Winston Churchill prägt als Kriegszeit-Premier die Geschichte. Sein Malerleben ist weniger bekannt. Eine neue Schau in der Londoner Wallace Collection rückt ihn als Künstler ins Licht.
Für viele Menschen ist Winston Churchill vor allem für seine mitreißenden Kriegsreden und seine dicken Zigarren bekannt. Doch der berühmteste Premierminister Großbritanniens liebte auch die Malerei.
Diese weniger bekannte Seite beleuchtet nun eine neue Ausstellung in der Wallace Collection in London. Sie richtet den Blick auf Churchills kreative Ader.
Die Organisatoren sprechen von der bedeutendsten Präsentation von Churchills Gemälden seit mehr als 60 Jahren. Zu sehen sind mehr als 50 Leinwände, viele davon sonst kaum öffentlich ausgestellt.
Churchill griff im Ersten Weltkrieg erstmals zum Pinsel. 1915 war er nach dem desaströsen Dardanellen-Seefeldzug aus der Regierung ausgeschieden.
Als Erster Lord der Admiralität spielte er zudem eine Schlüsselrolle bei der Planung der Landung von Gallipoli, die wie die Dardanellen-Offensive enorme Verluste forderte.
Es sei eine „sehr schwierige Phase in seinem Leben“ gewesen, „in der er sich plötzlich mit all dieser unerwünschten freien Zeit konfrontiert sieht“, sagt Lucy Davis, Co-Kuratorin der Schau, der französischen Nachrichtenagentur AFP.
In der Malerei habe er einen Weg gefunden, den Stress und die Qual dieser Situation abzubauen.
Die Ausstellung zeigt Churchills Werke chronologisch. Den Auftakt bilden Bilder, die er unter Anleitung des bekannten Künstlers John Lavery malte. Es folgen Leinwände aus den 1920er-Jahren, entstanden in Chartwell, dem Landsitz der Familie Churchill.
Vom Süden inspiriert
Churchill brachte sich das Malen weitgehend selbst bei. Bald wandte er sich der Landschaftsmalerei zu und ließ sich auf Reisen in den Süden Frankreichs und nach Marokko inspirieren. Dort entstanden farbintensive Bilder, dominiert von Blau- und Ockertönen.
Für Churchill war Malerei ein Anreiz zu reisen. Er liebte das Licht, die Wärme und die Atmosphäre dieser Orte, die er, so Davis, „auf wunderbare Weise einfängt“.
Ein ganzer Raum ist Bildern aus Marokko gewidmet, darunter „The Tower of the Koutoubia Mosque“. Es ist das einzige Gemälde, das Churchill im Zweiten Weltkrieg schuf. Er schenkte es dem damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Später gehörte das Bild Hollywoodstar Angelina Jolie, bevor es 2021 versteigert wurde.
Als Staatsmann ging Churchill mit seiner Rolle im Krieg in die Geschichte ein. Als Maler interessierte er sich laut Davis jedoch kaum dafür, das aktuelle Weltgeschehen festzuhalten.
„Er war ein Regierungschef in Kriegszeiten. Er war berühmt für seine mitreißenden Reden. In diesen Bildern aber sieht man seine Lebensfreude, seinen Witz, seine verspielte Seite“, sagt sie.
Ein Bild in der Schau bildet eine Ausnahme: „The Beach at Walmer“, gemalt 1938, als die Angst vor einem neuen Krieg wuchs. Es zeigt Badende, die im flachen Wasser an einem Sandstrand an der Südküste Englands planschen. Im Vordergrund richtet sich eine schwarze Kanone aufs Meer – ein Hinweis auf die drohende Gefahr.
Der Rundgang endet in der Nachkriegszeit. Nachdem Churchill eine Parlamentswahl verloren hatte, griff er wieder zur Staffelei und malte bis zu seinem Tod 1965 weiter. Einige seiner Werke schafften es damals sogar in Ausstellungen der Royal Academy.
„Winston Churchill: The Painter“ (Quelle auf Englisch) ist in der Wallace Collection in London noch bis zum 29. November 2026 zu sehen.