Volkswagen steht wegen Zöllen und wachsendem Druck chinesischer Hersteller unter Zugzwang. Harte Sparprogramme und ein Kurswechsel sollen die Marktposition sichern.
Volkswagens größter Anteilseigner Porsche SE drängt den deutschen Autokonzern zu schnellen Gegenmaßnahmen gegen die wachsende Konkurrenz chinesischer Automarken. Am Ende könnte der Konzern vor dem größten Umbau seiner neunundachtzigjährigen Geschichte stehen.
Die Familien Porsche und Piëch kontrollieren Volkswagen über ihre Holding Porsche SE, die rund 31,9 % der VW-Aktien hält.
„Der Volkswagen-Konzern steht an einem historischen Wendepunkt. Die Entscheidungen, die Volkswagen jetzt trifft, bestimmen seine Zukunft. Im Interesse des Unternehmens und seiner nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit müssen jetzt alle Verantwortung übernehmen“, sagte Hans Dieter Pötsch, Vorstandsvorsitzender von Porsche SE, in einer Mitteilung.
Pötsch betonte außerdem, dass zentrale Weichenstellungen so schnell wie möglich erfolgen müssen. Je länger man sie hinausschiebe, desto größer würden die Probleme.
Er ergänzte: „Im Mittelpunkt darf jetzt allein stehen, was aus unternehmerischer und wirtschaftlicher Sicht notwendig ist. Alle anderen Erwägungen sind nachrangig.“
Gemeint sind unter anderem der Abbau von Überkapazitäten, deutlich schnellere Entscheidungen und deren Umsetzung im Konzern sowie spürbare Kostensenkungen.
Diese Haltung könnte bedeuten, dass Volkswagen in den kommenden Monaten Themen wie Arbeitnehmerrechte und Umweltauflagen weniger stark gewichtet. Der Konzern will zunächst Gewinne sichern und den Umbau vorantreiben, um die aktuelle Wettbewerbskrise zu bewältigen.
„Wettbewerbsfähigkeit ist das Ziel. Auf dem Weg dorthin muss jede Option auf den Prüfstand. Andernfalls läuft Volkswagen Gefahr, dauerhaft Boden gegenüber internationalen Wettbewerbern zu verlieren“, sagte auch Finanz- und IT-Vorstand Johannes Lattwein in der Mitteilung.
Die VW-Aktie legte am Freitag-Nachmittag um 0,6 % zu, liegt seit Jahresbeginn aber mehr als 27 % im Minus.
Volkswagen vor tiefgreifendem Konzernumbau
Der Konzern hat bereits bestätigt, dass er den Abbau von bis zu 100.000 Stellen prüft, um auf schwache Gewinne zu reagieren. Das wäre doppelt so viel wie bislang kommuniziert.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund hohen Zolldrucks in Milliardenhöhe und eines massiven Wettbewerbs durch chinesische Hersteller, vor allem E-Auto-Marken wie BYD, Geely und SAIC.
Volkswagen verliert sowohl im chinesischen Markt, wo klassische Modelle gegenüber schnell wachsenden chinesischen E-Autos zurückfallen, als auch in Europa, Lateinamerika und Afrika Marktanteile. Dort gewinnen günstige Fahrzeuge aus China weiter deutlich hinzu.
Um sich breiter aufzustellen und widerstandsfähiger zu werden, prüft Volkswagen zudem verschiedene Optionen, um die Produktivität zu steigern und die Auslastung seiner Werke zu erhöhen.