Anleger ziehen Geld aus Staatsanleihen und Währungen ab. Sie wollen ihr Vermögen vor geopolitischen Turbulenzen und heftigen Kursschwankungen schützen.
Der Goldpreis steigt weiter. Anfang der Woche überschritt er die symbolische Marke von 5.000 Dollar, weil Anleger ihr Kapital zunehmend in sichere Häfen lenken.
Am Mittwochmorgen in Europa lag das Metall nach einem Plus von rund vier Prozent bei über 5.300 Dollar. Zur selben Zeit legte Silber um mehr als sechs Prozent zu und kostete 113 Dollar je Unze.
Anders als Aktien oder Anleihen werfen Edelmetalle keine Zinsen oder Dividenden ab. Ihr Reiz liegt in der Werterhaltung über die Zeit – als Absicherung gegen Inflation und wirtschaftliche Abschwünge.
Seit Jahresbeginn ist Gold um mehr als 20 Prozent gestiegen. Geopolitische Spannungen verschrecken Anleger zunehmend. Anfang der Woche rückte die sogenannte „Weltuntergangsuhr“ des Bulletin of the Atomic Scientists näher an Mitternacht als je zuvor – die Experten sehen die Welt so nah an der „Zerstörung“ wie seit der Einführung der Uhr nicht. Die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine halten an, in den USA nehmen die Spannungen zu, und der Welthandel wird zunehmend instrumentalisiert. Viele Anleger ziehen Geld aus riskanten Anlagen ab.
Der Dollar gilt zwar als sicherer Hafen. Doch erratische Politik der Trump-Regierung hat die US-Währung im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent gedrückt.
„Nein, ich finde das großartig“, sagte Trump am Dienstag Reportern in Iowa, als er nach dem Kursrückgang gefragt wurde. „Der Wert des Dollars – schauen Sie, wie gut die Geschäfte laufen. Der Dollar steht großartig da.“
Was ein schwächerer Dollar bedeutet
Der Status des US-Dollars als globale Leitwährung sorgt dafür, dass Notenbanken weltweit ihn in großen Mengen halten und er internationale Transaktionen dominiert. Das senkt einerseits die Finanzierungskosten der US-Regierung. Andererseits verteuert ein starker Dollar amerikanische Produkte im Ausland und verbilligt Waren aus dem Ausland für Käufer in den USA. Deshalb äußerten einige aus Trumps Umfeld Frust darüber, dass ein starker Dollar die Wettbewerbsfähigkeit von US-Exporten schmälert.
„Früher tendierten eher republikanische Regierungen zu einem schwächeren Dollar. Dass Präsident Trump sich gestern Abend unbesorgt zeigte, nährt diese These“, sagte ING-Analyst Chris Turner. „Vermutlich gibt es jetzt neue Fragen an Scott Bessent zur Dollar-Politik des US-Finanzministeriums“, fügte er hinzu.
Für Gold gilt: Ein schwächerer Dollar macht das Metall für Käufer außerhalb der USA relativ günstiger. Der jüngste Rückgang der Währung dürfte die Nachfrage nach Anlagegold zusätzlich ankurbeln.
Bevorstehende Fed-Entscheidung
Auch die anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank beeinflusst die Märkte.
Nach drei aufeinanderfolgenden Senkungen um jeweils 25 Basispunkte im vergangenen Jahr dürfte der Ausschuss der Zentralbank den Leitzins am Mittwoch bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen.
Das dürfte Präsident Trump missfallen. Er beklagt seit Langem, das Gremium senke die Zinsen zu langsam. Die Fed-Entscheider betonen, ihr Mandat sei die Stabilität der US-Wirtschaft. Entsprechend agieren sie vorsichtig, um Inflationsrisiken zu begrenzen. Werden Preisdrücke ignoriert, könnte das den Dollar und die fiskalische Stabilität der USA schwächen – die Regierung müsste mit höheren Kreditkosten rechnen.
Über dem Treffen liegt außerdem die Frage nach der Unabhängigkeit der Notenbank. Das Justizministerium hat Anfang des Monats eine Vorladung an die Fed geschickt. Sie steht in Zusammenhang mit einer strafrechtlichen Untersuchung zu einer Aussage von Vorsitzendem Jerome Powell über eine Gebäudesanierung im Umfang von 2,5 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro). Erstmals wird ein amtierender Fed-Chef untersucht, und Powell kritisierte die Ermittlungen öffentlich als Versuch, die Geldpolitik zu beeinflussen.
Powells Amtszeit als Vorsitzender endet im Mai. Präsident Trump will in den kommenden Tagen einen Nachfolger nominieren. Obwohl Powell den Chefsessel räumt, ist offen, ob er als Gouverneur im Gremium bleibt – ein ungewöhnlicher Schritt.
Zusammen mit den unkonventionellen US-Zolltaktiken haben die Drohungen gegen die Unabhängigkeit der Fed seit Trumps Amtsantritt mehrere Sprünge bei den Renditen von US-Staatsanleihen ausgelöst. Parallel zum schwächeren Dollar schüren steigende Anleiherenditen die Sorge vor einem „Sell America“-Trade. Einige Analysten sagen, Investoren verlören das Vertrauen in Treasuries – die Preise fallen, die Renditen steigen, weil höhere Prämien erwartet werden.
Jüngste Renditesprünge stehen jedoch auch im Zusammenhang mit dem makroökonomischen Ausblick in Japan. Manche Anleger verlagern Geld aus US-Anlagen in höher verzinste japanische Schuldtitel.
Auch wenn sich die Muster zuletzt verschoben haben, gilt die Grundregel: Fallen die Zinsen, steigen Anleihepreise, und die Renditen sinken.
Bewegungen an den Börsen
In Europa eröffneten die Börsen am Mittwoch schwächer. Der DAX fiel um 0,25 Prozent, der CAC 40 um 1,08 Prozent, der IBEX 35 um 0,74 Prozent und der FTSE MIB um 0,48 Prozent. Der FTSE 100 verlor 0,28 Prozent. Der breiter gefasste STOXX Europe 600 lag 0,42 Prozent im Minus.
Vor dem US-Handelsstart lagen Nasdaq-Futures 0,73 Prozent im Plus, S&P-500-Futures stiegen um 0,29 Prozent, während Dow-Jones-Futures um weniger als 0,1 Prozent nachgaben.
„Einige Investoren sehen Hinweise darauf, dass nationale Pensionsfonds ihr Dollar-Exposure absichern, ihre Bestände an US-Wertpapieren aber beibehalten“, sagte Richard Hunter, Marktchef bei Interactive Investor.
„Das erklärt teilweise, warum die Märkte trotz der Schwäche der Währung weiter florieren – und der S&P 500 gestern erneut einen Rekord-Schlussstand erreichte.“