Ölpreis steigt am Donnerstag wieder über 97 Dollar je Barrel, weil Anleger dem US‑Iran‑Waffenstillstand misstrauen; die fast blockierte Straße von Hormus verstärkt ihre Zweifel.
Die europäischen Börsen haben am Donnerstag mit Verlusten eröffnet, während die Ölpreise wieder anzogen. Immer mehr Anleger zweifeln daran, dass die fragile zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und Iran hält.
Der DAX gab um 0,3 % nach; zu den größeren Verlierern zählte Siemens Energy mit einem Minus von 1,2 %.
Der britische FTSE 100 verlor 0,2 %. Euro Stoxx 50 und CAC 40 gaben jeweils rund 0,3 % ab. Der Luxuskonzern LVMH belastete beide Indizes und lag um 9.03 Uhr MEZ rund 2 % im Minus.
Die Ölpreise erholten sich am Donnerstag und machten einen früheren Einbruch wett, den die Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen Washington und Teheran ausgelöst hatte.
Die Nordseesorte Brent als internationale Referenz verteuerte sich um 2,4 % auf 97,02 Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI stieg um 3,3 % auf 97,50 Dollar je Barrel. Zuvor waren beide Kontrakte nach der Waffenruhe-Ankündigung am Dienstag kurzzeitig unter 92 Dollar gefallen.
Iran hält die Straße von Hormus bisher weitgehend geschlossen – trotz mehrfacher Aufforderungen der USA, die wichtige Route wieder zu öffnen.
Durch die Wasserstraße fließt normalerweise etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls. Sie bleibt damit ein zentraler Hebel im Konflikt. Dass sie weiter blockiert ist, gilt vielen als Signal, dass die Waffenruhe noch längst nicht gesichert ist.
Zusätzliche Nervosität lösten israelische Luftangriffe auf den Libanon aus, bei denen Hunderte Menschen getötet oder verletzt wurden. Sie nähren neue Zweifel, ob sich der regionale Konflikt tatsächlich abkühlt.
Asiens Börsen geben nach: Wall-Street-Euphorie verpufft
Die asiatischen Börsen reagierten überwiegend pessimistisch. In Tokio fiel der Nikkei 225 um 0,9 %, der südkoreanische Kospi verlor 1,6 %.
Der Hang Seng in Hongkong gab 0,4 % nach, der Shanghai Composite 0,7 %. Der australische S&P/ASX 200 und Taiwans Taiex rutschten jeweils um 0,1 % ab. Auch die US-Terminkontrakte lagen leicht im Minus.
Die Stimmung unterschied sich deutlich von der Wall-Street-Sitzung am Mittwoch, als die Börsen nach der Waffenruhe-Meldung stark zulegten.
Der S&P 500 sprang um 2,5 % nach oben, der Dow Jones Industrial Average legte 2,9 % zu, der Nasdaq Composite gewann 2,8 %.
Reise- und Tourismuswerte führten die Rally an. United Airlines stiegen um 7,9 %, American Airlines um 5,6 %. Der Kreuzfahrtanbieter Carnival kletterte um 11,2 % und machte damit einen Teil der Verluste wett, die sich seit Beginn des Iran-Kriegs durch höhere Treibstoffkosten angesammelt hatten.
Friedensgespräche rücken näher
Gespräche über ein dauerhaftes Ende des Konflikts könnten bereits am Freitag in Pakistan beginnen.
US-Vizepräsident JD Vance soll nach bisherigen Plänen die amerikanische Delegation anführen.
Ob die Waffenruhe bis dahin hält, ist offen. Die Straße von Hormus bleibt blockiert, und die israelischen Angriffe gehen weiter.
Gold verbilligte sich um 0,7 % auf 4.743,20 Dollar je Feinunze, Silber fiel um 1,6 % auf 74,18 Dollar. Ein Teil des sogenannten Sicherheitsaufschlags löste sich damit auf, den Anleger in Krisenzeiten für klassische Zufluchtswerte zahlen – doch der Optimismus über die Waffenruhe wirkt zunehmend brüchig.
Der Dollar zog leicht an auf 158,66 Yen nach 158,57 Yen. Der Euro legte minimal zu auf 1,1668 Dollar.