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NATO verlegt italienisches Raketenabwehrsystem in die Türkei

Das Raketenabwehrsystem SAMP/T steht am Montag, 19. Juni 2023, beim Internationalen Pariser Luftfahrtsalon auf dem Flughafen Paris-Le Bourget.
Das Raketenabwehrsystem SAMP/T steht am Montag, 19. Juni 2023, auf dem Gelände der Internationalen Luftfahrtausstellung in Paris-Le Bourget. Copyright  AP Photo
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Von Burcu Basaran
Zuerst veröffentlicht am
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Ein italienisches SAMP/T-System soll künftig die NATO-Luftverteidigung in Konya stärken. Hintergrund sind wachsende Sicherheitsbedenken in der Region.

Das türkische Verteidigungsministerium (MSB) hat angekündigt, im Rahmen der ständigen NATO-Verteidigungsplanung ein italienisches SAMP/T-Luftverteidigungssystem auf der 3. Hauptjetbasis in Konya zu stationieren. Damit soll die Luftverteidigung des Bündnisses gestärkt werden. SAMP/T (Surface-to-Air Missile Platform/Terrain) ist ein von Italien und Frankreich gemeinsam entwickeltes Luft- und Raketenabwehrsystem für mittlere und große Reichweiten.

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Es nutzt die Flugkörper Aster 15 und Aster 30 und bietet einen 360-Grad-Schutz gegen Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen sowie insbesondere gegen taktische ballistische Raketen. Hergestellt wird das System vom Konsortium Eurosam, einem Gemeinschaftsunternehmen der Rüstungsfirmen MBDA und Thales.

Zu den zentralen Komponenten gehören die Abfangrakete Aster 30 und das multifunktionale Radarsystem Arabel. Mit den Aster-30-Raketen, die Geschwindigkeiten von bis zu Mach 4,5 erreichen, kann das System neben Flugzeugen, Marschflugkörpern und Drohnen auch taktische ballistische Raketen in Entfernungen von mehr als 100 Kilometern bekämpfen. Die mobilen Batterien lassen sich über die Datenverbindung Link 16 vollständig in das NATO-Luftverteidigungsnetz integrieren.

Dank ihrer dreidimensionalen Zielerfassungsradare verfügen sie auch in elektronisch stark gestörten Umgebungen über eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit. Konya gilt aufgrund der strategischen Lage der Türkei als einer der wichtigsten Standorte für die Luftverteidigung der NATO. Das Bündnis betreibt zudem Patriot-Systeme in Malatya und Incirlik. Die 3. Hauptjetbasis in Konya zählt bei NATO-Einsätzen und internationalen Manövern zu den meistgenutzten Stützpunkten der Allianz.

der SAMP/T, auch als MAMBA-Raketenwerfer bekannt, wird am 20. Juni 2023, auf der Paris Air Show in Le Bourget nördlich von Paris, Frankreich, ausgestellt
der SAMP/T, auch als MAMBA-Raketenwerfer bekannt, wird am 20. Juni 2023, auf der Paris Air Show in Le Bourget nördlich von Paris, Frankreich, ausgestellt AP Photo/Lewis Joly

Türkische Luftverteidigung

Angesichts der Bedrohung durch ballistische Raketen hatte die Türkei die NATO um Unterstützung bei der Luft- und Raketenabwehr gebeten. Zwischen 2013 und 2015 stationierten die USA Patriot-Systeme in Gaziantep, Deutschland in Kahramanmaraş und die Niederlande in Adana. Seit 2015 schützen spanische Patriot-Batterien den Luftwaffenstützpunkt Incirlik, während italienische SAMP/T-Systeme seit 2016 in Kahramanmaraş im Einsatz sind.

Nach dem schrittweisen Abzug der verbündeten Systeme begann Ankara, nach einer eigenen nationalen Lösung zu suchen. Bereits 2013 hatte die Türkei beim NATO-Partner USA den Kauf von Patriot-Raketen beantragt, um ihren Bedarf im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung zu decken. Die Verhandlungen scheiterten jedoch an Differenzen über den Technologietransfer und den Preis. In Ankara setzte sich die Einschätzung durch, dass die temporären NATO-Stationierungen den langfristigen Bedarf des Landes nicht decken konnten.

Daraufhin wurden Programme zur Entwicklung eines eigenen strategischen Luftverteidigungssystems angestoßen. Mit der Lieferung des russischen Luftverteidigungssystems S-400 im Jahr 2019 eskalierte der Konflikt zu einer der schwersten Krisen in der Geschichte der NATO. Nach dem Kauf schlossen die USA die Türkei aus dem F-35-Programm aus und verhängten Sanktionen auf Grundlage des CAATSA-Gesetzes ("Countering America's Adversaries Through Sanctions Act"). Da die S-400-Systeme nicht in das NATO-Luftverteidigungsnetz integriert sind, bleibt ihre operative Nutzung bis heute umstritten.

Spannungen mit dem Iran

Der Zeitpunkt der geplanten Stationierung in Konya spiegelt die aktuelle Sicherheitslage in der Region wider. NATO-Einheiten hatten im März mehrere aus Iran abgefeuerte ballistische Raketen abgefangen, die sich auf den türkischen Luftraum zubewegten.

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums und der NATO kamen dabei im östlichen Mittelmeer stationierte Raketenabwehrsysteme des Bündnisses zum Einsatz, um die Bedrohung für die Türkei abzuwehren.

Die Vorfälle machten die Schwachstellen der türkischen Luftverteidigung auch aus Sicht der NATO deutlich. Das SAMP/T-System, das zuletzt auch im Krieg in der Ukraine eingesetzt wurde, trägt mit seinen stationierten Batterien wesentlich zur Luftraumsicherheit zahlreicher NATO-Staaten bei – darunter auch der Türkei.

Bevorstehender NATO-Gipfel

Mit Blick auf die angespannte Sicherheitslage dürfte das Thema auch auf dem NATO-Gipfel eine wichtige Rolle spielen, der am 7. und 8. Juli in der Türkei stattfindet. Beobachter werten die Stationierung des italienischen SAMP/T-Systems in Konya daher nicht nur als militärische Maßnahme, sondern auch als symbolisches Signal für den Zusammenhalt innerhalb des Bündnisses.

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