Zwei einmalige Milliardenbelastungen haben den Betriebsgewinn der Porsche AG 2025 nahezu ausgelöscht. Der Einbruch ist mehr als ein Buchhaltungseffekt: Porsche kommt mit der Elektromobilitäts-Strategie langsamer voran als geplant.
Die Porsche AG verbuchte im Jahr 2025 zwei große einmalige Bilanzierungskosten. Diese reduzierten das Betriebsergebnis auf dem Papier um 98 Prozent – von 5,3 Milliarden Euro auf nur noch 90 Millionen Euro, wie der Volkswagen-Konzern in seinem Ergebnisbericht für das Gesamtjahr mitteilte.
Die Belastungen bedeuten nicht, dass die Porsche AG dieses Geld im herkömmlichen Sinne verloren hat. Es handelt sich um Buchungsposten, die nach den geltenden Berichtsregeln erforderlich sind. Sie spiegeln die Kosten eines größeren Strategiewechsels wider.
Die erste Buchung in Höhe von 2,7 Milliarden Euro ist eine Wertminderung des Firmenwerts. Der Geschäfts- oder Firmenwert steht für den Wert, der der Marke Porsche, dem künftigen Ertragspotenzial und der Marktposition in der Volkswagen-Bilanz zugeschrieben wird.
Wenn ein Unternehmen seine langfristigen Ertragserwartungen nach unten korrigiert, muss es nach den Rechnungslegungsvorschriften den Firmenwert auf den niedrigeren prognostizierten Wert abschreiben. Dabei fließt kein Geld ab. Es ist eine Korrektur eines Bilanzwerts.
Die zweite Abschreibung in Höhe von 2,0 Milliarden Euro betrifft die Produktneuausrichtung. Die Porsche AG hatte für das nächste Jahrzehnt eine neue vollelektrische Fahrzeugplattform entwickelt. Diesen Plan hat sie nun aufgegeben und richtet sich wieder stärker auf Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybride aus.
Warum ist das wichtig?
Wenn ein Unternehmen ein umfangreiches Entwicklungsprogramm beendet, das bereits jahrelange Investitionen verschlungen hat, muss es diese versunkenen Kosten sofort erfassen. Sie dürfen nicht über Jahre verteilt "still" weiterlaufen. Genau das erklärt den einmaligen Effekt in der Rechnung.
Die Porsche AG war bis vor kurzem das profitabelste Automobilunternehmen der Welt. Das galt nicht nur innerhalb des Volkswagen-Konzerns, sondern weltweit. Im Jahr 2024 lag die operative Marge bei 14,5 Prozent. Für einen Automobilhersteller ist das außergewöhnlich hoch, denn viele Volumenhersteller arbeiten mit Margen von 3 bis 6 Prozent.
Diese Rentabilität war lange ein Motor des Volkswagen-Konzerns. VW ist ein weit verzweigtes Konglomerat mit vielen Marken, die schwächer abschneiden oder nur geringe Margen erzielen – darunter Seat, Škoda, Cupra und auch die Marke Volkswagen selbst. Porsche und Audi waren die beiden Marken, die einen großen Teil des Konzerns mittrugen. Als die Marge von Porsche in einem einzigen Jahr von 14,5 Prozent auf 0,3 Prozent einbrach, verlor der Konzern fast über Nacht sein wichtigstes Profitcenter.
Das tiefere Problem ist das Signal, das dahintersteht. Die Porsche AG setzte stark auf Elektrofahrzeuge und sollte die prestigeträchtige Elektroauto-Marke sein. Damit sollte sie die enormen Investitionen des VW-Konzerns in die Elektrifizierung rechtfertigen. Diese Wette hat sich bislang nicht ausgezahlt.
Europäische Elektro-Autos stehen vor Rentabilitätsproblemen
Der Taycan, das Elektro-Flaggschiff der Porsche AG, blieb deutlich unter den Erwartungen. China, als Wachstumsmarkt für Luxus-Elektroautos geplant, entwickelte sich anders. Dort übertreffen einheimische Marken die europäischen Hersteller bei Technologie und Preis. Zusätzlich verteuern US-Zölle die Bedienung des amerikanischen Marktes.
Die Porsche AG vollzieht deshalb öffentlich eine Kehrtwende. Sie verlängert die Laufzeiten von Verbrennungsmotoren, die eigentlich auslaufen sollten. Gleichzeitig legt sie Electric Vehicle-Plattformen, die sie über Jahre entwickelt hat, vorerst auf Eis.
Kurzfristig ist diese Wende teuer – daher die hohen Einmaleffekte. Sie wirft aber eine unangenehme Frage auf: Wenn Porsche mit seiner Markenstärke und seinen hohen Margen den Übergang zur Elektromobilität nicht wie geplant schafft, was bedeutet das für den Rest der europäischen Autoindustrie?
Die Folgen sind auch jenseits der Buchhaltung sichtbar. Selbst ohne die Einmaleffekte verlor das Kerngeschäft an Schwung. Der Fahrzeugabsatz sank im Jahresvergleich um 15 Prozent. Der Umsatz ging um 12 Prozent auf 32,2 Milliarden Euro zurück.
Der Schaden reicht inzwischen bis auf Konzernebene. Der Nettogewinn von Volkswagen sank 2025 um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Der Automobilhersteller kündigte zudem an, bis 2030 in Deutschland 50.000 Arbeitsplätze abzubauen.
Auch die Porsche AG selbst steht vor einem Stellenabbau. Geplant sind rund 3.900 Arbeitsplätze, einschließlich Zeitarbeitskräften.