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Europas Rüstungsausgaben: Polen investiert höheren BIP-Anteil als die USA

Archivfoto: Eliteeinheit der französischen Luftwaffe zeigt mit einem Caracal-Hubschrauber eine Flugvorführung auf einem Stützpunkt in Orléans am 16. Januar 2020.
Archivbild: Elitetruppen der französischen Luftwaffe zeigen mit ihrem Caracal-Hubschrauber eine Vorführung auf einem Stützpunkt in Orléans in Zentralfrankreich, 16. Januar 2020. Copyright  Pool Photo via AP
Copyright Pool Photo via AP
Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am
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In Europas NATO-Staaten sind die Verteidigungsausgaben so hoch wie seit dem Kalten Krieg nicht. Frontstaaten nahe Russland peilen fünf Prozent des BIP an, viele andere bleiben beim Minimum.

Erstmals haben 2025 alle EU-Staaten in der NATO das Zwei-Prozent-Ziel des Bündnisses bei den Verteidigungsausgaben erreicht.

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Doch ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt einen zweigeteilten Kontinent: Ein kleiner Block von Frontstaaten legt ein hohes Tempo vor. Eine große Gruppe erfüllt nur das Minimum.

Gleichzeitig fließen laut einem aktuellen Bericht von Oxford Economics rund 40 % der Ausgaben für Rüstungsgüter an Anbieter außerhalb der EU.

Europäische Regierungen geben so viel für Verteidigung aus wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Der Zuwachs an militärischer Schlagkraft bleibt jedoch hinter den eindrucksvollen Budgetzahlen zurück.

Die europäischen NATO-Staaten haben ihre Verteidigungsausgaben 2025 um 14 % auf rund 739 Milliarden Euro erhöht – der stärkste Anstieg seit den fünfziger Jahren, wie aus SIPRI-Daten hervorgeht, über die Euronews im April berichtet hat.

Im Schnitt gaben die EU-Mitglieder des Bündnisses 2,5 % ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung aus, ein Plus von 0,4 Prozentpunkten binnen eines Jahres. Die baltischen Staaten, Polen und Dänemark lagen jedoch deutlich vorn: Laut NATO investierte jedes dieser Länder mehr als drei Prozent des BIP.

Welche europäischen Länder rüsten am schnellsten auf?

An der Spitze steht Polen. Das Land gab 2025 nach NATO-Schätzungen 4,48 % seines BIP für Verteidigung aus – mehr als doppelt so viel wie die frühere Zielmarke und der höchste Wert im Bündnis, noch vor den Vereinigten Staaten mit 3,22 %.

Dahinter folgt eine geschlossene Front von Staaten an der NATO-Ostflanke: Litauen mit vier Prozent, Lettland mit 3,73 % und Estland mit 3,38 %.

Das Muster ist eindeutig: In der Rangliste dominieren die Länder an der östlichen Bündnisgrenze, näher an Russland.

Die nordischen Länder bilden die nächste Gruppe. Dänemark erreichte 3,22 %, Finnland 2,77 % und Schweden 2,51 %. Finnland und Schweden haben damit nach Jahrzehnten militärischer Bündnisfreiheit erst in den vergangenen drei Jahren den Weg in die NATO vollzogen. Griechenland, traditionell ein Land mit hohen Rüstungsetats – auch wegen der Spannungen mit der Türkei und weniger wegen Russland –, liegt bei 2,85 %.

Oxford Economics rechnet damit, dass dieser Block – Polen, die baltischen Staaten und die Nordländer – die Spitzengruppe bleibt. Mehrere von ihnen bewegen sich demnach bereits auf einem plausiblen Pfad in Richtung fünf Prozent des BIP bis 2035.

„Der Anstieg der Verteidigungsausgaben ist zu einem der wenigen positiven Wachstumstreiber in Europa geworden – inmitten einer Serie anhaltender negativer Schocks“, sagt Tomas Dvorak, Ökonom bei Oxford Economics.

„Wir halten diesen Trend für tragfähig, zumal das deutsche Konjunkturpaket zusätzliche Nachfrageimpulse auch in anderen EU-Staaten auslösen wird“, so Dvorak weiter.

Die Länder, die nur das Minimum leisten

Am anderen Ende der Skala steht eine ganze Reihe von Nachzüglern.

Auffällig viele Mitgliedstaaten landeten 2025 fast punktgenau bei der Zwei-Prozent-Marke – und gingen nicht darüber hinaus.

Italien kam auf 2,01 %, Frankreich auf 2,05 %. Spanien, Belgien, Portugal, Tschechien und Luxemburg lagen jeweils genau bei zwei Prozent.

Slowenien, Kroatien, die Slowakei, Bulgarien und Ungarn liegen kaum darüber; sie bewegen sich in einem engen Korridor zwischen 2,02 % und 2,06 %.

Und einige treten bereits auf die Bremse. In Ungarn und Tschechien ist der Anteil der Verteidigungsausgaben am BIP im vergangenen Jahr sogar gesunken.

Für 2026 erwartet Oxford Economics für die EU insgesamt nur einen Zuwachs um 0,1 Prozentpunkt auf 2,6 % des BIP. Das käme einem Stillstand gleich, nachdem Deutschland, Italien und Spanien im Vorjahr jeweils rund einen halben Punkt draufgelegt hatten.

Alle erreichen das Ziel – der Blick ins Detail

Nach Angaben von Oxford Economics sind die Verteidigungsausgaben 2025 etwas stärker gestiegen als erwartet, und ein größerer Teil des Geldes blieb in Europa, als zunächst prognostiziert.

Ein Teil dieses Anstiegs geht jedoch auf Buchungsregeln zurück und nicht auf einen realen Zuwachs an militärischen Fähigkeiten.

Die NATO-Zahlen beruhen auf Selbstangaben der Mitgliedstaaten und werden nach Kassenlage verbucht, betonen die Oxford-Economics-Ökonomen Tomas Dvorak und Nicola Nobile. Vorauszahlungen für mehrjährige Aufträge können die Werte daher Jahre vor der Lieferung von Rüstungsgütern nach oben treiben.

Das neue Ziel umfasst zudem einen Anteil von 1,5 % für „verteidigungsbezogene“ Infrastruktur – ohne klare Definition. Oxford Economics verweist auf Berichte, nach denen Regierungen versuchen, zivile Projekte wie Krankenhäuser als Verteidigungsausgaben zu verbuchen.

Der belastbare Teil des Anstiegs stammt größtenteils aus Investitionen in Ausrüstung.

Allein der Bereich Waffen und Gerät erklärt etwa 0,5 der insgesamt 0,9 Prozentpunkte, um die der Verteidigungsanteil am BIP seit 2021 gestiegen ist. Ausrüstung macht inzwischen rund ein Drittel der Verteidigungsausgaben aus, nach etwa einem Viertel vor fünf Jahren.

Das Ziel, das bislang kaum jemand erreicht

Unbequem ist die Rechnung, die sich aus dem neuen Ziel ergibt.

Der Haager Gipfel hat als neue Orientierungsgröße fünf Prozent des BIP bis 2035 festgelegt, davon sollen 3,5 % auf die eigentlichen Verteidigungsausgaben entfallen.

Gemessen an dieser Marke von 3,5 % verfehlt fast der gesamte Kontinent das Ziel deutlich.

Der NATO-Durchschnitt lag 2025 bei 2,76 % des BIP.

Nur Polen, Litauen und Lettland erreichen den Kernzielwert bereits. Alle anderen großen Volkswirtschaften Europas müssten ihre Kernverteidigungsetats um zwischen einem und 1,5 Prozentpunkten des BIP erhöhen – Italien, Spanien, Belgien, Portugal, Tschechien und Luxemburg sogar jeweils um volle 1,5 Punkte.

Wohin das Geld tatsächlich fließt

Für die europäische Rüstungsindustrie ist nicht die Gesamtsumme entscheidend, sondern wohin das Geld fließt – und ein großer Teil davon landet gar nicht in europäischen Fabriken.

Oxford Economics schätzt, dass rund 40 % der EU-Ausgaben für Rüstungsgüter außerhalb der Union eingekauft werden.

Anders ausgedrückt: Etwa zwei von fünf Euro, die für Rüstungsausrüstung ausgegeben werden, gehen an Anbieter außerhalb der EU.

Der Abfluss konzentriert sich auf Systeme, die Europa bislang nicht in großem Maßstab herstellen kann: weitreichende Angriffsraketen, Luftverteidigungssysteme mit großer Reichweite, Frühwarn- und Aufklärungstechnik, Transportflugzeuge, Tarnkappenjäger der fünften Generation sowie große Drohnen. Zudem ist Europa auf importierte Mikrochips angewiesen und droht bei KI-Anwendungen für das Gefechtsfeld zurückzufallen.

„Europa verfügt zwar über eine komplexe Rüstungsindustrie, doch die geringe Ausgangskapazität und Lücken bei bestimmten Fähigkeiten und heimischen Technologien führen dazu, dass ein beträchtlicher Teil der Ausrüstung importiert wird“, sagt Dvorak.

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