Die Vatikanbank bringt zwei neue Aktienindizes an den Start – einen in den USA, einen im Euroraum. Beide bündeln Unternehmen, die nach katholischen Werten handeln sollen.
Die Vatikanbank hat an diesem Dienstag den Start zweier neuer Aktienindizes bekannt gegeben – eines für die USA und eines für die Eurozone. Ausgewählt wurden Aktien von Unternehmen, die nach eigenen Angaben katholische Grundsätze respektieren und einhalten.
Die Initiative entstand in Zusammenarbeit mit dem Analysehaus Morningstar. Sie steht für eine ungewöhnliche Allianz zwischen dem Vatikan und der Finanzbranche.
Die Vatikanbank heißt offiziell Institut für die religiösen Werke (IOR). Die neuen Indizes tragen die Namen Morningstar IOR US Catholic Principles und Morningstar IOR Eurozone Catholic Principles.
Jeder Index umfasst 50 mittelgroße und große Unternehmen, darunter Tech-Giganten und große Finanzkonzerne. Nach Darstellung der Vatikanbank sind sie „im Einklang mit der katholischen Lehre zu Fragen des Lebensschutzes, der sozialen Verantwortung und des Umweltschutzes“.
Nach Angaben von Morningstar gehören in den USA unter anderem Meta und Amazon zu den größten Positionen. Im europäischen Pendant finden sich unter anderem ASML, die Deutsche Telekom und SAP.
Die Partnerschaft zwischen der Vatikanbank und Morningstar folgt auf mehrere Versuche, das ramponierte Image des IOR zu reparieren. Der Ruf des Instituts hatte über Jahre unter Skandalen um Betrug und Veruntreuung gelitten.
Der inzwischen verstorbene Papst Franziskus hatte dazu bereits eine Reihe von Reformen beschlossen.
Abflüsse aus ESG-Fonds und katholisch geprägtes Investieren
Der Schritt der Vatikanbank fällt in eine Phase, in der aus ESG-Fonds erhebliche Mittel abgezogen werden.
Das Prinzip des Investierens nach katholischen Kriterien ist jedoch weder neu noch einzigartig. Die neuen Indizes haben in diesem Segment bereits Konkurrenz.
In den USA existiert etwa der ETF S&P 500 Catholic Values Index, der ähnlich aufgebaut ist und ein Volumen von mehr als einer Milliarde US-Dollar (840 Millionen Euro) erreicht.
Außerdem verwaltet der US-Fondsanbieter Ave Maria Mutual Funds nach eigenen Angaben mehr als 3,8 Milliarden US-Dollar (3,2 Milliarden Euro) für seine Anleger. Auch diese Fondsfamilie wirbt mit einer Anlagestrategie auf Grundlage katholischer Werte.