Eine neue Studie der Europäischen Föderation für Verkehr und Umwelt sieht einen Zusammenhang zwischen dem Boom des Flugtourismus in sieben Ländern und steigenden Mieten und Immobilienpreisen, erfasst das Problem aber nicht vollständig.
Der Anstieg des Flugtourismus treibt nach Einschätzung eines neuen Berichts die Miet- und Immobilienpreise in Europa nach oben – besonders in Spanien. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der New Economics Foundation (NEF), im Auftrag der Europäischen Föderation für Transport und Umwelt (T&E). Wohnungsschutz-Initiativen stützen die Ergebnisse und verweisen auf die Probleme mit Saisonvermietungen und mit Immobilienkäufen durch Ausländer.
Die Auswertung (Quelle auf Spanisch) betrachtet den Zeitraum 2019 bis 2025. In sieben europäischen Ländern, vor allem in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland, steigt die Zahl der Flugtouristen und parallel dazu die Mieten und Kaufpreise von Wohnraum. Wo der Flugtourismus zurückgeht – etwa in Belgien, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden und Polen – sinken auch die Immobilienpreise, wenn auch nur moderat, betont T&E.
In Spanien stieg die Zahl der Touristen, die mit dem Flugzeug einreisen, in den vergangenen sieben Jahren um zwölf Komma acht Prozent. Laut Studie verteuert das den Kauf von Wohnungen im Schnitt um 3.800 Euro. Die Mieten liegen zudem bis zu 236 Euro höher, ein Plus von 1,7 Prozent. Bis 2031 könnten die Mieten allein durch diesen Faktor um weitere 217 Euro anziehen.
Wie bereits eine Analyse der spanischen Wohnungsmarktlage der Banco de España hervorhob, weist auch die neue Studie darauf hin, dass die Wirkung je nach Stadt und Region stark schwankt. Entscheidend ist, wie hoch die touristische Nachfrage vor Ort ist. Ein Innenstadtviertel in Valencia lässt sich daher nicht mit einer Stadt wie Lugo vergleichen.
Die Untersuchung der Zentralbank machte den Einfluss von Wohnungen deutlich, die für touristische oder saisonale Vermietung vorgesehen sind – rund 400.000 Einheiten – sowie von Zweitwohnungen spanischer und ausländischer Käufer. Im Schnitt kommen hier jedes Jahr etwa 50.000 zusätzliche Wohnungen hinzu. Das erklärt einen Teil der Entwicklung. Es reicht jedoch nicht aus, um die ganze Dimension eines Problems zu erfassen, das sich zur größten Hürde für den Erhalt der Kaufkraft in Spanien und anderswo entwickelt hat.
Der Mangel an ausreichend Wohnraum im Land – besonders in stark angespannten Städten und Autonomieregionen – treibt die Preise ebenfalls nach oben. Hinzu kommen umfangreiche Bürokratie, überschneidende Vorschriften der verschiedenen Verwaltungsebenen, eine schwache Stadtplanung und fehlende Arbeitskräfte im Bau- und Immobiliensektor.
Steigende Preise und CO2-Emissionen, stagnierende Löhne
Der neue Bericht von T&E erwartet, dass die Flughäfen Madrid-Barajas und El Prat in Barcelona Schiphol in Amsterdam bei den Touristenzahlen überholen. Barcelona plant dafür eine Erweiterung der Terminals. Das Projekt ist umstritten, weil es die geschützten Lagunen von La Ricarda beeinträchtigen könnte. Die Regionalregierung von Salvador Illa versichert jedoch, den Plan überarbeitet zu haben, um die Naturzone zu schützen.
Analysten berechnen auf Basis von Eurostat-Daten und Medienberichten, dass es in den vergangenen fünf Jahren in den Balearen neun Komma zwei Touristen pro Einwohner gab. Auf den Kanaren kamen 4,9 Touristen auf jede Bewohnerin oder jeden Bewohner, in Katalonien waren es zwei. Der EU-Durchschnitt liegt bei null Komma neun. Spanien investierte zudem 12.900 Millionen Euro in seine Flughäfen, vor allem in Barajas und El Prat.
Die Studie zeigt auch, dass Spanien und Italien im Jahr 2025 ihre Flugemissionen aus der Zeit vor der COVID-19-Pandemie überschritten. Spaniens Luftverkehr lag 14 Prozent, Italiens zehn Prozent über dem Niveau von 2019. Schon 2019 war der Tourismussektor für acht Komma acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.
Die Löhne und die Produktivität halten jedoch mit dem Touristenzuwachs nicht Schritt. 2023 entfielen in Spanien in der Gastronomie und Hotellerie zehn Prozent aller Arbeitsstunden, der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt betrug aber nur fünf Prozent – ein Zeichen für geringe Produktivität. Zwischen 2008 und 2024 sanken die realen Löhne im spanischen Gastgewerbe leicht, obwohl deutlich mehr ausländische Touristen kamen und der Mindestlohn in den vergangenen acht Jahren schrittweise angehoben wurde.