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Eurozone-Hypotheken: wo sind Zinsen am niedrigsten, wo am höchsten?

Bunte traditionelle Balkone in der Malta Street
Bunte, traditionell gestaltete Balkone in der Malta Street Copyright  Canva/Jiří Dočkal from Pexels
Copyright Canva/Jiří Dočkal from Pexels
Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am
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Kreditnehmer im Baltikum zahlen für Wohnungsbaukredite gut das Doppelte dessen, was maltesische Haushalte bezahlen, wie EZB-Daten bis April 2026 zeigen.

Wer heute in Lettland ein Haus auf Kredit kauft, zahlt bei der Bank 4,18 %. In Malta sind es 2,08 %.

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Gleiche Währung, gleiche Zentralbank, gleicher Stand im Zinszyklus – und doch liegen die Hypothekenkosten für zwei Haushalte im Euroraum weit auseinander.

Diese Spanne von mehr als zwei Prozentpunkten zwischen den günstigsten und teuersten Märkten gehört zu den auffälligsten Ergebnissen der neuesten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zu neuen Wohnungsbaukrediten für April 2026.

Hypotheken in Südeuropa deutlich günstiger

Im Euroraum lag der durchschnittliche Hypothekenzins nach EZB-Angaben bei 3,43 %. Er umfasst fest und variabel verzinste Kredite in allen Mitgliedstaaten.

Die niedrigsten Zinsen finden sich rund um das Mittelmeer.

Malta führt mit 2,08 %, dahinter folgen Bulgarien (2,45 %), Spanien (2,80 %), Portugal (2,85 %), Kroatien (2,95 %) und Slowenien (2,99 %).

Unter den großen Volkswirtschaften des Euroraums stechen Spanien und Portugal hervor. Kreditnehmer dort zahlen rund einen Prozentpunkt weniger als in Deutschland, wo neue Hypotheken 3,84 % kosten.

Baltische Staaten bleiben teuerste Hypothekenmärkte

Am anderen Ende der Skala stehen die baltischen Staaten.

Lettland verzeichnet mit 4,18 % den höchsten Hypothekenzins im Euroraum, gefolgt von Estland (4,05 %) und Litauen (3,88 %).

Auch Deutschland, Belgien und die Niederlande liegen über dem Durchschnitt des Euroraums.

Was die Zinsunterschiede für Hauskäufer bedeuten

Für Haushalte schlagen die unterschiedlichen Hypothekenzinsen direkt bei der monatlichen Belastung durch.

Ein Kredit über 200.000 € mit einer Laufzeit von zwanzig Jahren kostet zum maltesischen Durchschnittszins von 2,08 % rund 1.019 € im Monat.

Beim lettischen Zinssatz von 4,18 % steigt die Monatsrate für denselben Kredit auf etwa 1.231 € – also mehr als 200 € zusätzlich jeden Monat.

Über die gesamte Laufzeit zahlt der lettische Kreditnehmer fast 295.000 € zurück, in Malta wären es etwa 245.000 €.

Die Differenz entspricht rund 50.800 € an zusätzlichen Zinskosten – bei identischer Kreditsumme in derselben Währung.

Warum Hypothekenzinsen im Euroraum so stark auseinanderliegen

Die EZB legt für den gesamten Währungsraum einen einheitlichen Leitzins fest. Die Konditionen für Hypotheken bestimmen aber weitgehend die nationalen Bankensysteme.

Ein zentraler Faktor ist die Struktur des jeweiligen Marktes – vor allem, ob Kredite fest oder variabel verzinst sind.

In den baltischen Staaten und in Finnland dominieren variabel verzinste Darlehen.

Laut EZB machen variabel verzinste Hypotheken mehr als 93 % der neuen Wohnkredite in Lettland, Estland und Finnland aus. Im Euroraum insgesamt liegt ihr Anteil nur bei 15 %.

Steigen die Zinsen, spüren Kreditnehmer in Ländern mit überwiegend variablen Hypotheken die Belastung fast sofort.

In Frankreich, Spanien und Portugal überwiegen dagegen Festzinsdarlehen. Haushalte können ihre Kosten dort für Jahre fixieren, kurzfristige Zinsbewegungen schlagen weniger stark durch.

Auch der Wettbewerb zwischen den heimischen Banken spielt eine Rolle.

Kleinere Bankensektoren mit wenigen Anbietern verlangen oft höhere Margen. Die baltischen Märkte sind relativ stark konzentriert, der Wettbewerbsdruck auf Hypothekenzinsen bleibt daher begrenzt.

Wichtig ist zudem, wie sich Banken refinanzieren. Manche Institute sind stärker auf Geld- und Kapitalmärkte angewiesen, andere profitieren von großen heimischen Einlagenbeständen, die günstigere Kredite ermöglichen.

Dass Malta bei den Zinsen am unteren Ende der Skala steht, ist nicht neu.

Fachleute verweisen auf den intensiven Wettbewerb zwischen maltesischen Banken, reichlich heimische Einlagen und einen relativ stabilen Immobilienmarkt – Faktoren, die die Hypothekenzinsen niedrig halten.

Zudem ist der Anteil variabler Kredite deutlich geringer als in den baltischen Staaten. Das schützt Kreditnehmer besser vor schnellen Änderungen der EZB-Leitzinsen.

Euro: Währungsunion ist noch keine Finanzunion

Die EZB-Zahlen machen ein Paradox im Kern des Europrojekts sichtbar.

Die Geldpolitik ist in Frankfurt zentralisiert, doch ihre Wirkung kommt in den Ländern sehr unterschiedlich an.

Für Immobilienkäufer heißt das: Der Wohnort bleibt entscheidend.

Eine Familie, die in Riga ein Haus kauft, zahlt womöglich mehr als den doppelten Zinssatz einer Familie in Valletta – obwohl beide in derselben Währung und unter derselben Zentralbank aufnehmen.

Drei Jahrzehnte nach Einführung des Euro gehört der Immobilienkauf weiterhin zu den deutlichsten Beispielen dafür, dass innerhalb der Währungsunion noch immer nationale Finanzgrenzen existieren.

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