Austritt der VAE aus der Opec: Strategische Kursänderung weckt Zweifel an der Abstimmung im Golf und schürt Spekulationen über die Zukunft des Kartells.
Die Entscheidung der Vereinigten Arabischen Emirate, die OPEC zu verlassen, ist das Ergebnis jahrelanger Spannungen über Fördergrenzen und dürfte die Zusammenarbeit am Golf sowie bestehende Allianzen auf dem Ölmarkt verändern.
Sie tritt am ersten Mai in Kraft. In Abu Dhabi hatte sich über Jahre Frust aufgebaut, weil Förderquoten die Produktion begrenzten, obwohl das Land massiv in den Ausbau seiner Kapazitäten investierte.
„Die VAE haben schon vor Jahren eine strategische Entscheidung getroffen, ihre Öl- und Gasförderung auszuweiten“, sagte Bill Farren-Price, Energieanalyst am Oxford Institute for Energy Studies.
„Jetzt sehen sie wenig Sinn darin, sich selbst zu bremsen, nachdem sie in zusätzliche Fördermengen investiert haben.“
Die Spannungen innerhalb der OPEC und von OPEC+ haben sich zuletzt erhöht. Strikte Förderdisziplin trifft zunehmend auf Staaten, die ihren Marktanteil maximieren wollen.
„Es gibt mehrere Gründe, aber der offensichtlichste ist: Die VAE wollen mehr Öl exportieren“, erklärte Frédéric Schneider, Senior Fellow beim Middle East Council on Global Affairs, und verwies auf die Lücke zwischen der geplanten Förderkapazität des Landes und seiner OPEC-Quote.
Der Schritt steht zudem für einen unabhängigeren Kurs.
„Er zeigt, dass die VAE stärker ihren eigenen Weg gehen und sich weniger auf regionale Zusammenschlüsse wie OPEC und den GCC stützen wollen“, sagte Farren-Price.
Druck auf OPEC
Der Austritt bedeutet zwar nicht das Ende der OPEC, setzt das ohnehin belastete System jedoch weiter unter Druck.
„Die Entscheidung kam nicht völlig überraschend“, sagte Andrei Covatariu, Senior Fellow am Global Energy Centre des Atlantic Council. Die VAE hätten wiederholt ihren Unmut über Fördergrenzen und ihren Wunsch nach mehr Flexibilität signalisiert.
Er betonte außerdem, dass der Schritt grundsätzliche Fragen aufwirft: Ob das traditionelle Quotensystem der OPEC noch zeitgemäß ist, vor allem für Produzenten mit freien Kapazitäten, die ihre Förderung erhöhen wollen.
„Die wirtschaftliche Logik, Produktionsgrenzen zu akzeptieren, wirkt immer weniger überzeugend“, fügte er hinzu. Viele Produzenten wollten ihre Ressourcen zu Geld machen, solange Nachfrage und Preise hoch bleiben.
Die unmittelbaren Auswirkungen auf den Ölmarkt dürften begrenzt bleiben. Langfristig könnte der Schritt jedoch deutlich größere Folgen haben.
„Er könnte wichtiger werden, falls er eine größere Krise innerhalb der OPEC auslöst“, erklärte Farren-Price. Noch sei das aber offen.
Vorerst dürften Saudi-Arabien und Russland die dominierenden Akteure in OPEC+ bleiben, auch wenn das Gesamtgewicht der Gruppe sinkt.
Golf-Kooperation im Fokus
In der Golfregion macht der Schritt grundlegende Unterschiede sichtbar, die schon vor der aktuellen Krise bestanden.
Die Entscheidung vertieft nach Einschätzung von Schneider bestehende Bruchlinien im Golf-Kooperationsrat. Trotz gemeinsamer Sicherheitsinteressen sei die Abstimmung der Staaten dort häufig begrenzt.
Covatariu erinnerte daran, dass die VAE dem Beispiel Katars folgen, das die OPEC im Jahr 2019 verlassen hat. Das deute darauf hin, dass Golfstaaten ihre eigenen Strategien zunehmend über kollektive Rahmen stellen.
Analysten rechnen nun nicht mit einem abrupten Bruch, sondern mit einer vorsichtigen Reaktion der Regionalmächte. Stabilität im Block hat für sie weiter hohe Priorität.
„Sie werden vermutlich enger zusammenrücken und die Reihen schließen“, sagte Farren-Price.