Ölpreis steigt deutlich, US- und Europabörsen geben nach, nachdem Präsident Donald Trump in seiner ersten TV-Rede seit Beginn des Iran-Kriegs weitere Angriffe ankündigt.
Statt einen Sieg zu verkünden oder seine Iran-Strategie zu erklären, kündigte der US-Präsident neue Angriffe in den kommenden zwei bis drei Wochen an. Das schürt erneut die Sorge vor höherer Inflation und einer schwächeren Konjunktur.
Die geschwundenen Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs belasteten am Donnerstag weltweit die Aktienmärkte und trieben den Ölpreis erneut nach oben. In einer ungewöhnlichen Konstellation notierte der US-Referenzpreis WTI zeitweise über Brent, der globalen Seefracht-Benchmark, die bisher am stärksten unter dem Iran-Konflikt gelitten hat.
„Dass Anleger inzwischen bereit sind, für WTI einen Aufschlag zu zahlen, zeigt, wie sehr sie sich um die Lieferfähigkeit von per Schiff transportiertem Öl – also Brent – sorgen und sich verstärkt der aus ihrer Sicht verlässlicheren Alternative WTI zuwenden“, sagte Russ Mould, Investmentdirektor beim Broker AJ Bell.
„Das deutet darauf hin, dass sich die Märkte inzwischen auf einen längeren, zäheren Konflikt einstellen, als sie ursprünglich erwartet hatten.“
Kurz vor 15 Uhr MEZ lag WTI mehr als elf Komma fünf Prozent im Plus bei über 111 Dollar je Barrel. Brent-Futures für den Frontmonat kosteten 108,90 Dollar je Barrel, ein Anstieg um mehr als sieben Komma sechs Prozent.
In einer Fernsehansprache zur besten Sendezeit sagte Donald Trump: „Wir werden sie in den kommenden zwei bis drei Wochen extrem hart treffen. Wir werden sie in die Steinzeit zurückbomben, dahin, wo sie hingehören.“
Der US-Präsident kündigte weitere Angriffe auf Energieanlagen an, falls es mit Teheran zu keiner Einigung kommt. Trump erklärte zudem, die Vereinigten Staaten würden den Einsatz im Iran bald „zu Ende bringen“, da die „zentralen strategischen Ziele“ nahezu erreicht seien und die Militäroperationen in Kürze abgeschlossen werden könnten.
Trump erwähnte nicht die Frist, die er Iran gesetzt hatte, um die Straße von Hormus – eine zentrale Route für den weltweiten Öl- und Gastransport – wieder zu öffnen. Zuvor hatte er mit Angriffen auf die Energieinfrastruktur des Landes gedroht, falls die Meerenge geschlossen bliebe. Einen klaren Plan, wie die Lieferunterbrechungen beendet werden sollen, die die Energiepreise in die Höhe getrieben haben, legte er nicht vor.
„Die Märkte sind enttäuscht, denn die Rede von Präsident Trump blieb weit hinter den Erwartungen zurück“, sagte Takashi Hiroki, Chefstratege beim Onlinebroker Monex in Tokio. „Es gab keinerlei konkrete Aussagen darüber, wie und wann die Kämpfe mit Iran enden sollen.“
„Die Märkte wollen einen klaren Fahrplan für eine Waffenruhe“, fügte er hinzu.
Iran-Krieg: Leitindizes geben nach
Die europäischen Börsen starteten am Donnerstag mit Verlusten in den Handel und erholten sich im weiteren Verlauf nicht. Am frühen Nachmittag lag der Londoner FTSE um null Komma vier Prozent im Minus, der Pariser CAC 40 gab ein Prozent nach, der DAX in Frankfurt fiel um eins Komma acht Prozent. In Mailand und Madrid lagen die Leitindizes zu diesem Zeitpunkt jeweils eins Komma zwei beziehungsweise eins Komma eins Prozent tiefer.
Zu den Gewinnern zählte die Aktie des italienischen Energiekonzerns ENI, die gegen 13 Uhr MEZ fast vier Prozent höher notierte. Papiere von TotalEnergies legten mehr als zwei Komma acht Prozent zu. Deutlich abwärts ging es dagegen für Deutsche Telekom mit einem Minus von fünf Komma acht Prozent; auch Schneider Electric, Infineon Technologies und die Deutsche Bank gehörten mit Verlusten zwischen drei Komma sieben und fünf Prozent zu den schwächsten Werten.
Der Euro verlor gegenüber dem US-Dollar fast null Komma sieben Prozent und fiel auf einen Kurs von eins Komma eins fünf eins drei Dollar.
In Asien schlossen die wichtigsten Indizes ebenfalls mit deutlichen Verlusten. Der japanische Nikkei 225 büßte zwei Komma vier Prozent ein, Südkoreas Kospi fiel um vier Komma fünf Prozent.
Der Hang-Seng-Index in Hongkong sank um eins Komma eins Prozent, der Shanghai Composite gab null Komma sieben Prozent nach.
US-Futures lagen zwischen eins Komma eins und eins Komma sechs Prozent im Minus.
Auch die Edelmetallpreise gaben nach. Gold verbilligte sich um drei Komma vier Prozent auf 4.651,40 Dollar je Feinunze, Silber verlor sechs Komma sechs Prozent auf 71,60 Dollar je Feinunze.