Der weltgrößte Spirituosenhersteller streicht sein mittelfristiges Wachstumsziel: Der neue CEO Dave Lewis will den Konzern nach Jahren stagnierender Verkäufe neu ausrichten.
Der neue Diageo-Chef Dave Lewis hat am Donnerstag ein Spar- und Umbauprogramm im Umfang von 1 Milliarde Dollar (870 Millionen Euro) angekündigt. Mit harten Einschnitten will der Spirituosenkonzern auf die schwache Geschäftsentwicklung reagieren und sich auf eine Phase geringerer Nachfrage in den kommenden Jahren einstellen.
Diageo rechnet nun bis zum Geschäftsjahr 2029 nur noch mit einem organischen Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zuvor hatte der Konzern mittelfristig fünf bis sieben Prozent angepeilt.
Anleger nahmen den Plan positiv auf. Für sie ist er ein Signal, dass Lewis nach Jahren stagnierender oder rückläufiger Erlöse entschlossen gegensteuert. Diageo besitzt Marken wie Johnnie Walker, Guinness und Smirnoff.
Lewis trägt seit früheren Sparrunden bei Tesco und Unilever den Spitznamen „Drastic Dave“.
Unklar ist noch, wie viele Stellen die Pläne treffen. In mehreren Regionen laufen derzeit noch Konsultationen.
Lewis räumte ein, dass ein Umbau dieser Größenordnung die Kostenstruktur des Unternehmens tiefgreifend verändern wird. Damit gehe voraussichtlich auch ein spürbarer Einschnitt für viele Beschäftigte einher.
Vor allem zentrale Verwaltungsfunktionen weltweit stehen vor größeren Veränderungen. Auch dort, wo sich heute Prozesse auf Länder-, Regional- und Konzernebene überschneiden, sollen Doppelstrukturen abgebaut werden.
Zusätzliche Einsparungen sollen entstehen, weil Diageo Ausgaben für Kapazitäten streicht, die für ein Wachstum aufgebaut wurden, das letztlich ausgeblieben ist.
Die Entlastung aus dem Programm soll sich über drei Jahre erstrecken. Bereits jetzt sind rund 70 Prozent der veranschlagten Gesamtkosten von 1,2 Milliarden Dollar (1 Milliarde Euro) angefallen.
Getränkemarkt weltweit: Branche schwächelt weiter
Die weltweite Getränkeindustrie kämpft seit einigen Jahren mit nachlassender Nachfrage. Trinkgewohnheiten haben sich seit der Pandemie deutlich verändert – welche Getränke konsumiert werden, wo und in welchen Mengen.
Dazu kommen hohe Inflation und die anhaltende Lebenshaltungskostenkrise in vielen Regionen. Zugleich greifen vor allem jüngere, gesundheitsbewusste Menschen häufiger zu Getränken mit wenig oder ganz ohne Alkohol.
Vor diesem Hintergrund überrascht Diageos Kurs kaum. Auch andere große Player der Branche wie Heineken und Pernod Ricard haben zuletzt Sparprogramme und Stellenabbau angekündigt.