Südkoreas SK Hynix und der US-Chipkonzern Micron haben binnen 24 Stunden jeweils eine Börsenbewertung von über 1 Billion Dollar erreicht. Seouls Leitindex Kospi stieg zugleich auf ein Rekordhoch, angetrieben vom KI-Boom.
Die globale Speicherchip-Branche erlebt derzeit einen Wandel, für den es kaum moderne Vorbilder gibt. Der ungebremste Bedarf durch die Entwicklung von KI treibt eine historische Neubewertung der Halbleiterindustrie an.
Die Aktie von SK Hynix sprang am Mittwoch im Handel in Seoul zeitweise um bis zu 13 Prozent auf ein neues Rekordhoch. Damit kletterte der Börsenwert des Konzerns erstmals auf mehr als eine Billion Dollar (860 Milliarden Euro).
SK Hynix ist damit erst das zweite südkoreanische Unternehmen und insgesamt das dritte in Asien, das in den Klub der Billionen-Konzerne aufsteigt – nach Rivalen Samsung Electronics, der die Marke bereits Anfang des Monats überschritten hat, und zuvor TSMC aus Taiwan.
Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um rund 250 Prozent erhöht. Gegenüber April 2025 liegt das Plus sogar bei mehr als 1.200 Prozent.
Der Meilenstein folgte nur einen Tag, nachdem Micron Technology an der Wall Street um 19 Prozent nach oben geschossen war – der größte Tagesgewinn seit 2011. Damit erreichte auch der US-Speicherchipproduzent zugleich erstmals eine Bewertung von über einer Billion Dollar.
Seit Beginn 2026 legten die Micron-Papiere um etwa 190 Prozent zu. Seit April 2025 summiert sich das Plus auf mehr als 1.300 Prozent.
Beide Konzerne gehören zu den führenden Anbietern von High Bandwidth Memory (HBM). Diese Spezialchips stecken im Herzen von KI-Beschleunigern und Rechenzentrumsservern. SK Hynix gilt als wichtiger Zulieferer von Nvidia und hat seine komplette HBM-Produktion für 2026 bereits ausverkauft.
Der Mai 2026 hat sich binnen weniger Wochen zum Monat der Billionen-Meilensteine in der globalen Speicherbranche entwickelt. Die Rally der Halbleiterwerte treibt einen der bemerkenswertesten Börsenaufschwünge der vergangenen Jahre an.
Wesentlicher Profiteur ist auch der südkoreanische Leitindex KOSPI. Er stieg am Mittwoch zeitweise um knapp drei Prozent auf ein neues Rekordhoch von 8.457 Punkten.
Seit Jahresbeginn hat der KOSPI damit um mehr als 100 Prozent zugelegt, nachdem er im März mit Ausbruch des Iran-Kriegs noch über 20 Prozent eingebrochen war.
Seit seinem Tiefstand im Dezember 2024 hat sich der Index mehr als verdoppelt – eine der schnellsten Neubewertungen eines großen Weltleitindex in jüngerer Zeit.
SK Hynix strebt US-Listing an: Risiken bleiben
Das nächste Kapitel für SK Hynix könnte an den US-Börsen geschrieben werden.
Der Konzern hat bei der US-Börsenaufsicht SEC Unterlagen für die Notierung von American Depositary Receipts (ADRs) eingereicht. Medienberichte gehen davon aus, dass die Platzierung in der zweiten Jahreshälfte 2026 Erlöse in Milliardenhöhe bringen könnte.
Die Erlöse sind für das HBM-Produktionszentrum in Yongin in Südkorea und für das Verpackungswerk im US-Bundesstaat Indiana vorgesehen.
ADRs sind handelbare Zertifikate, die US-Depotbanken ausgeben und die Aktien ausländischer Unternehmen vertreten. So können amerikanische Anleger Auslandswerte an US-Börsen kaufen und verkaufen, ohne sich mit grenzüberschreitenden Transaktionen oder Währungsumrechnungen befassen zu müssen.
SK Hynix nutzt dieses Instrument, um US-Kapital für große Investitionsprojekte in seine Infrastruktur anzuziehen.