. 28. Januar 2026.
US-Notenbankchef Jerome Powell spricht nach der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) auf einer Pressekonferenz. 28. Januar 2026. Copyright  AP/Jacquelyn Martin
Copyright AP/Jacquelyn Martin
Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am
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Fed-Chef Jerome Powell relativierte die makroökonomische Signalwirkung von Gold und Silber. Der Dollar fiel auf ein Vierjahrestief, Gold und Silber auf weitere Rekordhochs.

Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank, stemmte sich am Mittwoch gegen politischen Druck und verteidigte die Unabhängigkeit der Fed. Zugleich rief er den nächsten Fed-Chef dazu auf, sich aus der Parteipolitik herauszuhalten. Die Märkte zeigten sich davon jedoch unbeeindruckt und beschleunigten den Ausverkauf des Dollars, während Gold und Silber neue Rekordstände erreichten.

"Lassen Sie sich nicht in die Parteipolitik ziehen. Tun Sie es nicht", sagte Powell zu Reportern.

Die Aussagen folgten auf den jüngsten Fed-Beschluss, den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen.

Auf die Frage, ob die Fed aus der Kursrally bei Edelmetallen makroökonomische Signale ableite, wiegelte Powell ab.

"Makroökonomisch lässt sich daraus wenig ableiten", sagte Powell. "Das Argument, wir verlören an Glaubwürdigkeit, trifft schlicht nicht zu. Schauen Sie auf die Inflationserwartungen: Unsere Glaubwürdigkeit liegt dort, wo sie sein soll."

Er betonte, die Fed lasse sich von einzelnen Ausschlägen bei Vermögenspreisen nicht verrückt machen, beobachte die Märkte jedoch weiterhin sehr genau.

Märkte reagieren

Die Märkte reagierten jedoch entgegen seiner Botschaft.

Gold sprang auf 5.500 US-Dollar je Unze und markierte damit ein neues Allzeithoch. Silber stieg über 117 US-Dollar je Unze.

Gold liegt im Monatsverlauf inzwischen mehr als 20 Prozent im Plus und steuert auf die stärkste Monatsperformance seit Januar 1980 zu.

Bei Silber sind die Zugewinne noch ausgeprägter. Der Preis liegt in diesem Monat bereits um rund 55 Prozent höher. Das ist der stärkste Monatsanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen.

Unterdessen fiel der US-Dollar-Index, der den Dollar gegen einen Korb wichtiger Währungen misst, auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren.

"Die nächsten zwei Tage werden zeigen, ob Anleger zu dem Schluss gekommen sind, dass der Dollar weiter fallen muss und die Erholung von heute eine Verkaufsgelegenheit ist", sagte James Knightley, Chefökonom bei ING.

Der Dollar liegt inzwischen mehr als 10 Prozent unter seinen Höchstständen von 2025. Belastend wirken anhaltende Gegenwinde: die Diversifizierung globaler Notenbanken weg von US-Anlagen, wachsende Haushaltsdefizite, wiederkehrende Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed und die Erwartung weiterer Lockerungsschritte.

"Ist Gold das neue Bitcoin?"

Der langjährige Wall-Street-Ökonom Ed Yardeni führte die Rally auf die Politik zurück und meinte, ihre anhaltende Popularität könnte "Gold zum neuen Bitcoin" machen.

Yardeni argumentierte, US-Präsident Donald Trump – ein lautstarker Befürworter von Kryptowährungen – treibe den Goldpreis offenbar unbeabsichtigt mit an.

Am Dienstag sagte Trump auf die Frage, ob der Dollar zu stark gefallen sei: "Der Dollar läuft großartig." Das deutete darauf hin, dass er mit einem schwächeren Dollar leben kann.

"Ein schwächerer Dollar könnte den Inflationsdruck in den USA erhöhen – und damit auch den Goldpreis treiben", sagte Yardeni.

Rohstoffrally reicht über Gold und Silber hinaus

Die Rally hat inzwischen den breiteren Rohstoffmarkt erfasst.

Platin stieg in dieser Woche erstmals über 2.900 US-Dollar je Unze und liegt im Monatsverlauf bereits 33 Prozent im Plus. Palladium, das von einer stärkeren Industrienachfrage profitiert, kletterte auf ein Vierjahreshoch und liegt seit Jahresbeginn mehr als 22 Prozent höher.

Auch Kupfer zog kräftig an und erreichte am Donnerstag mit 6,30 US-Dollar je Pfund einen Rekord.

Über den gesamten Rohstoffkomplex hinweg stellen sich Anleger zunehmend auf eine länger anhaltende Dollar-Schwäche ein. Viele nehmen wahr, dass US-Institutionen diesen Wandel dulden oder stillschweigend akzeptieren.

Euro stärker, Aktien gemischt

In Europa notierte der Euro nahe 1,1950 US-Dollar. Nach einem kurzen Ausbruch über 1,20 zu Wochenbeginn im Zuge von Trumps Äußerungen gab er wieder etwas nach.

Die Gemeinschaftswährung hat gegenüber dem Dollar nun drei Monate in Folge zugelegt und liegt im Jahresvergleich rund 15 Prozent höher.

Europas Aktienmärkte zeigten ein gemischtes Bild. Der französische CAC 40 und der italienische FTSE MIB gewannen jeweils etwa 0,5 Prozent, während der deutsche DAX um mehr als ein Prozent nachgab.

In Frankfurt führte SAP die Verluste an. Die Aktie fiel um 16 Prozent. Das ist der größte Tagesrückgang seit Oktober 2020. Schwächere Cloud-Umsätze als erwartet und eine gekürzte Umsatzprognose für 2026 überwogen die soliden Zahlen fürs viertes Quartal.

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