Der Steuerzahlerbund drängt die Bundesbank, die Goldreserven aus den USA zurückzuholen. Im Euronews-Interview begründet Michael Jäger (BdSt) den Appell mit wachsenden US-Schulden und politischem Druck auf die Zentralbank in New York, in der das Gold gelagert wird.
Die Debatte um Deutschlands in den USA gelagerte Goldreserven bekommt neuen Zündstoff: Wegen der aus Sicht des Bundes der Steuerzahler (BdSt) unberechenbaren Politik von US-Präsident Donald Trump fordert der Verband, die Bestände "so bald wie möglich" aus den USA nach Deutschland zu holen. Nach Bundesbank-Angaben lagern in der Federal Reserve Bank (kurz Fed), rund 1.236 Tonnen der deutschen Goldreserven. Geschätzter Wert: rund 150 Milliarden Euro.
"Auslöser sind Informationen aus unserem Netzwerk", sagt Michael Jäger, Vizepräsident des BdSt und Präsident des Europäischen Steuerzahlerbunds, im Euronews-Interview. Der BdSt habe bereits im Vorjahr auf die Notwendigkeit hingewiesen, nun aber nähmen die Sorgen zu, weil das Vertrauen "gestört" sei und sich die Lage über Monate zugespitzt habe. Jäger verweist auf Trumps Kurs gegenüber der US-Notenbank: Schon in dessen erster Amtszeit habe Trump versucht, Zugriff auf die Fed zu bekommen. Nun sehe er erneut Bestrebungen, die Unabhängigkeit der Notenbank einzuschränken.
Das Vertrauen in die Vereinigten Staaten habe "mit der Politik von Trump stark gelitten", so Jäger. Deshalb sei es "höchste Zeit", die Goldreserven zurückzuholen.
US-Schulden gefährlich für deutsches Gold?
Jäger verknüpft seine Warnung eng mit der US-Finanzlage. Die USA hätten "über 1000 Milliarden US-Dollar pro Jahr alleine an Zinsen" auf "über 38 Billionen Schulden" zu zahlen – ein "Damoklesschwert", sagt er. Trump versuche Einnahmen zu erhöhen, etwa über Zölle, doch das reiche aus Jägers Sicht nicht aus, um die Zinslast zu stemmen.
Im Interview entwickelt Jäger daraus ein mögliches Druckmittel-Szenario: Wenn in den USA stärker argumentiert werde, der amerikanische Steuerzahler habe für Deutschlands Sicherheit gezahlt, könne im Worst Case die Schlussfolgerung folgen, "deswegen bleiben die Goldreserven im Land". Auf die Frage, ob ein Zugriff rechtlich überhaupt möglich wäre, sagt Jäger: "Es ist doch eine naive Frage zu glauben, ob Trump ein legales Mittel hätte oder nicht. Es interessiert Trump nicht."
Jäger warnt schon seit längerem vor dieser Gefahr. "Da bietet sich das deutsche Gold als Zugriffsmöglichkeit an. Begründen könnte er das mit den enormen Kosten des US-Engagements in Deutschland und Europa seit dem Zweiten Weltkrieg." Er fügte im Gespräch mit der „Mediengruppe Bayern“ hinzu: "Das klingt zwar wie ein Horrorszenario, aber das Risiko ist zu hoch, um das Gold weiterhin in den USA zu belassen."
Bundesbank hat Entscheidungsmacht
Laut Jäger suchte der BdSt in der Vergangenheit den direkten Draht zur Bundesbank. Es gehe nicht um Kritik an der Institution, sondern um eine laufende Neubewertung der Lage. Selbst wenn das Gold nicht sofort zurückgeholt werde, solle die Situation "in kürzeren Abständen" immer wieder neu analysiert werden.
"Die Bundesbank ist dafür verantwortlich und hat das souverän. Sie ist unabhängig, Gott sei Dank", sagt er. "Wir stellen die Bundesbank nicht in Frage. Das ist nur Ausdruck unserer wachsenden Sorge, was in den USA passiert."
Die Bundesbank selbst hält das US-Lager weiterhin für sicher. Bundesbankpräsident Joachim Nagel sieht keinen Grund, die deutschen Goldreserven aus den USA zurückzuholen. "Ich zweifele nicht daran, dass unser Gold bei der Fed in New York sicher aufbewahrt ist", sagte Nagel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Wie viel Gold liegt in New York – und warum überhaupt?
Deutschland besitzt die zweitgrößten Goldreserven weltweit: insgesamt 3350 Tonnen im Wert von rund 400 Milliarden Euro. Rund 37 Prozent lagern bei der Federal Reserve in New York; in Frankfurt befinden sich rund 1.710 Tonnen (knapp über 50 Prozent), in London bei der Bank of England etwa 432 Tonnen (ungefähr 12,8 Prozent).
Die Auslands-Lagerung hat historische Gründe, sie geht unter anderem auf Sicherheits- und Stabilitätsüberlegungen aus der Zeit des Kalten Kriegs zurück. Das in New York gelagerte Gold gilt zudem als finanzielle Notreserve für extreme Krisenszenarien, weil es dort im Ernstfall schnell und direkt in US-Dollar umtauschbar sein soll.
Im Interview spricht Jäger sich grundsätzlich für eine weitgehende Rückholung aus: "In der jetzigen Situation wäre eine Rückholung des gesamten Bestands aus den USA sinnvoll. Aber das ist eine Entscheidung der Bundesbank", sagt er. Die historischen Gründe für Auslands-Lagerung seien weggefallen, argumentiert er.
"Es ist logistisch machbar, es ist gemacht worden." Auch andere Staaten – etwa Frankreich – haben Goldbestände zurück ins eigene Land verlagert.
Zudem betont er: Wenn die Bundesbank zu dem Schluss komme, das Risiko in den USA sei gestiegen, dann müsse sie nicht bei Teilmaßnahmen stehenbleiben, sondern könne grundsätzlich auch eine umfassendere Rückführung organisieren.
Kosten und Logistik als Hürde?
Die Kosten einer Rückholung lassen sich derzeit nicht seriös beziffern, weil sie stark von Sicherheitskonzept, Transportweg, Versicherung und Zeitplan abhängen. Jäger verweist darauf, dass die Bundesbank hierfür auf frühere Rückholaktionen und entsprechende Erfahrungswerte zurückgreifen könne und am Ende eine Abwägung zwischen Aufwand und Sicherheitslage treffen müsse. Bei der Abwägung gelte: "Sicherheit steht an oberster Stelle."
In der öffentlichen Debatte werden die Transport- und Sicherheitsfragen jedoch regelmäßig als Gegenargument genannt. Audits und Besichtigungen des in New York verwahrten Goldes seien möglich, aber streng reglementiert und häufig nur stichprobenartig; das Gold könne nicht jederzeit vollständig "herausgenommen und inspiziert" werden. Eine vollständige, unabhängige Bestandsaufnahme wie in einem eigenen Tresor sei deshalb nicht möglich.
Einen Gegenakzent setzt auch die ökonomische Perspektive: Im Euronews-Gespräch sagte IW-Ökonom Markus Demary zur Rückhol-Debatte: "Ökonomisch macht es nicht so viel Sinn". Demary verwies auf logistische Risiken einer Rückführung, vom gesicherten Transport bis zu denkbaren Zwischenfällen. Er betonte zugleich den ursprünglichen Zweck des US-Lagerorts: Im Fall einer Bankenkrise könne es sinnvoll sein, Gold in den USA zu belassen, um schnell Dollar zu beschaffen.
Goldpreis als Verstärker der Debatte
Der aktuelle Goldpreis verändert vor allem die Dimension der Debatte: Nach dem jüngsten Rekordhoch hat Gold spürbar korrigiert, sich aber zuletzt wieder etwas stabilisiert – insgesamt bleibt der Trend kurzfristig volatil und die Notierungen liegen weiterhin auf hohem Niveau. Je höher der Marktwert der Reserven, desto größer ist das finanzielle Gewicht der Entscheidung – und desto sensibler wird die Frage, wo und unter welchen politischen Rahmenbedingungen Deutschland seine Bestände lagert.
Aus seiner Sicht erhöht ein hoher Goldwert eher die Notwendigkeit, Risiken bei Verwahrung und Zugriff neu zu bewerten. Für Jäger geht es schlussendlich um Eigentum und Souveränität: "Das Gold gehört Deutschland. Das gehört uns und nicht den USA und auch nicht Trump."