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Österreich wird Europas heißester KI-Markt: das steckt dahinter

Menschen fahren am Donnerstag, 26. September 2024, in Wien in einer Pferdekutsche.
Menschen fahren mit einer Pferdekutsche durch Wien, Österreich, am Donnerstag, 26. September 2024. Copyright  Copyright 2024 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am
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Österreichischer Chip-Hersteller legt um 459 Prozent zu und macht die banklastige Börse in Wien 2026 zu einem der Börsenstars der Eurozone.

Jahrelang galt der österreichische Aktienmarkt vor allem als Spielwiese für Banken; der Energiekonzern OMV war eine der wenigen größeren Industriepositionen.

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Im Börsenjahr 2026 gehört die Wiener Börse jedoch zu den stärksten Aktienmärkten Europas.

Treiber des Booms ist kein Geldhaus und kein Ölkonzern, sondern ein Halbleiter-Zulieferer mit Sitz im steirischen Leoben, einer Stadt mit rund 24.000 Einwohnern.

Der Leitindex ATX hat seit Jahresbeginn laut Trading Economics um 21,3 % zugelegt.

Kein großer Aktienmarkt der Eurozone hat besser abgeschnitten. In Italien stieg der FTSE-MIB um 16,1 %, in den Niederlanden legte der AEX um 15,5 % zu, in Spanien gewann der IBEX 35 11,5 %.

Der deutsche DAX kommt lediglich auf 1,6 %, der französische CAC 40 auf 2,3 %.

Der Euro Stoxx 50, der viele der größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone abbildet, legte um 8,2 % zu und bleibt damit deutlich hinter der Performance des österreichischen Leitindex zurück.

Eine kaum bekannte österreichische Firma treibt ATX-Rally

Im ATX sind nur 20 Standardwerte enthalten; traditionell dominieren Banken, Industriekonzerne und andere zyklische Unternehmen.

Auf den ersten Blick spricht wenig dafür, dass dieser Markt Indizes mit deutlich größeren Technologiesektoren übertreffen sollte.

Die Erklärung wird klar, wenn man sich den größten Gewinner des Index ansieht.

AT&S, offiziell Austria Technologie & Systemtechnik AG, gehört in diesem Jahr zu den herausragenden europäischen Titeln.

Die Aktie hat seit dem ersten Handelstag des Jahres um 459 % zugelegt und ist von 32,20 Euro Ende Dezember auf 174 Euro am Donnerstag gestiegen.

Die Börsenbewertung stieg damit in gut einem halben Jahr von rund 1,25 Milliarden Euro auf etwa 7 Milliarden Euro.

Damit schlägt AT&S mehrere bekannte Halbleiterhersteller, die mit dem KI-Boom in Verbindung gebracht werden, darunter Micron Technology, Intel, AMD und Marvell.

Trotz des spektakulären Kursanstiegs bleibt AT&S außerhalb der Halbleiterbranche weitgehend unbekannt, denn das Unternehmen produziert ein Bauteil, das Endkunden nie zu Gesicht bekommen.

Was AT&S produziert

AT&S ist auf sogenannte Integrated-Circuit-Substrate spezialisiert. Sie zählen zu den wichtigsten Bauteilen moderner Hochleistungs-Chipgehäuse.

Moderne KI-Prozessoren lassen sich nicht einfach direkt auf Leiterplatten setzen.

Stattdessen werden sie auf ein Substrat montiert, eine hochkomplexe Plattform, die den Chip mechanisch trägt und zugleich tausende mikroskopische Leiterbahnen für Stromversorgung und Datentransfer zwischen Prozessor und System enthält.

Für Nutzer bleiben diese Substrate unsichtbar. Für Leistung und Zuverlässigkeit moderner Chips sind sie jedoch entscheidend.

Ihre Fertigung gilt zudem als besonders anspruchsvoll.

Jedes Substrat besteht aus mehreren extrem dünnen Schichten mit winzigen Leiterstrukturen, die mit höchster Präzision hergestellt werden müssen.

Weltweit beherrschen nur wenige Unternehmen die Technologie für die modernsten Varianten.

AT&S ist der einzige größere europäische Hersteller in diesem Spezialsegment. Zu den wichtigsten Wettbewerbern zählen japanische und taiwanische Konzerne wie Ibiden und Shinko Electric.

Nach Zahlen, die AT&S Anfang des Jahres Investoren vorlegte, soll der Weltmarkt für Substrate im Jahr 2025 um 18 % auf rund 11,1 Milliarden Dollar (9,7 Milliarden Euro) wachsen.

Gute Geschäftszahlen stärken Anlegervertrauen

Der Rückenwind aus der Branche schlägt sich bereits in deutlich besseren Kennzahlen nieder.

Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte AT&S einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro, ein Plus von 21 % bei konstanten Wechselkursen. Ohne den Erlös aus dem Verkauf des Werks im südkoreanischen Ansan stieg das EBITDA um rund 50 % auf 418 Millionen Euro, der freie Cashflow drehte von einem hohen Minus ins Plus und lag bei 236 Millionen Euro.

„2025/26 war für AT&S ein starkes und wegweisendes Geschäftsjahr“, sagte Vorstandschef Michael Mertin, als das Unternehmen am 21. Mai die Jahreszahlen präsentierte.

Am 13. Juni nahm die Begeisterung der Anleger weiter zu. An diesem Tag gab AT&S Vereinbarungen mit AMD und einem weiteren großen Technologiekunden bekannt, bei dem es sich nach Reuters-Angaben um Intel handelt. Ziel ist der Ausbau der Kapazitäten an den Standorten Kulim in Malaysia und Chongqing in China.

Die geplanten Investitionen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro sorgten für Aufmerksamkeit, weil sie in etwa der Börsenbewertung des Unternehmens zu Jahresbeginn entsprechen.

Ein Unternehmen verändert Österreichs Aktienmarkt

Der Kursanstieg verändert auch die Struktur des österreichischen Aktienmarkts.

Finanzhäuser dominieren weiterhin die wichtigsten Anlagevehikel des Landes. Im iShares MSCI Austria ETF ist die Erste Group mit 24,2 % die größte Position, gefolgt von BAWAG mit 12,5 %.

Zusammen mit Raiffeisen Bank International und zwei Versicherern machen Finanzwerte noch immer rund die Hälfte des Fonds aus.

AT&S ist inzwischen jedoch die viertgrößte Einzelposition und steht für 5,9 % des Portfolios. Vor einem Jahr war der Anteil noch verschwindend gering.

Österreich hat sich damit nicht über Nacht in einen Tech-Markt verwandelt. Banken und zyklische Unternehmen prägen den Leitindex weiterhin.

Die außergewöhnliche Rally von AT&S zeigt jedoch, wie ein einziges Unternehmen aus einem zentralen Segment der KI-Lieferkette die Entwicklung eines gesamten nationalen Aktienmarkts maßgeblich beeinflussen kann.

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