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Waldbrände in Frankreich bedrohen Rüstungsstandorte und treffen Regionalwirtschaft

Ein Feuerwehrmann trägt seine Ausrüstung bei Löscharbeiten in einem Wald bei Claouey. Im Südwesten Frankreichs wüten Waldbrände, Dienstag, 28. Juli 2026.
Ein Feuerwehrmann trägt seine Ausrüstung und bekämpft einen Waldbrand in einem Wald bei Claouey im Südwesten Frankreichs, Dienstag, 28. Juli 2026. Copyright  AP Photo/Emma Da Silva
Copyright AP Photo/Emma Da Silva
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am
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Die Brände haben an strategisch wichtigen Luft- und Rüstungsstandorten Evakuierungen und Schutzmaßnahmen ausgelöst. Tausende Firmen können nicht mehr normal arbeiten.

In Frankreichs südwestlichem Département Gironde haben Waldbrände Evakuierungen und besondere Schutzmaßnahmen an strategisch wichtigen Standorten der Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie rund um Bordeaux erzwungen. Einer der bedeutendsten Industrieknoten des Landes liegt dadurch lahm.

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Zu den betroffenen Unternehmen zählen ArianeGroup, Dassault Aviation, Airbus Atlantic und der Raketentriebwerk-Spezialist Roxel.

Das französische Verteidigungsministerium teilte mit, dass seit Samstag 1.500 Soldatinnen und Soldaten zur Unterstützung der Einsatzkräfte abgestellt wurden. Zudem seien „Expertinnen, Experten und zusätzliche Mittel“ entsandt worden, um gemeinsam mit anderen Ressorts die Sicherheit der Industriegelände zu gewährleisten.

ArianeGroup, deren Standorte in der Region Antriebssysteme für die europäischen Ariane-Raketen und Frankreichs ballistische M51-Raketen fertigen, sagte AFP am Montag, das Unternehmen stehe in ständigem Kontakt mit lokalen und nationalen Behörden. „Die Fragen der Sicherung der Standorte von ArianeGroup werden bearbeitet“, erklärte das Unternehmen gegenüber AFP.

Der französische Sender TF1 berichtete, dass Roxel, eine Tochter des europäischen Raketenherstellers MBDA, in dem als Hochrisiko eingestuften Industriekomplex in Saint-Médard-en-Jalles tätig ist, wo das Unternehmen Feststoffantriebe für taktische Raketen produziert. Wenige Kilometer entfernt stehen auch Anlagen von Dassault, Safran und Thales unter Druck. Roxel erklärte gegenüber „Le Monde“, man habe mit Unterstützung der Behörden alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Produktion und der Belegschaft ergriffen.

Nach Angaben von „Defense News“ arbeitet Dassault Aviation eng mit der französischen Rüstungsdirektion und den Präfekturbehörden zusammen. Das Unternehmen hat sensible Ausrüstung aus dem Werk Martignas und dem Logistikzentrum Cestas auf den Standort Mérignac und den nahegelegenen Luftwaffenstützpunkt 106 verlagert.

Das Unternehmen teilte AFP zudem mit, dass die meisten Beschäftigten in Mérignac und Martignas vorerst zu Hause bleiben. In Mérignac montiert Dassault die Rafale-Kampfjets und die Geschäftsflugzeuge der Falcon-Reihe, dort finden auch die Flugtests statt. Das Werk Martignas ist auf Strukturbauteile für Flugzeuge spezialisiert.

Auch Airbus Atlantic hat auf Anweisung der Behörden die Mitarbeitenden aus seinem Werk in Salaunes evakuiert. Dort entstehen Rumpfsektionen für die Modelle Airbus A220 und A350.

Ein wirtschaftlicher Donnerschlag

Die Probleme der Schlüsselindustrie sind Teil eines deutlich größeren wirtschaftlichen Schocks, der das Département Gironde trifft.

Seit dem Ausbruch des Feuers am 22. Juli hat der Brand nach jüngsten offiziellen Angaben rund 42.000 Hektar verwüstet, etwa 220.000 Menschen zur Flucht gezwungen und rund 240 Häuser zerstört.

Nach Angaben der Präfektur von Gironde galt der Brand am Dienstagmorgen nach einer vergleichsweise ruhigen Nacht als „stabilisiert“. Die Behörden warnten dennoch, steigende Temperaturen und sinkende Luftfeuchtigkeit könnten die Lage erneut verschärfen.

In den Evakuierungszonen von Gironde liegen mehr als 13.000 Unternehmen, darunter rund 7.000 Handwerksbetriebe und 6.300 Einzelhändler, meldet das französische Wirtschaftsministerium. Wegen der Evakuierungen können sie nicht mehr normal arbeiten.

Die Handelskammer Bordeaux-Gironde schätzt, dass rund 130.000 Beschäftigte ihre Arbeit derzeit nicht wie gewohnt ausüben können.

Wirtschaftsminister Roland Lescure sprach von einem „wirtschaftlichen Donnerschlag für eine Region, die ihn nicht nötig hatte“.

Carsten Brzeski, globaler Chefökonom der ING, erwartet, dass die gesamtwirtschaftlichen Folgen „messbar“ sein werden. Er verweist auf verlorene Arbeitsstunden, geringere Produktivität und Störungen im Güterverkehr.

Die französische Regierung kündigte am Montag Nothilfen für Unternehmen an, die von den Bränden in Gironde, im Département Landes und im Département Var betroffen sind. Firmen in Evakuierungsgebieten können demnach auf das staatlich gestützte Kurzarbeitsmodell zurückgreifen.

Der Verband France Assureurs verlängerte zudem die Frist für Schadenmeldungen bis zum 31. August.

Im Wirtschaftsministerium findet am Donnerstag ein Treffen mit betroffenen Unternehmen statt, um „präzisere Antworten“ zu geben, kündigte Industrieminister Sébastien Martin bei BFMTV-RMC an.

Tourismus, Forstwirtschaft und Weinbau verzeichnen Verluste

Tourismusbetriebe kämpfen in einer ihrer eigentlich stärksten Saisonphasen mit Stornierungen und Schließungen. Unternehmen in der gesamten betroffenen Region melden verdorbene Waren, unterbrochene Lieferketten und fehlendes Personal.

Der Brand beeinträchtigt auch die Arbeit im Waldgebiet Landes de Gascogne, einem der wichtigsten Zentren der französischen Forstindustrie.

Die Holzbranche ist der drittgrößte Industriezweig in Nouvelle-Aquitaine. Sie sichert rund 56.000 Arbeitsplätze, davon etwa 34.000 mit Bezug zum Wald Landes de Gascogne, und erwirtschaftet Schätzungen zufolge jährlich rund 10 Milliarden Euro.

Die Weinberge rund um Bordeaux blieben nach Angaben von „Le Monde“ bis zum 27. Juli von direkten Flammen verschont. Winzer warnen dennoch, dass Rauch die Trauben beeinträchtigen und die Qualität kommender Jahrgänge mindern könnte.

Kosten reichen über versicherte Schäden hinaus

Die endgültigen wirtschaftlichen Schäden dürften weit über das hinausgehen, was an Zerstörung sichtbar ist und von Versicherungen gedeckt wird.

Nach Berechnungen von Allianz Research waren zwischen 1980 und 2022 in Europa nur rund 10 Prozent der wirtschaftlichen Verluste durch Hitzeperioden, Dürren, Waldbrände und andere wetterbedingte Ereignisse versichert. Bei Schäden durch Stürme, Hagel und starken Wind lag der Anteil der versicherten Verluste bei mehr als einem Drittel.

Diese Berechnungen erfassen lediglich direkte Schäden an Sachwerten. Todesfälle, Gesundheitsausgaben und Produktivitätsverluste bleiben außen vor, obwohl sie bei Hitzewellen und Waldbränden einen erheblichen Teil der Kosten ausmachen können.

Eine in „Nature Sustainability“ veröffentlichte Studie beziffert die Gesamtschäden der Waldbrände in Kalifornien im Jahr 2018 auf 148,5 Milliarden Dollar. Direkte Kapitalschäden machten 19 Prozent dieser Summe aus, Gesundheitskosten 22 Prozent und indirekte wirtschaftliche Störungen 59 Prozent.

Die Forschenden stellten fest, dass die Auswirkungen auf Lieferketten weit über die Brandgebiete hinausreichten. Mehr als die Hälfte der indirekten Verluste entstand außerhalb Kaliforniens.

Die Europäische Zentralbank schätzt, dass in der EU zwischen 1980 und 2023 nur etwa ein Viertel der klimabedingten Katastrophenschäden versichert war.

Nach Angaben des Versicherungsverbands Insurance Europe lag die durchschnittliche Sicherungslücke – also der Anteil nicht versicherter Schäden – zwischen 2015 und 2024 bei 53 Prozent in Frankreich und 60 Prozent in Spanien. Grundlage sind Daten von Munich Re.

„Bei Waldbränden ist die bittere Nebenwirkung, wie bei anderen Naturkatastrophen auch, dass sie nach Beginn des Wiederaufbaus zu zusätzlicher wirtschaftlicher Aktivität führen“, sagte Brzeski.

Er betonte jedoch, dass Haushalte, Versicherer und der Staat die Kosten des Wiederaufbaus letztlich tragen müssen.

Da die Temperaturen Prognosen zufolge in dieser Woche erneut steigen, müssen Unternehmen und Industriebetriebe damit rechnen, dass Evakuierungen und Produktionsunterbrechungen länger anhalten.

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